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Beiblätter

zur Nassauischen Allgemeinen Jeitung

für Literatur, Kunst und gemeinnützige Interessen.

M 23a» Mittwoch den 13. Dezember 1828.

A Die beiden Amazonen

(Fortsetzung.)

Man kommt in Palästina an, kämpft, verrichtet Wunder der Tapferkeit, gewinnt die Sporen, bedeckt sein Wappenschild mit Ehre und Ruhm. Ja, meine Damen, das war eine schöne Zeit! Ein Kreuzritter hielt sich für den ersten Diener Gottes und würde sein Kreuz nicht für eine Goldmine hingegeben haben! Wilfried bewahrte sein Inkognito; er ward in die Leibwache Ludwig IX. ausgenommen, und zog durch seine Hel­denthaten Aller Bewunderung auf sich. Da kam die Schlacht bei Maffurah, ein großer Tag, meiner Treu! Der ganze Orient zu Pferde, der ganze Orient geharnischt, mit wuth­schäumenden Lippen, von Schwertern starrend, stürzt sich auf die Christen, um dem Kreuzzuge mit einem Male den Kopf abzuschlagen. Der König Ludwig IX. wird von einem dichten Haufen riesiger Sarazenen bedrängt, er mäht sie zusammen wie der Schnitter die Achren, aber immer dringen neue Schaa- ren auf ihn ein; da plötzlich ertönt ein durchdringender Ruf unter den christlichen Rittern: das Pferd des Königs ist von hundert Lanzenstichen durchbohrt hingesunken und das mächtige Schwert Ludwigs IX. ist auf einem ehernen Helm in Stücke zersplittert. Ein Ritter, schnell wie der Wind, wirst sich vor den König, hebt ihn aus ein kräftiges Pferd und kämpft tapfer zu Fuß, um Ludwig Zeit zu verschaffen, sich wieder zu be­waffnen. Plötzlich jedoch sinkt der, welcher dem Könige diesen ausgezeichneten Dienst erwiesen, in den Staub; sein Helm entfällt ihm, er ist dem Tode nahe...

„Meine tapferen Waffengefährten, rief der König, eilt diesem Kinde zu Hülfe!"

Der Graf von Vallamar und der Herr von Seon stürzen sich aus den jungen Christen; sie ziehen ihn blutend aus dem Getümmel, sie netzen sein Antlitz mit Wasser aus einem Brun­nen unter den Palmen.

„Beim heiligen Grabe! schrie Vallamar, es ist mein Sohn Wilfried!"

Es war Wilfried! 7 7 7

„Es ist nichts, mein Vater," sagte der junge Mann,' „eine leichte Wunde an der Stirne, laßt mich mein Pferd wieder besteigen!"

Vallamar warf einen strengen Blick auf Wilfried und sagte zu ihm:

„Du bist Deinem Vater ungehorsam gewesen; Du hast Deinen Schutzengel betrübt. Entferne Dich; und wenn Du meine Verzeihung erhalten willst, so thue hunderttägige Buße im Kloster von Notre-Dame de la Mer."

„Aber wißt Ihr wohl, Vater, daß ich den König geret­tet habe? . . ."

„Ich weiß, daß Du Deinem Vater und Gott ungehor­sam warst. Seu nicht stolz, mein Sohn, der König wäre auch ohne Dich gerettet worden."

Wilfried siel vor seinem Vater auf die Knie und bat um Vergebung.

„Ich werde sie Dir zu Vallamar ertheilen, wenn Du der­selben würdig bist.

Eine Galeere führte Wilfried nach der Provence zurück. Der junge Kreuzritter landete in dieser kleinen Bai, und be­gab sich nach dem Kloster, wo er sich eine einjährige Buße auferlegte.

Nach beendetem Kreuzzuge kam ein Page zum Kloster und fragte nach Wilfried. Alle edlen Kreuzritter waren auf dieser Terrasse um eine große eichene Tafel versammelt, die mit den Erzeugnissen des Landes und des Meeres beladen war. Wilfried stellte sich gebeugt und mit niedergeschlagenen Augen vor seinen Vater hin.

„Mein Sohn, sagte der Graf von Vallamar, diese Waf­fen verleiht dir der König. Du wirst fortan auf deinem Schilde drei goldene Muscheln und auf deiner Binde eine sil­berne Lilie führen. Der edle Herr zu meiner Rechten gibt dir seine Tochter Henriette von Seon, und ich, dein Vater ich gebe dir noch etwas viel kostbareres, Verzeihung für einen Fehltritt und meine Freundschaft."

„Ich danke Euch sehr, Herr Altovitis, sagte Gabriele von Laval. Wahrhaftig, das ist eine Erzählung, die uns ganz zu