allen zu diesen Jtlstituten gehörigen Sammlungen des Landes für Wissenschaft und Künste. Daß diese Anstalten durch Lokal, Personal, Material und allerlei Zwecke mehr oder minder unter einander in einer naturgemäßen Wechselwirkung stehen und sich gegenseitig ergänzen und unterstützen müssen auch zu Ersparnissen in Geldabgaben, bedarf für Sachkundige keiner besonderen Nachweisung.
Wenn aber bei dem Vereine „für Nassauische Altcrthums- kundc und Geschichtsforschung" die Thätigkeit des Vorstandes und die Beobachtung der zu erwartenden neuen organischen Gesetze wie bisher nur dem freien Willen der zufällig erwählten Personen (d. h. eben der Willkür, dem Eigensinne und dem Zufalle) anheim gestellt bleiben soll, so werden auch alle näher nachgewiesenen Uebelstände fortdauern, ohne daß dem Lande irgendwie so viel Nutzen und Ehre gebracht wird, als man zu fordern berechtiget ist. Der Landtag scheint daher unbezweifelt zu wollen, daß irgend eine Garantie eintreten müsse, durch Aufsicht und Einwirkung der Staatsregierung, wie dieselbe für alle öffentlichen Landesanstalten bestehet und zu den Rechten und Pflichten der Oberaufsicht des Staates gehört. Der Antrag der betreffenden Kommission des Landtags lautet nach den gedruckten Verhandlungen Bd. II. S. 187 wörtlich: „Schließlich müssen wir darauf aufmerksam machen, daß bei der dem- nächstigen Organisation auch organische Gesetze über die Bibliothek und die damit verbundenen Institute für Alterthumskunde, Geschichtsforschung und Naturkunde zu erlassen sind."
Wie diese Einwirkung und Aufsicht und durch wen geführt werden soll, ist nicht gesagt, sondern der Staatsregierung überlassen worden aber daß sie wirklich bestehen und ausge- sührt werden soll, liegt unwidersprechlich in dem Ausdrucke: organische Gesetze. Das Mindeste ist, daß von jedem Vereine, welcher Zuschüsse aus Landeskassen erhält, ein alljährlicher Rechenschaftsbericht des Vorstandes an die obere Staatsbehörde erfordert werden müsse, aus welchem hervorgehet, ob und wie die organischen Gesetze zum Vollzüge kamen. Kann man einzelnen und dazu befähigten Männern unter den Vor- stchern der öffentlichen betreffenden LandeSanstalten die dazu erforderliche amtliche und persönliche Verantwortlichkeit auferlegen, desto sicherer wird für die Ausführung der Erfolg seyn.
Unserer Staatsregierung sind freilich für die plötzliche und durchgreifende Organisation aller und jeder Behörde des ganzen Staatskörpers von oben bis unten in der gejammten Justiz und Verwaltung, mit Einschluß der Gemeinden-Ver- waltung, nach neuen Grundsätzen, ungeheuere Aufgaben gestellt worden, zumal bei der großen Ungeduld des gegenwärtigen Geschlechts für alle solche Gegenstände im Ganzen und im Einzelnen. Wenn aber, wie bisher, tüchtige Arbeiter dafür gewählt werden, .so wird es an brauchbaren Entwürfen für ein-
Verantwortlicher Redakteur W. H, Riehl. — Druck und Verlag
zelne Theile, wie Beweise mancher Art vorliegen, nicht fehlen, und das Geschäft der Landesabgeordneten vielfach dadurch erleichtert werden können.
Miszellen
— Das beklagenswerte Trauerspiel, die Erschießung des Abg. Blum, wird in Köln in einer wahrhaft Ekel erregenden Weise ausgebeutet. „Zur Feier des Andenkens Robert BlumS," wie die Ankündigung lautete, wurden am Abend des 25. Nov. „mimisch-plastische Bilder" dargestellt. Erstes Bild: Die Barrikade, auf welcher Robert Blum kämpft. Zweites Bild: Das k. k. Standrecht, welches ihn zuni Tode verurtheilt. Drittes Bild: Die Empfangnahme des letzten Briefes Blums an seine Familie. Viertes Bild: Die Erschießung Blums in der Brigittenau. Fünftes Bild: Die Göttin der Freiheit. Wir fügen diesem Programm nichts weiter bei.
— Der fürstlich wiedische Rentmeister Reinhardt in Dierdorf, welcher mit einer bedeutenden Summe Geldes (Gold und Kaffen-Anweisungen) am 28. Nov. nach Neuwied ritt, ist nicht weit von dort im Walde von drei Räubern überfallen worden, als er zufällig vom Pferde gestiegen war, um den Sattelgurt fester anzuziehen. Die Räuber haben ihn von hinten gepackt, ins Gebüsch gezogen und ihn dann mit seiner eigenen Pistole, die er bei sich führte, durch 2 Schüsse tödlich verwundet, worauf sie ihm das Geld und die Uhr abnahmen und ihn liegen ließen. Bald darauf wurde er von einem vorbeifahrenden Wagen aufgenommen und hierher gebracht. Man befürchtet, daß die Thäter zu einer förmlich organisirten Räuberbande gehören, von der wir vielleicht noch mehr entsetzliche Thaten zu erwarten haben.
— Tragikomisch ist es bei der Beschießung Wiens dem türkischen Gesandten ergangen. Er bewohnte ein HaüS in der Jägerzeile, und als es anfing, dort bunt herzugehen, wußte er sich nicht anders zu helfen, als daß er die Gesandtschastsfahne zum Fenster heraussteckte, indem er wohl dachte, daß die Kugeln dieselbe respektiren würden. Allein da sie zufällig die Farbe des Republikanismus, nämlich die rothe trug, so schossen die Kroaten auf das so bezeichnete Haus nur noch ärger drein, und nur mit Lebensgefahr gelang es ihm, in der Flucht das Heil zu finden.
— Auch in Italien bewährt sich der alte Spruch, daß die Revolution ihre eignen Kinder auffrist. Es ist noch keine fünfzehn Monate her, seit Massimo d'Azeglio's „Programm der nationalen Partei in Italien" erschien. Die Popularität des Verfassers war damals aufs Höchste gestiegen: drei Florentiner Kaffeehäuser wurden auf seinen Namen und die seiner Romane getauft. Vor wenigen Wochen nun ist er zu Livorno in effigie verbrannt worden!
— Der Papst ist jetzt daS dritte gekrönte Haupt, das in diesem Jahre vollständig verloren gegangen ist. Zuerst nach der Februar-Revolution war es Ludwig Philipp, nach der Wiener Revolution vom 6. Oktober war Kaiser Ferdinand mehrere Tage lang abhanden.
Theater zu Wiesbaden.
Dienstag den 12. Dez. Die beiden Schützen, komische Oper in 3 Akten, Musik von Lortzing. Peter: Hr. Meisinger als erstes Debüt.
der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.
