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lagcrungszustandcs in nächster Verbindung stehe, tritt immer mehr in den Hintergrund, und um allen Jnkonvcnienzen aus­zuweichen, wird der Kaiser wahrscheinlich nicht in die Stadt kommen, und die Huldigung der Truppen und Behörden in Schönbrunn in Empfang nehmen.

Die Stadt Wien bereitet dem Ministerium in Anerken­nung seines entschiedenen Programms ein Vertrauensvotum vor, das sich mit zahlreichen Unterschriften bedeckt. Wir sind rndefsen begierig, ob die HandelSwelt ihr Vertrauen durch die That bekräftigen wird, und auf welche Weise das Anlehen von 80 Millionen zu Stande kommen wird, welches der Fi­nanzminister in der gestrigen Kammersitzung forderte.

Wien, 5. Dez. Die Union Siebenbürgens mit Ungarn ist bereits definitiv als aufgehoben zu betrachten. Nachdem Klausenburg von den k. k. Truppen besetzt worden ist, wird das siebenbürgische Gubernium, wie es früher bestanden, ehe­stens reorganisier werden, wozu man auch hier bereits die nö­thigen Einleitungen getroffen hat. Was vor allem aber noth thut, ist, daß der bisher geführte Vernichtungskrieg sogleich aushöre, der, sollte er noch länger währen, dem Sieger ■— wer es auch immer sey — nur Leichen, Trümmer und Brand­stätten zurücklassen würde. Lange genug hat bis jetzt zwischen den verschiedenen Stämmen, welche das unglückliche Land be­wohnen, Nationalhaß, Mord, Brand, Elend und Verzweiflung gewüthet, und es wäre hohe Zeit, daß die Grausamkeiten und wilden Gräuel zwischen den Walachen, Szeklern, Magyaren, Serben und Sachsen gegeneinander aushören.

In der Reichstagssitzung zu Kremsier am 4. Dez. legte der Finanzminister Kraus über die Finanzlage Oesterreichs einen interessanten Bericht ab, auf den wir morgen zurückkom­men. Nächstes Resultat ist ein Defizit von 50 Millio­nen und eine Anleihe von 80 Millionen, um deren Bewilligung das Ministerium den Reichstag angeht. Nach Be­seitigung eines Antrags, der die Beschlußfassung auf die Zeit nach Berathung der Grundrechte aussetzen wollte, wurde die Vorlage des Finanzministers an den Finanzausschuß zur Be­richterstattung überwiesen.

t ß I è e n.

Rom, 27. Nov. Die Flucht des Pabstes hat auf alle Parteien einen sehr tiefen Eindruck gemacht. Die Liberalen haben sich das Wort gegeben, zu thun, als wenn nichts ge­schehen wäre, und überwachen daher die öffentliche Ordnung eifersüchtig. Das von dem Präsidenten der Depulirtenkammer veröffentlichte Manifest schärft der Bevölkerung nicht blos von Rom, sondern von dem ganzen Staate die Nothwendigkeit ein, sich vor den Augen von ganz Europa freier Institutionen wür­dig zu zeigen. Und in der That herrscht seit der Bekanntgebung dieses welthistorischen Ereignisses überall die musterhafteste Ruhe.

Die Freundendes Pabstes athmen frei auf, ihn frei zu wiMn p die Fortschrittsmänner fühlen deutlich, wieviel auf dem Spiele > steht; nur der gemeine Mann und die Fremden zeigen sich ängstlich, und vergangenen Sonnabend sollen sehr viele Pässe eingefordert worden seyn. Viele Leute verscharren ihre Habe, andere haben sich sogar verproviantirt.

Rom, 30. Nov. (A. Z.) Ueber das Entkommen des Pabstes kann ich jetzt folgende mir verbürgte Einzelheiten nachtragen, die Ihre Leser zur Berichtigung der andern reicher ausge­schmückten Schilderungen, welche auch die neapolitanischen Blätter liefern, benutzen mögen. Der bayerische Gesandte, Graf Spaur, welchen der bedrängte Kirchenfürst in den Tagen der Krisis ins Vertrauen gezogen hatte, war bereis am Mor­gen des 24. von hier abgereist und hielt in Gallora, einem > einsamen Jesuitenkonvent zwischen Albano und Arriccia, Post­pferde zur Weiterreise nach der neapolitanischen Gränze bereit. Abends spät hüllte sich der Pabst in einen Kardinalsmantel ein und setzte sich in einen der bereitstehenden Wagen, welcher ihn nach Giardino Colonna brachte, von wo er zu der Woh­nung des französischen Botschafters hinabstieg. Nach kurzem Aufenthalt stieg er dort in einen Wagen, welcher ihn nach Gallora brachte, wo der bayerische Gesandte seiner harrte, sich selbst, in einen Pelz gehüllt, auf den Bock setzte und den heiligen Vater wohlbehalten über Terracina nach Gaöta brachte. Die Flucht ist eben vor Thorschluß gelungen. Denn den von Ancona und Fuligen eintreffenden Manifesten der de­mokratischen Klubs zufolge hätte die italienische Constituante ihre Sitzungen auf dem Kapitol schon begonnen haben sollen. Solche ausschweifende Ideen hat nun die erfolgte Wendung der Dinge auf einmal beseitigt.

Sprechfaal für Stadt und Land.

?? Die Interpellationen, und namentlich solche, von denen unser Volk sich viel Ersprießliches versprechen kann, scheinen in unserer Kammer wieder Mode zu werden. Wir erlauben uns daher auch eine solche in Folgendem vorzuschlagen: Was hat die Regierung bisher gethan, um, zur Aus­führung des von dem souveränen Volke bei Na­stätten gefaßten Beschlusses, des Fürsten W indisch- Grätz habhaft zu werden?

Warum hat sie namentlich noch nicht den in oben besagter Volksversammlung beschlossenen Steckbrief gegen denselben erlassen, und in alles öffentliche Blätter einrücken lassen? da doch kein Vernünftig ger daran zweifeln kann, daß hierdurch der hohe Begriff, den man bekanntlich ohne dies schon und gewiß mit Recht von- unserer politischen Kulturstufe außerhalb unserer Landesgrenzen hat, um ein Erkleckliches erhöht werden müßte?

Bekanntmachungen.

Der Reichsanzeiger der Deutschen wird, in Zuversicht baldiger Herstellung des deutschen Bundes­reiches, vom 1. Januar 1849 an unter seinem alten Namen, aber in neuer Form erscheinen. In seinem freien Sprech- sa a l wird jedem Deutschen Gelegenheit gegeben seyn, sich über unser gesummtes Staats- und Volksleben nach jeder Richtung hin selbst auszusprechen oder an den Aeußerungen Anderer das eigne Urtheil zu bilden. Auch die wichtigen Ereignisse aus der Tagesgeschichte werden den Lesern täglich mitgetheilt werden.

Der Reichsanzeiger wird das Bedürfniß eines allge­meinen deutschen Jntelligenzblattes für Behörden und Privatleute in jeder Weise zu befriedigen bestrebt seyn.

Der Preis des Blattes ist vierteljährlich 1 Thaler oder 1 fl. 45 kr. rhein. Die Einrückungsgebühren betragen nur 1 Sgr. oder 3% kr. rhein. für tue gespaltene Zeile aus Petit­schrift.

Die Postämter, Zeitungserpeditionen und Buchhandlungen geben Probeblätter aus und nehmen Bestellungen an, um deren zeitige Einreichung man bittet.

Gotha, den 1. Dezember 1848.

Die Redaktion des Reichsanzeigers der Deutschen. 5361 F. G. Becker. A. Bock.

B Doppelflinten 17 fl , 19 fl., 23 fl., 24 fl., 27 fl., 35 fl., 36 fl., _ ^" ^"^ bel __________ L. Marburg, in Wiesbaden.

Verantwortlicher Redakteur; W. H. Niehl. — Druck und Verlag

539] So eben ist in der König!. Hofbuchdruckerei Zu - Guttenberg i= Stuttgart erschienen und zu beziehen durch die Buchhandlung von C. 51%. Kreidet in Wiesbaden, Langgaffe Nro. 25.

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