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den demokratischen Tendenzen in Europa insofern ein Damm gesetzt werden soll, daß sie nicht die gesellschaftliche Ordnung durch den Umsturz aller Dinge untergraben und die allgemeine Kriegsfackel in Europa entzünden.

Wien, 1. Dezbr. Es finden starke Truppenbewegungen statt. Man erfährt, daß in den benachbarten ungarischen Hauptstädten die Nationalgarde entwaffnet und die Mobil­garde , auf welche bie Machthaber weit sicherer zu rechnen scheinen, mit Waffen versehen wird. Ortschaften, die den Operationen im Wege stehen, werden niedergebrannt, die Dä­cher der Häuser in den Städten abgetragen, und die Häuser mit Misilagen zur Entkräftung der geworfenen Projektile be­deckt. Insbesondere werden aber Pesth und Römern stark be­festigt, und Kossuth soll sich geäußert haben, hier müsse das österreichische Heer sein Grab finden! In den Städten sind jedoch sehr entgegengesetzte Stimmungen wahrzunehmen, nur wagen sie nicht hervorzutreten.

Ein gut unterrichtetes Blatt meldet heute, cs verlaute, Oesterreich sey mit Rußland über Besetzung der Donauprovin­zen, wahrscheinlich am rechten Ufer, übereingekommen, und es soll die durch Errichtung der 6 Bataillons verstärkte Armee gleich von Ungarn aus zu diesem Zwecke verwendet werden, wenn nicht die Wahl Louis Napoleons andere Verfügungen veranlaßt. Dazu aber haben sich die Chancen seit Cavaignac's Kammertriumph bedeutend gemindert. — Die Minister Bach, Stadion, Schwarzenberg und Bruck sind seit gestern hier, rei­sen aber heute wieder nach Olmütz. — Die Reichstagsdepu- tirten Schwarzer, Goldmark, Füster, Bioland, Scherzer, Um­lauft, Löhner sollen von ihren Wählern ein sehr scharfes Miß­trauensvotum erhalten. — Graf Wickenberg ist seines Postens als Gouverneur von Steiermark enthoben worden, was vor­auszusehen war. — Das gestimmte Postwesen ist dem Han- delsminister Bruck überwiesen worden, tvas eine energische Förderung dieses Verwaltungszweiges erhoffen läßt. — Feld­marschalllieutenant Graf Gyulai ist zum Zivil- unv Militär­gouverneur des Küstenlandes ernannt worden. — Die Wie­dereröffnung des hiesigen juridisch-politischen Lesevereins steht schon für die nächste Woche bevor.

Aus Venedig erfährt man, daß die Blockade nur dem Namen nach besteht und die Stadt durch englische und fran­zösische Schiffe mit allem Bedarf hinlänglich versehen wird. Sowohl dort als in Mailand hielt man eine friedliche Aus­gleichung für wahrscheinlich.

Ein Wiener Brief der Allg. Ztg. vom 1. Dez. erwähnt ein in der Stadt umlaufendes Gerücht, als wären die Ungarn, nachdem sie den kaiserlichen Truppen eine Schlappe beigebracht, bis ins Marchfeld vorgerückt. Unwahrscheinlich, wie sie war, fand die Sage keinen Glauben. Clausenburg soll von den kaiserl. Truppen, die den Szeklern mehrere Niederlagen beige­bracht, besetzt worden. An der Wiener Börse kannte man bereits des Papstes Flucht nach Civitavecchia.

Frankreich.

□ Paris, 3. Dezbr. Wo ist der Pabst? Ist er in Mar­seille oder nicht? Man zerbricht sich den Kopf und rennt in das Ministerium der Nue de Grenelle, um sich zu erkundigen.

Bis diesen Augenblick, Vormittags 10 Uhr, hat das Mi­nisterium des Innern aber noch keine telegraphische Depesche erhalten.

Aus den uns gestern Abend zugegangenen Marseiller Blättern vom 29. Novbr. sehen wir, daß der Pabst sich wahr­scheinlich aus dem Quirinal durch einen geheimen Ausgang am 24. Nov. Abends 5 Uhr in das freie Feld flüchtete, weil er entgegengesetzter Seits sich hätte durch die ganze Stadt be­geben müssen, was man um jeden Preis vermeiden wollte, da sich das Volk der Flucht widersetzt haben würde. Ueber die Landschaft hinter dem Quirinal schlug der Pabst und sein Ge­folge offenbar den Weg von Terracina ein, von wo er seine Reise durch die pontinischen Sümpfe bis Gaëta, dicht über die römisch-neapolitanische Grenze fortsetzte. Was weiter aus dem Flüchtigen geworden, darüber enthalten die Blätter durchaus nichts Bestimmtes. Aus der telegraphischen Depesche des Kon­suls in Civita Vecchia an Bastide erfuhr man nur, daß der Pabst den Dämpfer Tenare von dort nach Gaëta eingeladen hatte, um ihn an Bord zu nehmen. Diese Einschiffung soll am 26. Novbr. im Laufe des Dags erfolgt seyn. Hiermit schließen die Berichte.

,, .Das Journal des Debats ist sehr besorgt um das Schick­zal des Pabstes. Am 25. Novbr. mußte derselbe in Gaëta cintreffen, und man weiß nicht, ob er sich eingeschifft hat auf

Verantwortlicher Nedakteur: W. H. Rieht. - Druck und Verlag

dem Tenare und wohin er seinen Weg gerichtet? Sieben volle Tage sind verflossen ohne alle Spur!

Der Moniteur, der um 2 Uhr Nachts unter Presse geht, enthält keine Sylbe aus Marseille oder Toulon.

Die „Genuaer Zeitung" vom 28. Novbr. behauptet, der Pabst habe sich nach Malta gewandt. Ein Florentiner Blatt läßt ihn in Neapel landen.

Im Operngange verbreitet sich so eben (Mittags) das Ge­rücht, daß der König von Neapel den Toskanern und Römern den Krieg erklärt habe. Neapel selbst sey in großer Auf­regung.

Man entsinnt sich, daß Toskana (Florenz) einen Abgeord­neten Siziliens empfangen unv das sizilische Wappen über die Thüre der Gesandtschaft geheftet hatte.

Auch Rom hat nun seine akademische Legion. Am 19. Nov. ist dieselbe feierlich organisirt worden.

Es heißt, der Pabst werde in Fontainebleau wohnen und nicht in den Tuilerien, wie wir gestern berichteten.

Proudhon und Pyat haben sich gestern früh wirklich ge­schossen. Nachdem die ersten Kugeln gefehlt, sagte Proudhon kalt: „da Sie zu Marrast gesagt, daß ich die Arbeiter zu In­tervention sebst angerufen habe, so werden wir noch zwei Ku­geln schießen." Aber auch diese fehlten, obgleich sie nur fünf­undzwanzig Schritte standen.

Ital i e n.

' Die diplomatischen Verbindungen zwischen Toscapa und Neapel sind unterbrochen: der neapolitanische Gesandte in Florenz hat auf Befehl von Neapel hin von der toscanischen Regierung seine Pässe gefordert und erhalten. Ursache des Bruchs soll der seyn, daß Toscana dem sizilischen Geschäfts­träger in Florenz sein Wappen auszuhängen erlaubte.

Die „Alba" meldet aus Rom vom 25. Novbr.: „Vor­gestern ist Lord Temple hier angekommen; gestern ward er vom Pater Ventura besucht. Aus seinen Aeußerungen etiW- nahm man, daß er das Ultimatum Englands und Frankreichs in der sizilischen Frage nach Neapel überbringt. Die Artikel desselben sind nahebei die nämlichen, wie die vormals von Lord Minto vorgeschlagenen und vom König von Neapel nicht angenommenen. Die wesentlichsten folgende: Sizilien erhält eine von Neapel getrennte Verwaltung; eine eigene Verfassung; •eine einheimische Armee und Flotte. Die Krone von Sizilien bleibt mit der von Neapel vereinigt. Sollte einer von beiden Theilen das Ultimatum verweigern, so wird es zurückgenom­men, und die Entscheidung dem Schwert überlassen, wobei Frankreich und England strenge Neutralität beobachten werden. Alles das ist offiziell."

sBefamstmadwigeii.

385] Rheinische

Dampf- ^â- Schifffahrt

(MMSaiEJÄLSmFT.

Vom 20. dieses ab fahren die Schiffe der Cölnischen Gesellschaft von Biebrich zu Thal:

6'4 Uhr Morgens bis Cöln, im Anschluss an den Eisenbahnzug nach Lüttich (Liege).

8'4 „ ditto ditto.

10'4 „ ditto ditto.

zu Berg:

12'4 Uhr Mittags nach Mannheim , und

7’4 ,, Morgens von Main» ab nach Mannheim.

Die Omnibusfahrten finden nicht mehr statt.

Wiesbaden, den 1. Dezember 1848.

Die Agentur.

533] In hiesiger Stadt ist ein guter, wenig gebrauchter, boktaviger Flügel billig zu verkaufen. Bei wem? sagt die Expedition d. Blattes.

In der L. Schellenberg'schen Hofbuchhandlung in Wiesbaden ist vorrâthig:

Famllien-Shakesspeare. Eine zusammenhängende Auswahl aus Shakesspeare's Werken in deutscher metrischer Ueber- setzung. Mit Einleitungen, erläuternden Anmerkungen und einer Biographie des Dichters von C. L. B. Wolff. Erste Lieferung 45 fr.

Der L. Scheltend erg'schen Hof- Buchhandlung in Wiesbaden.