Regierung zur Sicherheit des Heil. Vaters getroffenen Maßregeln billigt und sich ihre Entscheidung über spätere und noch unvorhergesehene Thatsachen vorbehält, zur Tagesordnung über."
Diese Fassung ging mit 480 gegen 63 Stimmen durch.
Proudhon ist'nicht erschossen! Aber die Sache ist noch nicht abgemacht. Beide standen gestern vor dem Büreau der Nationalversammlung, vor welchem sie, statt sich zu versöhnen, von neuem erzürnten. Es ist offenbar, daß Ledru-RoÜin hinter Pyat steht und das Feuer anbläst. Dem energischen Auftreten der Arbeiter wird es hoffentlich gelingen, diesen Streit vor ein Ehrengericht zu bringen und dann zu erledigen. Sollte dies nicht geschehen und Proudhon wirklich als Opfer fallen, dann wehe dem Berge, denn die Arbeiter sind wüthend über das Benehmen ihrer Vertreter.
Lamartine schreibt heute an alle Journale einen Brief, worin er sie benachrichtigt, daß er keineswegs auf seine Präsidentschaftskandidatur verzichte.
Die Genoudesche Gazette de France wurde gestern Abend auf der Post und in ihren Büreau's konsiszirt, weil sie einen empörenden Artikel gegen Cavaignac zu Gunsten Louis Bonapartes hatte.
0 Paris, 2. Dez. Durch die Einschiffung des Papstes nach Frankreich, hat die Erpediton für Civita Vecchia ein Ende. DaS Kabinet wollte ja nur die Person des Papstes beschützen, und findet nun hiefür die schönste Gelegenheit im Lande leibst.
Die Blätter knüpfen natürlich ihre Betrachtungen an die Ankunft des Papstes. Die Einen vergießen Freubenthränen, den Andern entquiden tiefe Seufzer. Hier nur eine kleine Probe aus dem Bien public:
„Das geistliche Oberhaupt von 200 Millionen Katholiken sieht sich für seine Tugenden gestraft und von der Undankbarkeit und Ungeduld eines Theils der italienischen Bevölkerung, welcher Demagogie heißt und aus der Hefe und dem Abschaum aller zu gebährenden Demokratieen besteht, aus seinen Staaten vertrieben, und zu wem flüchtet er sich? Zur erzkacholi- schen Königin von Spanien; zum Könige von Cypern, Jerusalem und Sardinienan den Hof der heil. Januarius oder in das überfromme Oesterreich? . .. Nein, er flüchtet sich in den Schoos der französischen Republik... die vor 50 Jahren den Herrgott und die Religion abschaffte, die Priester zu Dutzenden an einander band und ins Wasser warf; in diese Republik flüchtet sich das Oberhaupt des Katholizismus, welcher Beweis, wie groß die Kluft ist, die 1793 von 1848 trennt, u. s. w. u. s. w. , r _
Pius IX, betritt übrigens nicht zum ersten Male die französische Erde. In den letzten Jahren des Kallerreichs diente er als Soldat in der damals von Napoleon errichteten Italienischen Legion, eine Art kaiserlicher Leibgarde. Vom Gardeoffizier brachte er es bis zum Papst — was bei der demokratischen Organisation des Katholizismus übrigens nichG Seltenes ist. . c ,
Freslon, Minister des Unterrichts und der Kulten, den Cavaignac gestern nach Marseille schickte, um den Papst zu empfangens ist ein halber Atheist, der vor etwa 8 bis 10 Jahren die Reliquien der heil. Agathe zu Angers in die Mayenne, an deren Ufern Angers liegt, werfen ließ. Als die gläubige Menge darüber erstaunte, rief der junge Advokat ^Freslon ; „Ei, wenn diese Reliquien wirklich so wunderthätig sind, wie man Euch vorsagt, dann sinken sie sicher nicht unter, sondern werden auf der Oberfläche schwimmen." Die Reliquien sanken aber unter und Niemand hätte mehr von ihnen reden hören, wenn nicht der damalige Maximian von Angers jetzt Unter# richtsminlster und Zeremonienmeister des Papstes geworden wäre.
Der Papst soll die Tuilerien bewohnen. Die Theokratie wird vollständig. — Heute Vormittag sieht man bereits Reiniger und Tapezirer darin beschäftigt.
Der päpstliche Nuntius hat heute früh Paris verlassen und sich nach Marseille begeben. Die Kardinäle Donald (in Lyon) Dupont in Bourges und Girand in Combrai sind durch den Telegraphen ebenfalls von der Flucht des Papstes in Kenntniß gesetzt worden. Auch sie werden wahrscheinlich unverzüglich nach Marseille aufbrechen.
Wie es heißt, soll sich Pius IX. acht Tage in Marseille ausruhen und dann mit starkem Ehrengeleite direkt nach Paris geführt werden.
Tie Ersatzwahlen, welche in mehreren Departements in Doppelwahlen Louis Bonaparte's, Demissionen und Todesfällen rc. vorgenommen werden mußten, sind im konser
vativen Sinne ausgefallen. Bugeaud, Ney (MoSkawa) rc. treten in die Kammer und werden von der Rue de Poitiers mit offenen Armen empfangen.
I t a l i e n
Briefe aus Rom vom 25. Nov., Abends, melden die in der Nacht vom 24. auf den 25. erfolgte Flucht des Papstes nach Civitavecchia, wo er sich an Bord der französischen Schiffe begeben haben wird. Der französische Gesandte hatte Se. Heil, begleitet. Da diese Flucht schon in der Sitzung der französischen Nationalversammlung vom 28. angezeigt wurde, mit dem Bemerken, die Meldung darüber sey schon am 25. eingelaufen, so ergibt sich daraus, daß es eine zwischen der französischen Negierung oder ihrem Gesandten und dem Papst im voraus abgeredete Sache war. Die römische Kammer bildete permanente Sektionen. Canino, der Napoleonide, der in Italien dasselbe Spiel zu beabsichtigen scheint, wie Ludwig Bonaparte in Frankreich, drang auf augenblickliche Berufung der italienischen Konstituante, wurde aber von dem Ministerium, in dem freilich sein Sekretär, Sterbini, sitzt, wenigstens zum Schein bekämpft. Diese nach Italien hinüber reichende napoleonische Verzweiflung dürfte Cavaignacs Jnterventions- beschluß bestärkt haben. Der bayerische Gesandte begab sich von Rom nach Neapel. Die Ruhe war bis zum 25. Abends nicht gestört worden.
Frankfurt a. M., den 4. Dezember.
Mittags 1 Uhr.
Papier.
Geld.
Oesterreich, 5 "/, MetalliqueS.....
69%
69%
56'4
55%
" 2y2 % „ ......
36%
36'4
„ 3 % Bankactien o. D.....
1175
1168
„ 500 fl. Loose........
120'4
119'4
„ 250 fl. Loose........
80
79'4%
Preußen, 50 Thaler Prämienscheine ....
92
„ 3 % % Staatsschuldscheine â 105 kr. .
79
78
Bayern, 3% % Obligationen.......
75%
75%
Verba cher-Eisenbahn-Actien.....
64%
63%
Würte in berg, 3'4 % Obligationen . . . . .
76
75%
„ 4*4 °/o neue Obligationen . . .
93'4
93
Baden, 3'4 % Obligationen von 1842 ....
72'4
72
„ Lotterie-Anl. â 50 fl. bei G. u. S. . .
45%
44%
„ 35 fl. Loose vom Jahr 1845 ....
25%
25%
Darmstadt, 3*4 °4 Obligationen.....
74%
74%
4 o^
84%
83%
„ 50 fl. Loose........
59%
59%
„ 25 fl. Loose.........
21‘%
20%
Kur Hesse n, Friedrich-Wilhelms-Nörbbahu-Actien
40%
40%
„ 40 Thlr. Loose bei Rothschild. . .
24%
24 %».
Nassau, 3'4% Obligationen bei Rothschild . .
79%
78%^
„ 25 fL Loose...........
20%
20'4
Frankfurt, 3 % Obligationen.......
76
—
„ 3 '4 % „ von 1839 . . .
90'4
90
„ 3'4 „ „ von 1846 . . .
87%
86%. '
Taunns-Eisenbahn-Actien â 250 fl. . . .
268
265
Holland, 2'4% Integralen.......
47%
46%
Spanien, 3 % Innere Schuld.......
18%
18'4
„ 5 „ Ardoiu incL 16 Coup.....
Polen, 300 fl. Lotterie-Loose.......
96
„ 500 fl. „ „ .......
69%
69% :
Sardinien, 36 Frcs. Loose bei Gebr. Berhmann
24'4
24
D i s c o n t o............ .
1%
Gold.
I «•
istolen...... r. Friedrichsd'or. oll. 10 fl. Stücke and- Ducaten . . ) Francsstücke . . ngt. Souverains.
9
9
10
5
9
12
Silber.
56
57
4
36
38
2
Gold al Marco .
Laubth., ganze. .
Preuß. Thaler. . 5 Frankenthaler . Hochhaltig Silber Gering u. mittelh
fl. I kr. 382 —
2 43'4
1 45
24 24
24 18
Bekanntmachungen.
532] Doppelflinten mit Patentschraube zu 19, 24 und 28 fl. sind zu haben, sowie auch Pistolen zu allen Preisen, für deren Güte garantirt wird. Weygand, Büchsenmacher.
5291 Zu vermiethen.
Wohnungen jeder Große, so wie einzelne Zimmer möblirt und un- möblirt, sind stündlich zu vermiethen durch das Gelchäftsbureau von
Carl Leyendecker.
531] Größere und kleinere Kapitalien werden gegen gerichtliche doppelte Sicherheit zu leihen gesucht durch das Geschäftsbureau von
Carl Leyendecker.
Gouvernanten, Haushälterinnen, Bonne, Ladenmädchen, Buffetmädchen, Köchinnen, Hausmädchen, Hauslehrer, Commis, Köche, Kellner, Kutscher, Bedienten uno Hausknechte, sind in nem Geschäfts- Bureau von Carl Leyendecker, Muhlgaffe Nro. 1 eingeschrieben und können jeden Tag eintreten. 530J
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. — Druck und Verlag ver L. Sche Il enb èrg'schen Hof- Buchhandlung in Wiesbaden.
