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werde, um am 1. März 1849 in Wirksamkeit treten zu kön­nen. Den Beschluß der heutigen Sitzung bildet die Berathung über die Beschwerden der Rheinschiffer und ein Bericht Dahl- mann's für den Verfassungs-Ausschuß. Wir theilen das Re­sultat in dem morgenden Blatte mit. (Schluß folgt.)

Mannheim, 30. Nov. (D. Z.) Wir hören von Konstanz, daß dort der Versuch eines Putsches gemacht worden sey. Handwerksbursche aus der Schweiz wollten die Unruhe des Jahrmarktes benutzen; doch die Sache wurde unterdrückt. Die Würtemberger, welche mehrere Stunden davon stationier sind, wurden auf Wägen in aller Eile dahin transportirt.

Aus Würzburg enthält die „Augsb. Postz." die Mitthei­lung, daß die Versammlung der Bischöfe „in Betracht der Zeitverhältnisse und des Umstandes, daß die Nationalversamm­lung in Frankfurt fast noch die einzige bestehende Autorität in Deutschland ist, und die letzte Garantie für die Erhaltung der Ordnung und einer gesetzlichen Zukunft bietet, darauf verzichtet hat durch eine vorläufige Ansprache gegen manche Beschlüsse, welche die kirchliche Freiheit kränken, irgend die Verlegenheiten zu mehren, und es sich vielmehr zur Aufgabe gestellt hat, zum Heil und zur Einigkeit Deutschlands dieses Ansehen nicht ver­kümmern zu lassen." Im nächsten Sommer soll die eigentliche Nationalsynode stattfinden.

Altenburg, 29. Nov. Gestern Abend um 8 Uhr entschlief nach langen Leiden, an einer schmerzhaften Abzehrung, unsere Frau Herzogin Amalie Therese Luise Wilhelmine Philippine, geboren am 28. Juni 1799, Tochter des Herzogs Ludwig von Würtemberg, vermählt am 24. April 1817, Mutter von vier Töchtern, von welchen die älteste, Marie, an den Kronprinzen von Hannover, und die zweite, Alexandra, an den Großfürsten Konstantin vermählt ist. Sie trocknete gern im Stillen die Thränen der Armen und war, namentlich in den vergangenen Mißjahren, mit Aufopferung ihrer selbst bemüht, zu helfen und zu unterstützen. Die Dankbarkeit ihrer Schützlinge hat aber nicht immer Wache gestanden an ihrem Leivenslager.

Altenburg, 30. Nov. Der Herzog Joseph von Sachsen hat heute die Regierung zu Gunsten seines Bruders, des Prin­zen Georg, niedergelegt.

Berlin, 29. Nov. (Abends.) Brandenburg hatte heute Gagern in seinem Weichbild. Ungenannt erschien er auf der Tribüne des diplomatischen Korps im Dom und wohnte dem Namensaufruf bei, eine Situation, an Langweiligkeit so sehr Alles überragend, als der hohe Gast seine diplomatischen Nach­barn. Bald richtete sich Blick nach Blick dahin, wo Gagern saß, in einigen Minuten wußten alle Anwesenden, wen der Dom beherberge. Die Zuschauer erfrischten sich an dem Er- eigniß, und der Stellvertreter eines bekannten Abgeordneten ließ sich ihm vorstellen, um unaufgefordert die Honneurs zu machen.

Berlin, 30. Nov. (F. I.) Auch die Bemühungen des Präsidenten des deutschen Parlaments sind gescheitert und selbst die dringendsten Vorstellungen, ja die Hinweisung auf die Hin­dernisse, die durch die Konflikte im Lande selbst der Hegemonie Preußens in Deutschland sich entgegenstellen würden, sollen fruchtlos geblieben sey. — Man erzählt, daß das Ministerium in Folge der Unterhandlungen mit Hrn. von Gagern seine Entlassung gegeben habe, daß diese aber von Sr. Majestät nicht angenommen worden sey. Wir sind jedoch nicht im Stande, dieses Gerücht zu verbürgen. Hr. Grabow scheint sich nach seinen anerkennenswerthen, aber ohne Erfolg geblie­benen Versuchen zu einer Vermittlung, nunmehr ganz vom politischen Schauplatz zurückgezogen zu haben.

Brandenburg a. d. H., 1. Dez. (O.P.Z.) So unerfreu­lich, ja kläglich Verlauf und Ende der heutigen Sitzung der Nationalversammlung gewesen ist, so sind wir doch auf der Bahn unserer politischen Knotenlösung einen bedeutenden Schritt weiter gekommen; freilich durch Vergrößerung des Bruches, der sich zwischen den Fraktionen der Versammlung aufgethan hat. Die Sitzung wurde unter dem Vorsitz des Alterspräsi­denten um 11 % Uhr eröffnet. Protokollverlesung und einiges Geschäftliche bildete den Uebergang zum Namensaufruf der Anwesenden. Der Ministertisch war leer. Während desselben kam ein langer, nicht enden wollender Zug Abgeordneter in den Sitzungsraum, die aus dem fast ganzen Zentrum, einem starken Theile des linken Zentrums (Rodbertus) und selbst aus einem, jedoch schwachen Theile der Linken bestanden. Ihr Ein- tntt war theilweise sehr gravitätisch. Der Namensaufruf ergab 260 Anwesende; 11 waren zu erscheinen verhindert. Der Prä, sident machte alsbald den Vorschlag zur Konstituirung des Bureau's. Schneider meldet sich zu einer persönlichen Be­

merkung, deren Inhalt der erste Erisapfel werden sollte. So- fort wird die Versammlung sichtbar unruhig. Der Präsi­dent: Es sind Anträge auf Vertagung eingegangen. Ich bin aber der Meinung, daß die Versammlug beschlußfähig ist; und er bittet, das noch nicht bekannt gemachte Resultat des Na­mensaufrufs abzuwarten. Schneider besteht auf seinem Rechte zu einer persönlichen Bemerkung, und erbittet sich dar­über den Beschluß der Versammlung.

Parrisius bestreitet die Konstituirung der Büreau's und bezieht sich deshalb gleichfalls auf einen Beschluß der Versammlung. Nachdem von Dahne, Bauer (Berlin), Pelzer, Wachsmuth kurze Bemerkungen gemacht sind, ertheilt der Präsident dem Abgeordneten Schneider das Wort, welcher in seinem und seiner politischen Freunde Namen eine Erklä­rung abgeben will und diese also lautend verliest: Wir Unter­zeichnete erklären hiermit, daß wir festhalten bei dem Beschlusse der Nationalversammlung vom 9. Nov., daß der Krone nicht die Befugniß zustehe, die Nationalversammlung wider ihren Willen zu verlegen, zu vertagen oder aufzulösen. Nachdem die Nationalversammlung in Berlin durch Militärgewalt ihre Berathungen fortzusetzen verhindert ist, und wir in Erfahrung gebracht haben, daß die Minorität den Beschluß fassen will, die Stellvertreter der Majorität einzuberufen, erscheinen wir in Brandenburg, alle andern Rücksichten dem Wohle des Vater­landes zum Opfer bringend. Schneider fährt fort: er habe zu bemerken, daß er im Auftrage von Unruh u. A, mitzuthei- len habe, daß sie nicht haben erscheinen können, weil sie mit Einberufung der Mitglieder nach Brandenburg beschäftigt seyen. Sie, die Anwesenden, seyen diesem Rufe (v. Uuruh's) bereits gefolgt. Der Redner verläßt den Rednerstuhl unter lautem Gelächter.

Parrisius trägt auf Vertagung Der Sitzung bis Mon­tag an. Der Präsident fordert die Versammlung auf, da auch während deß die namentliche Abstimmung begehrt war, mit Ja zu stimmen, wer sich zunächst für Konstituirung' des Büreaus entscheide, mit Nein, wer Vertagung bis Montag wolle. Nach mehreren Bemerkungen von Duncker, Bornemann, Parrisius wird die Fragestellung auf Vertagung bis Montag 11 Uhr bezogen, dieser Antrag jedoch mit 145 gegen 113 Stimmen verworfen. Schneider: Er habe darauf aufmerksam ge­macht, daß das Präsidium damit beschäftigt sey (lärmende Un­terbrechung), für mehrere Mitglieder die Stellvertreter einzu­berufen. Die Einladung nach Brandenburg sey aber mehreren hundert Mitgliedern noch nicht zugegangen. Und derselbe Mann, der vor Kurzem die Einberufung der Stellvertreter durch die Minorität als einen Eingriff in die Rechte der Ma­jorität bezeichnet hatte, erklärt jetzt, da man sich auf (die durch Mehrheit verworfene!) Vertagung nicht einlasten wolle, so sähen sie sich genöthigt, den Saal zu verlassen. Sie ver­lassen den Saal wirklich in langer Reihe, wie sie gekommen. Hr. Baumstark: Wenn man hier von einem Präsidenten v. Unruh gesprochen habe, so müsse er erklären, daß man hier keinen Präsidenten v. Unruh kenne. Er könne vielmehr in seinem und seiner Freunde Namen erklären, daß es sich hier nur um einen Alterspräsidenten handele. Unter, deß hat bereits ein großer Theil der Versammlung den Saal verlassen.

Hr. Parrisius bedauert, daß er seinen Antrag nicht motiviren könne. Man würde daraus ersehen haben, daß er nur vermitteln und jeden Prinzipienstreit von vorn herein ab# schneiden wollte. Jetzt aber, da der Antrag von der Mehrheit verworfen worden, fürchte er, daß die Versöhnung erschwert sey. Bornemann sagt, ob er legal oder illegal zum Vize­präsidenten erwählt sey, gelte ihm gleich. Er habe ausdrück­lich verzichtet, Vizepräsident zu seyn, sey indeß der Meinung, daß sich dieß mit seinem Eintritte in den Saal von selbst ver- standen. Grebe l ersucht den Alterspräsidenten, da seine (Gre- bel's) Freunde den Saal verlassen hatten, den Namensaufruf vorzunehmen, um zu erfahren, ob die Versammlung noch be­schlußfähig sey.

Der Namensaufruf wird hierauf, mittelst Abgabe der Stimmzettel unter großer Unruhe der Versammlung vörgenom- men; es ergibt sich, daß die Versammlung nicht mehr be­schlußfähig ist; es beginnt die namentliche Abstimmung über den Simons'schen Antrag , die Einberufung der Stellvertreter betreffend, und das Resultat derselben ist: 82 haben sich der Abstimmung enthalten, 73 mit Ja, 1 mit Nein gestimmt. Der Antrag ist sonach angenommen. Hierauf stellt Baum­stark den Antrag, die Sitzung bis Donnerstag 11 Uhr zu vertagen. Dies wird angenommen.