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ten, bin ich im Stande Folgendes zu melden. Angemeldet | waren heute Morgen in Brandenburg 173 Mitglieder; gewiß ist, daß von hier aus morgen sich noch fernere 10 Mitglieder dorthin begeben; wahrscheinlich ist, daß eine noch weitere An­zahl folgt, wenn auch noch nicht übersehen werden kann, wie stark dieselbe seyn wird. Die ungünstigen Nachrichten, welche der heute Morgen von Frankfurt hier angekommene Hr. Rod- bertuS mitgebracht hat, haben verschiedene Abgeordnete seiner Fraktion zum Eintritt in die Versammlung bestimmt.

Berlin, 29. Nov. Die demokratische Partei glaubt sich für den Winter keine Hoffnung auf einen Umschwung der Verhältnisse machen zu dürfen, will sich aber für das Früh­jahr rüsten. Darin stimmen die ältere „Lithograph. Korrespon­denz" und eine neue, heute eröffnete „Demokratische Korrespon­denz" überein. Die letztgenannte sagt hierüber: „Ein Glück für die demokratische Partei Deutschlands wird die gezwun­gene Muße seyn, zu der sie den Winter über, wenn nicht alle Anzeichen trügen, verurtheilt seyn dürfte. Sie hat vollauf der Thätigkeit in ihrer eigenen Mitte. Die Einsicht über die begangenen Fehler und deren Grundursachen immer allgemei­ner machen, die politische Erkenntniß überhaupt mehren und steigern, — den heiligen Groll im Busen unermüdlich nähren und doch vor unzeitigem Aufflammen bewahren, die unlaute­ren Elemente, die Vermittler und Feiglinge, mit strenger Hand aussonbern und eine neue schärfere Parteienscheibung herbei­führen — vor Allem aber sich mit der Erkenntniß durchdrin­gen, daß man eben, um bekannte Worte zu wiederholen, „die große Krankheit dieser Zeit nicht mit Rosenöl und Moschus heilt" — das ist eine reiche und würdige Aufgabe für die Führer und Organe der Demokratie, und wird sie den Winter über vollkommen beschäftigen. Hat sich durch Lösung dieser Aufgabe die revolutionäre Partei hinlänglich gestärkt, dann wird sie mit des Märzes Thauen ganz anders kampfbereit seyn, als dieser März sie fand. Der neue, allgemeine, europäische Kamps aber kommt sicher zum Frühjahre. Ein Nothaufstand und eine politische Revolution in Deutschland, ein sozialer Krieg in Frankreich, ein aberma­liges Erheben der verschiedenen geknechteten Nationalitäten Italiens, Polens, Ungarns, der Donauländer — das sind leicht zu prophezeiende Ereignisse für das Frühjahr.

Wien, 27. Nov. (A. Z.) Die Dankadresse des Handels­standes wurde dem Fürsten Windisch-Grätz übergeben. Ee empfing die Deputation auf daS leutseligste, erklärte wie sehr er sich über die gute Gesinnung, deren man ihn versichere, freue, und daß er nichts wünsche, als dieselbe wäre schon in einer früheren Zeit kund gegeben, und von der Bürgerschaft energisch unterstützt und zum Siege geführt worden. Der Vor­wurf, welcher in diesen Worten liegt, ist ein nur zu wohl verdienter. Der Fürst äußerte ferner: daß er auf die Unter­stützung der Bürgerschaft müsse rechnen dürfen, wenn sein Wirken von einem günstigen Erfolge gekrönt seyn solle. Was die Einnahme Wiens betreffe, so gebühre das Lob dafür nicht ibm, denn jeder andere Stabsoffizier würde die Operationen eben so gut geleitet haben, sondern den gemeinen Soldaten, welche ihr Blut dabei verspritzten. Er sey nicht gegen Deutsch­land, allein er könne auch nicht vergessen, daß Oesterreich als Oesterreich es gewesen sey, welches bei Aspern und Leipzig den Ausschlag gegeben. Er entließ darauf die Deputation auf das huldvollste, und diese entfernte sich überglücklich wegen des herablassenden Empfangs Sr. Durch­laucht.

Wien. Der „Preuß. Staatsanz." theilt das auf außer­ordentlichem Wege erhaltene Prygrmm des oft erreich. Ministeriums mit. Wir entnehmen demselben folgende, auf das Verhältniß zu Deutschland bezügliche Stelle: „Meine Herren! Das große Werk, welches uns im Einverständnisse mit den Völkern obliegt, ist die Begründung eines neuen Ban­des, das alle Lande und Stämme der Monarchie zu Einem großen Staatskörper vereinigen soll. Dieser Standpunkt zeigt zugleich den Weg, welchen das Ministerium der deutschen Frage verfolgen wird. Nicht in dem Zerreißen der Monarchie liegt die Größe, nicht, in ihrer Schwächung die Kräftigung Deutsch­lands. Oesterreichs Fortbestand in staatlicher Einheit ist ein deutsches, wie ein europäisches Bedürfniß. Von dieser Ueber­zeugung durchdrungen, sehen wir der natürlichen Entwickelung des noch nicht vollendeten Umgestaltungsprozesses entgegen. Erst wenn das verjüngte Oesterreich und das verjüngte Deutsch­land zu neuen und festen Formen gelangt sind, wird es mög- gegenseitigen Beziehungen staatlich zu bestimmen. BrS -dahtn wrrd Oesterreich fortfahren, seine Bundespflichten treulich zu erfüllen." ■

Briefe aus Kremsier vom 27. Nov. melden, daß Pillers- dorff sein Mandat als Deputirter niedergelegt hatte. In der zweiten Reichstagssitzung am 27. verlas Fürst Schwarzenberg das ministerielle Programm. Es wurde mit großem Beifall ausgenommen. Es verspricht: Mitwirkung des Mini­steriums zu Erreichung der konstitutionellen Freiheiten, freie Entwickelung aller Nationalitäten, Gleichheit Aller vor dem Gesetze, Selbstständigkeiten der Gemeinden, vollständige Tren­nung der Justiz von der Verwaltung, Sicherung der Natio­nalität für das lombardisch-venezianische Königreich, Herstel­lung einer kräftigen österreichischen Monarchie, die für Deutsch­land ein eben so großes Bedürfniß sey, wie für den Kaiserstaat. Erst wenn das verjüngte Deutschland und daS verjüngte Oesterreich zu festeren Formen gelangt seyen, werde es mög­lich seyn, die Beziehungen zwischen beiden festzustellen.

Donaufürstenthumer

In Siebenbürgen herrscht nach einem vom Schwäbischen Merkur veröffentlichen Schreiben vom 4. Nov. der gräßlichste Aufruhr. Von Seiten der magyarischen Szekler einerseits, von den Walachen andererseits findet eine allgemeine Schild­erhebung statt: Morden, Sengen und Brennen ist an der Tagesordnung. Auf der sogenannten Heide sind mehr als 40 Dörfer theils von den Ungarn, theils von den Walachen niedergebrannt worden, Salzburg bei Herrmannstadt, Klein- Enyed, SzaszRegen und Birk liegen in Asche. Am 4. d. M. stand Obristlieutenant Urban mit seiner kleinen Mannschaft, etwa 200 Mann stark bei SzaszRegen um den Ueberfall der Szekler abzuwehren. Die Szekler aber, 16,000 bis 17,000 Mann stark, sanier^ und zogen nach einem unbedeutenden Vor­postengefechte in SzaszRegen ein und erhoben eine Brand­schatzung von 50,000 fl. C. M. Dann raubten, plünderten sie und schafften die besten Sachen auf zahllosen Wagen fort, — mordeten wehrlose Greise, Männer, Weiber und Kinder, zündeten den ganzen Marktflecken an, und was von den Flam­men übrig blieb, wurde von ihren Händen zertrümmert. Die schöne englische Kirche ist abgebrannt, inwendig sind die Stühle, die Kanzel und der Altar ein Raub der Flammen geworden. Der größte, schönste und reichste Marktflecken Siebenbürgens ist ein Schutthaufen! Die unglücklichen Einwohner sind, um ihr nacktes Leben zu retten, nach allen Seiten geflüchtet. Der Winter hat seinen Anfang genommen — wehe den vielen Un­glücklichen, die sich, aller Habe entblößt, auf den Straßen, Gassen, Feldern und Wäldern befinden! — Was die Deutschen in Siebenbürgen von der Zukunft zu hoffen und zu erwarten haben, läßt sich leicht denken — indem sie von allen Seile# mit mächtigen und höchst feindlichen Elementen umgeben sind.

$y r st H f t e t ch.

□ Paris, 30. Nov. Den Herren Guizot und Duchatel steht nun kein Hinverniß mehr entgegen, frei und ungehindert nach Frankreich zurückzukehren und dort der Einsetzung deS neuen vierjährigen Königthums beizuwohnen; denn der hiesige Obergerichtshof erließ gestern eine Ordonnanz, worauf der ge­pflogenen Voruntersuchung gemäß kein Grund zur Verfolgung der Februarminister Louis Philips gesetzlich vorliegt.

Proudhon erschossen! So eben (1 Uhr Mittags) verbrei­tet sich das Gerücht an der Börse, daß sich Felix Pyat und Proudhon dennoch geschossen hätten und daß Proudhon gefal- j len wäre. Unter den Arbeitern herrscht eine unbeschreibliche Aufregung. Die ehemaligen Lurembourg-Delegirten haben den Duellanten eine energische Protestation zugeschickt, worin sie „den beiden Freunden des Volkes" im Namen der Letzteren geradezu „verbieten", sich zu duelliren! Ebenso haben sich sämmtliche demokratische Wahlausschüsse gestern Abend außer­ordentlich versammelt, um ein Ehrengericht niederzusetzen, vor welchem die Duellanten erscheinen sollen. Auch das Bureau der Nationalversammlung hatte dieselben vor sich geladen, um sie zur Rede zu stellen. Non, der bekannte Sbirrenchef des Bourbonviertels erreichte sie gestern Nachmittag im Gehölz von St. Ouen gerade in dem Augenblick, wo sie sich schießen woll­ten. Er führte sie in die Stadt zurück; es scheint aber doch, als wären ihm die Unversöhnlichen von Neuem entschlüpft und das Duell soll heute stattgefunden haben. Pyar ist ein vor­trefflicher Schütze; Proudhon brannte dagegen nie ein Gewehr ab und ist kurzsichtig.

Das hiesige Kabinet hatte dem Londoner die Maßregeln rücksichtlich Nom's angezeigt und um schleunige Antwort ge­beten. Gestern Abend ist ein außerordentlicher Kurier mit die­ser Antwort eingetroffen.

Verantwortlicher Redakteur W. H. Riebi. — Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandluna in Wiesbaden.