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Etwas von der „demokratischen Presse".

Wir haben unseren Lesern zu ihrer Erheiterung wieder­holt Proben des wunderschönen Etyls mitgetheilt, welchen die Demokraten-Zcitungen schreiben. Heute bringen wir ihnen ein neues Musterwerk, das alle früheren übertrifft, und wel­ches wir dringend Hrn. Prof. O. L. B. Wolff's Hausschatz der deutschen Prosa empfehlen, damit dieses glänzende Denkmal des hohen Aufschwungs unserer Zeit nicht untergehe.

Die erwähnten vortrefflichen Blätter verdienen überhaupt, daß man anfängt, zuweilen einen Blick hinein zu werfen, um ein hekMes Gegengewicht gegen den Ernst unserer Tage zu finden.

Schon von Weitem sie erheiternd anzusehen. Sic nehmen sich aus wie eine Empfehlungskarte eines Buchdruckerei-Be- ptzers. Borgis und Garmond und fette und fetteste Schrift: Ausrufungs- und Fragezeichen, Punkte und Gedankenstriche ... Alles wird angewandt, in der Angst, daß sonst Niemand diese Späße lese, und um das widerstrebende Auge zu fesseln. Die Harlequins haben seit je bunte Jacken angezogen. Auch unsere Demokratischen machen es so, wenn sie ihre politischen Rathichlägereien, die Polichinell-Grimacen beginnen, die das dumme Volk in die Bude mit dem rothen Vorhang locken sol­len, wo man die Tragikomödie: Die soziale Republik, aufzu­führen verspricht.

„Nur immer herein, wackere Bürger, man wird gleich an­fangen; augenblicklich beginnt der erste Akt; nur vergessen Sie die Kasse nicht; es sind schon 4 Thlr. 4 Gr. 6 Pf. drin. Hier ist der Zettel; Sie sehen,'die Hauptrollen sind in den Händen von wahren Helden — es treten nur edle und ideale Charakter auf, der erste Akt beginnt mit einem Chore George Sand'ichcr „heiliger Mädchen" als Genien der Tugend, die einen Hymnus auf die Guillotine singen. Der Akt endigt mit der Abschlachtung, sämmtlicher Tyrannen, sämmtlicher Mit­glieder der Rechten, des rechten und des linken Zentrums. Der zweite Akt zeigt uns die große deutsche Republik. Karl Hein­zen ist Präsident durch die Gnade seiner Lungen. Das Volk erweist ihm göttliche Ehren. Schlußtableau: Die Lüneburger Haide. Die Theilung'aller irdischen Güter ist vor sich gegangen; die all­gemeine Gleichheit hat ihre Segnungen auch über die Haid­schnucken ausgebreitet. Fortan schwelgen die aristokratischen Kinder des Südens nicht mehr allein in den süßen Früchten ihres privilegirten Bodens; auch die Haidschnucken ruhen unter blühenden Orangen und trinken Falerner statt sauren Bieres."

U. s. w. U. s. W. Wir wollen den Unsinn nicht weiter verfolgen, als er verdient. Das Volk verläuft sich ohnehin von der Bude der Grimaciers, deren Stück immer anfangen soll und nie anfängt. Die armen Teufel vor der Bude, die Affen auf der Stange, werden darüber immer wüthender und

verrenken Arme und Beine in den lächerlichsten Stellungen. Ihre Phantasie wirft die abenteuerlichsten Einfälle aus. Die demokratische Presse ist ein vollständiger Schlammvulkan gp worden — Revolutionen bringen den Schlamm in die Höhe, so heißt es schon in Walter Scott's „altem Stück."

Die neueste Eruption ist die Entdeckung der wahren Mör­der von Robert Blum (Hört! hört!).

■ Ja, ja, die Sache ist gewiß; ein liebenswürdiger Juden­junge in Mainz, mit dessen Namen ich meine Feder nicht be­sudeln will, hat bereits in einer Volksversammlung die Köpfe der Schuldigen eingefordert. Diese sind — der Erzherzog Jo­hann und Heinrich Gagern! Ja, sie waren die schwarzen Verräther, die Deutschlands größten Heiligen erschießen ließen, Als Widisch-Grätz Wien erobert hatte, da — o höllische Bos­heit! da griff Gagern, der abscheuliche Gagern zu seiner in Blut getauchten Feder: „Windischgrätz," schrieb er, theurer Windischgrätz, thun Sie mir den einzigen Gefallen, fangen Sie mir den Robert Blum ein und lassen Sie ihn todtschießen!"

Mit diesen, die Bosheit eines Nero, Tschingischan, Wran­gel, Tamerlan, Tiber, Friedrich Wilhelm IV., Iwan des Schrecklichen übertreffenden verruchten Zeilen sandte Gagern einen Courier ventre-â-terre an Windischgrätz, und Windisch- grâtz, der bekanntlich dem Frankfurter Parlament und seinem Präsidenten auf's Wort gehorcht, ließ augenblicklich Blum er­schießen! 0 horrible, o horrible, most horrible! sagt Shake­speare, aber er setzt auch hinzu:

Pool deeds will rise

Though all the earth o’erwhelm wem to men’s eyes.

Ja, und so ist auch die Verruchtheit, die „macchiavelli- stische Politik" (Bravo!) eines Gagern entdeckt. Zögern wir nicht länger, dem gespannten Deutschland den Ecken zu nen­nen, der dieses neue Verdienst um das Vaterland erwarb., â ist der Dr. von Löhr, der Redakteur der „Neuen Zeit" in Worms, ein begeisterter Kämpfer für das Volkswohl und Deutschlands wahre Größe. (Schluß folgt.)

Miszellen.

— Am 17. November Abends hat sich in Petersburg das Eis auf bcr<- Newa gestellt. Da der Strom in diesem Jahre am 2. April anfging, ist el in diesem Sommer 231 Tage vom Eise frei gewesen, was der mittlere« Sommerdauer von 219 Tagen ziemlich gleichkommt. Der mittlere Teriiii« für den Zugang ist der 26. November; der diesjährige gehört somit zu den frühen. Im Verlaufe des gestrigen Tages ist an der gewohnten Stelle die Laufbrücke gelegt und die Verbindung zwischen Wasili-Ostrow und der gross«. Seite für Fußgänger hergestellt worden. In den Frühstunden zeigte ba« 5 Thermometer — 15°.

Theater zu Wiesbaden.

Sonntag den 3. Dez. Dorf und Stadt, Schauspiel in 5 Akte« nach B. Auerbach von CH. Birch-Pfeifer.

Verantwortlicher Redakteur W. H. Rr e hl. — Druck und Verlag der L. Sch ellcnbcrg'schen Hof-Buchhandlunä in Wiesbaden.

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