stimmung, eine große Mehrheit erhebt sich für denselben und die Sitzung ist geschlossen (2V, Uhr).
Berlin, 28. Nov. Es scheint, daß man auf jedenfall erst eine beschlußfähige Majorität beisammen haben will, ehe das Ministerium seine offizielle Mittheilung macht. Man wartet also entweder auf Desertionen aus Berlin oder auf Rekruti- rung durch Stellvertreter. Erwägt man, daß zirka 80—90 Beamte in der Versammlung zu Brandenburg sine, daß wohl eben so viele noch als Stellvertreter gewählt, so dürfte die Regierung bei Einberufung der Stellvertreter leicht formell ihren Zweck erreichen.
V. Gagern's Vermittlungs-Mission scheint gänzlich gescheitert zu seyn; er soll gestern Abend den Hof gänzlich ent« muthigt und körperlich angegriffen verlassen haben. — Manteuffel tritt als Candidat für Teltow auf und soll nicht im entferntesten daran denken, sein Portefeuille niederzulegen.
Wien, 25. Nov. (A. Z.) General Simonich ist noch nicht in Tyrnau. Er steht von der mährischen Gränze aus längs der March bis in die Nähe von Preßburg. Bei Hainburg ist, wie die Wiener Zeitung erklärt, die Hauptarmee bereits in Verbindung mit der von Kroatien her operirenden Armee des Generals Dahlen. Von Galizien aus beginnt Feldmarschalllieutenant Schlick mit seinem Truppenkorps in einigen Tagen seine Operationen in Oberungarn. Aus der Umgegend Wiens gehen immer neue Truppenkorps an die Leitha ab. — Banus Jellachich hat vom Kaiser das Großkreuz des Leopoldordens erhalten.
Wien, 26. Nov. (21. 3-) Morgen verlassen uns Windisch- Grätz und Jellachich, um den Angriff gegen Ungarn zu beginnen. Der heiterste mildeste Himmel begünstigt die Operationen. Der Gemeinderath hat Windisch-Grätz und Jellachich mit Deputationen und Adressen beschickt, um für die Rettung der Stadt den Dank auszusprcchen; Windisch-Grätz insbesondere für die Milde mit der er vorging. Was wollen Sie mehr?
I t a l i e n.
Aus Rom wird deutschen Blättern geschrieben: „Hier regieren nun die feigen Freischärler, die in Oberitalien vor den Oestreichern davon gelaufen waren, seit ihrer Heimkehr aber die Helden gegenüber den friedlichen Bürgern spielen und erst neuerdings hier eingerückt waren. Der Mörder Rosst's war einer dieser Helden von Vicenza. Das Abscheulichste an dem ganzen Meuchelmord war, daß Niemand sich darüber entsetzte, man nahm ihn als ein politisches Mittel so gut wie jedes andere hin. Die Römer meucheln, da sie zu feig sind, um Barrikaden zu bauen. Bei der Revolution am 16. November, die auf den Mord folgte und den heiligen Vater ganz in die Willkür der Demagogen gab, wurde Monsignore Palma, ein Sekretär des Papstes, todt darnieder gestreckt. Die Bewegung, die von Pius IX. ausging, hat nun die Wendung genommen, daß ihr Urheber von den Mächten, die er entfesselte, gefesselt dasteht."
Frankreich.
□ Paris, 27. Nov. Es ging hier gestern das Gerücht, man habe aus den Louis Napoleon Bonaparte am Vendome- platze geschossen. Erkundigungen haben dieses Gerücht als eine Fabel herausgestellt.
Seit einiger Zeit sammelt sich das Volk jeden Tag auf dem Vendomeplatze, um den neuen Kaiser zu sehen. Ungeachtet derselbe gestern anschlagen ließ, daß er aufs Land gezogen, steht doch so eben (1 Uhr) der ganze Platz voll Menschen. Indessen ist Alles ruhig.
□ Paris, 28. Nov. Die Vertheidigungsrede Cavaignac's wird in Millionen von Exemplaren gedruckt, um in Stadt und Land von Haus zu Haus vertheilt zu werden. Die diesfälligen Druckkosten sollen durch freiwillige Beiträge zu Stande kommen.
Lamartine ist wieder nach seinem lieben Macon zurückgekehrt. Er erklärt im „Courrier", daß er sich jedes Votums am Sonnabend enthalten habe.
Der Erzbischof von Paris ordnet mittels Hirtenbriefs vom 27. Nov. in allen Kirchen öffentliche Gebete zur Rettung des Papstes an.
Endlich ist das Manifest des neuen demokratischen Kaisers eti dienen. Es soll ganz aus der Feder seines künftigen Reichs- verwesers (Thiers) geflossen seyn.
Der berüchtigte Verräther Napoleon's, Marschall Mar- mont, der seit 1830 wie der ewige Jude umherirrte, will (auf Einladung Cavaignac's?) plötzlich nach Frankreich zurückkehren.
Manifest Louis Napoleon Boneparte's an seine Mitbürger. — Um mich aus dem Exil zurückzurufen, ernannten Sie mich zum Volksvertreter. Am Vorabend, den ersten Beamten der Republik zu wählen, erscheint Ihnen mein Name als Sinnbild der Ordnung und Zuversicht. Diese Zeugnisse eines so ehrenwerthen Vertrauens sind, ich weiß es wohl, mehr diesem Namen als mir selbst, der ich noch nichts für mein Land gethan, zugewandt. Aber je mehr mich das Andenken an den Kaiser begünstigt und mir Ihre Stimmen verschafft, desto mehr fühle ich mich verpflichtet, Ihnen meine Gefühle und Grundsätze zu erkennen zu geben. Zwischen Ihnen und mir darf keine Zweideutigkeit herrschen.
Ich bin kein Ehrgeiziger, der bald Krieg und Kaiserthum, bald die Verwirklichung verbrecherischer Ideen träume. In freien Ländern und in der Schule des Unglücks erzogen, werde ich stets den Pflichten treu bleiben, welche mir Ihre Stimmen und der Wille der Nationalversammlung auflegen. Wenn ich zum Präsident gewählt werde, so werde ich vor keiner Gefahr, vor keinem Opfer zurückweichen, um die so kühner Weise angegriffene Gesellschaft zu vertheidigen. Ich werde mich ganz und ohne allen Hinterhalt der Befestigung einer Republik hingeben, welche weise durch ihre Gesetze, hönnet durch ihre Intentionen, groß und stark durch ihre Handlungen (actes) ist. Ich werde meine Ehre darin suchen, am Ablauf von vier Jahren, meinem Nachfolger die Staatsgewalt fest, die Freiheit unberührt, wahren Fortschritt erfüllt, zu überliefern. Welches auch das Wahlresultat sey, ich verbeuge mich vor dem Volkswillen und mein Beistand tst im Voraus jeder gerechten und festen Regierung zugesichert, welche Ordnung sowohl in den Gemüthern (c'sprits) wie in den Dingen herstellt; welche die Religion, Familie und Eigenthum, diese ewigen Grundlagen aller gesellschaftlichen Ordnung, ausgedehnt schütze; welche mögliche Reformen Hervorrufe, den Haß besänftige, die Parteien aussöhne und auf diese Weise dem beunruhigten Vaterlande gestatte, auf einen Morgen zu zählen.
Ordnung wiederherstellen, heißt das Vertrauen zurückführen; durch Kredit der vorübergehenden Unzulänglichkeit der Hilfsquellen vorsehen, heißt die Finanzen wieder beleben. Religion und Familie beschützen, heißt die Kultus- und UlM-^ richtsfreiheit beschützen. Das Eigenthum schützen, heißt die Unverletzlichkeit der Produkte aller Arbeiten aufrecht erhalten, sowie die Unabhängigkeit und Zuverlässigkeit des Besitzthumss dieser unerläßlichen Grundlagen bürgerlicher Freiheit, gewährleisten. In Betreff der möglichen Reformen, so erscheinen mit folgende als die dringlichsten: Alle Ersparnisse einzuführen, welche, ohne den Staatsdienst zu lähmen, eine Verringerung der Steuern erlauben, die am Härtesten auf dem Volke lasten. Unternehmungen zu ermuthigen, welche den Reichthum der Agrikultur vermehren und in Frankreich sowohl, als in Algerien brodlose Hände beschäftigen. Dem Greisenalter der Arbeiter durch Anlagen von Versorgungsanstalten Hilfe zu leisten. In unsere industriellen Gesetze Verbesserungen einzuführen, welche dahin streben, nicht den Reichen zum Besten des Armen zu ruiniren, sondern den Wohlstand eines Jeden auf den Wohlstand Aller zu gründen. Die Zahl der von der Regicruugs- gewalt zu vergebenden Stellen in ihre möglichst engen Gränzen zurückzuweisen, denn diese Stellenjagd macht oft aus einem freien Volke ein Volk von Bittstellern. Jene schlimme Tendenz zu vermeiden, welche vom Staat ausführen lassen will, was Privatleute ebenso gut und oft besser thun können. Die Zentralisation der Interessen und Unternehmungen liegt in der Natur des Despotismus. Die Natur der Republik stößt daS Monopol von sich, Endlich die Preßfreiheit gegen zwei Ueber- griffe zu beschützen; gegen Willkür der Regierung und eigene Ausschweifung.
Krieg nach Außen würde unseren Uebelständen keine Linderung verschaffen: Friede würde also der theuerste meiner Wünsche seyn. Frankreich war bei feiner ersten Revolution kriegerisch, weil man-es zwang dies zu seyn. Den Fremden- einfall erwiederte es mit Eroberung. Heute, wo es nicht herausgefordert ist, kann es seinen Hilfsquellen Friedensver- befferungen zuwenden, ohne auf eine ehrenvolle und entschlos- fene Politik zu verzichten. Eine große Nation muß schweigen, oder nur den Mund vergebens öffnen.
521] Ein Wachtelhund, weiß mit schwarzen Flecken, hat sich verlauft».
Wer denselben in der Post abliefert, erhält eine Belohnung.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Niehl. — Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof- Buchhandlung in Wiesbaden.
