Einzelbild herunterladen
 

schärfer als je scheinen sie sich zu sondern und zu spalten. In dem möglichst ungeschickt hergerichteien Saale nahmen die Abgeordneten Platz wie früher in Wien, höchstens, daß ein paar Abgeordnete'ihre Sitze wechseln; die Polen und die Ultradeutschen sitzen links, die Czechen rechts. Minister Sta­dion läßt sich auf einige Minuten sehen, die Minister Bach und Kraus bleiben längere Zeit. Abg. Smolka nahm den Präsidentensitz ein, verkündete aber sogleich , daß die Zeit um sey, und eine neue Wahl zu veranstalten wäre. Abg. Schmidt begehrte einige Tage Frist, damit man sich orientire, aber die­ser Antrag wurde verworfen, von den Czechen in der sichern Voraussicht, ihr Kandidat Strobach werde siegen, und damit gleich eine Demonstration gegen alles Vorgefallene gemacht werden. Allein die Urne täuschte. Bei dem ersten Skrutimum fielen von 248 Stimmenden 122 Zettel auf Strobach, 121 auf Smolka, den Kandidaten der Linken, die andern zersplitterten sich, und es ergab sich sonach keine absolute Majorität. Man mußte zum zweiten Male wählen und Smolka erhielt 131, Strobach nur 124 Stimmen von 255 Votanten. Das Re­sultat überraschte, und mag auch eingeschüchtert haben, denn es zeigt, daß die gemäßigte Linke eine kompakte Fraktion bil­det, und sonach nicht wie früher sich in Republikaner, Ultra­deutsche und Polen zerstäubt gegen die fest und sicher auftre­tende Rechte unter Vortritt der Czechen. Beide Parteien scheinen sich jetzt die Wage zu halten, und das Zentrum des Zentrums, die österreichische Partei, gibt den Ausschlag.

Ein Pole, ein Mährer und ein Deutscher bilden somit das Präsidium des österreichischen Reichstags. Die Czechen sind total durchgefallen und mußten auch eine Rede vom Abg. Schuselka anhören, worin er die letzten Vorgänge des Reichs­tags in Wien erzählte. Die Versammlung, immer vollzählig, habe in der Reitschule gegen die Verlegung des Reichtags protestirt; man würdigte sie keiner Antwort. Am 1. Novbr. noch war wieder eine Versammlung angesagt, um eine erneute Adresse deshalb zu berathen, allein es fanden sich nur 136 Abgeordnete ein, da ein österreichischer General, welcher jetzt Minister seyn soll, dem Portier des Hauses verbot, Deputirte einzulassen. Das Präsidium des Reichstags wurde nicht ge­würdigt, von diesem Verbote benachrichtigt zu werden, und die Deputirten wurden an den Stadtthoren nicht eingelassen, trotz Vorweisen ihrer Legitimation. Wir beschlossen damals, am 15. Nov. zusammenzutreten, allein um keinen Zwiespallt hervorzurufen, fügen wir uns der Majorität der Versammlung, und sind hier eingetroffen. Allein keineswegs wollen wir da­mit der Krone oder den Ministern das Recht zugestehen, den Reichstag nach Belieben da oder dorthin zu verlegen. Die Regierung hat kein Recht dazu, aber wir wollen die Ereignisse, Welche über Oesterreich hereinbrechen, nicht noch mehr trüben,, und das Unglück Wien's, das früher demokratische Ultras und jetzt diplomatische und militärische Ultras herbeisührten, je früher desto lieber enden. Deshalb stelle ich keinen Antrag, sondern gebe blos diese Erklärung. Hieraus wurde die Sitzung bis aus den 25. Nov. vertagt.

It a l t e it.

Die Allg. Ztg. schreibt: Ein Schreiben aus Rovigo vom 21. Novbr. versichert uns, in R o m habe man die Republik verkündigt, General Zucchi und der Papst seyen entflohen. Wir halten dieß um so mehr für ein salsches Gerücht, als eben eintreffende neueste Briefe aus Rom vom 18. Nov. kein weiteres Ereigniß melden, sondern nur versichern, der Papst wolle gegen die Gewaltthaten Protestiren. Thut er dieß — wie es seine Pflicht vor Gott und Menschen ist — so könnte freilich jenes Gerücht zur Wahrheit werden.

Frankreich.

□ Paris, 25. Nov.

Man liest im Proudhon'schen „Peuble": „Wir erfahren soeben, daß sich der Berg und die Sozialistenpartei im Ange­sicht der großen Gefahr, welche der Republik durch eine roya­listische Präsidentenwahl drohte, zu vereinigen im Begriffe stehen. Die Kandidaturen Raspails und Ledru- Rollins sollen ausgegeben und dagegen die Kandidatur Lamenais' einzig und allein aufgestellt werben. Heute Abend wird sich's entscheiden, ob diese Kandidatur von sämmtlichen Gewerken und dem Pariser 'Proletariat überhaupt angenommen sind. Geschieht dies, dann bleibt uns kein Widerspruch mehr übrig, denn wir werden stets dem Willen des Volkes gehorchen. Für uns sind die Grundsätze Alles, die Personen wenig. Doch was letztere betrifft, so wären wir jetzt einig und es blieben nur noch die Sachen zwischen uns und der Bergpartei zu einigen übrig.

Der erste Schritt ist geschehen, hoffen wir, daß auch bet zweite erfolge. Er ist ein so dringender, denn .. .. Catili^ ist an den Thoren."

Die diplomatischen Verhandlungen der englisch -französ Mediation in der italienischen Frage sollen in Brüssel eröffnet werden. Lord Minto, schon seit längerer Zeit in Italic« (.Neapel) wird England und v. Tocqueville, nachdem fif Vivien geweigert, die französ. Republik vertreten.

Frankfurt a. M., den 27. November. Mittags 1 Uhr. -

Papier.

Geld. 1

Oesterreich, 5 % Metalliques . ....

69'/,

68 %1

„ 4 „ ......

57

56

" ......

36%,

36%, !

„ 3 % Bankaktien o. D.....

1165

„ 500 ff. Loose........

1197,

118

„ 250 ff. Loose........

79 7,

78 % 1

Preußen, 50 Thaler Prämienscheine ....

91% :

„ 3%% Staätsschuldscheine â 105 kr. .

75%

75 7,

Baye r u, 37- % Obligationen.......

75%

75'/, ?

Bcr ba ch er - Ei I en bahn - Acti en.....

65'/.

64% ;

Würte m berg, 37, % Obligationen.....

76

757,

„ 4% % neue Obligationen . . .

93

927, f

Baden, 37, % Obligationen von 1842 ....

72

71'/,

„ Lotterie-Aul. â 50 fl. bei G. u. S. . .

45 7*

44%

„ 35 fl. Loose vom Jahr 1845 ....

26%

257,

Darmstadt, 3'/, % Obligationen.....

74%

74

4 % „ .....

85

—

„ 50 fl. Loose........

59%

—

„ 25 fl. Loose.........

217,

207, 1

Kurhesse n, Friedrich-Wilhelms-Nordbahn-Aetien

40

39% 1

„ 40 Thlr. Loose bei Rothschild. . .

25%

25% 1

Nassau, 3y2 % Obligationen bei Rothschild . .

79%

„ 25 fl. Loose..........

207,

20% i

Frankfurt, 3 % Obligationen.......

77 7,

„ 37, % „ von 1839 . . .

907,

------------------ I

„ 3 7, „ „ von 1846 . . .

87

86'/,

Taunus-Eisenbahn-Actien è 250 fl. . . .

268

265

Holland, 27, % Integralen .......

48

47'/,

Spanien, 3 % Innere Schuld.......

18%

18%

„ 5 „ Ardoin incl. 16 Coup.....

Polen, 300 fl. Lotterie-Loose.......

—

94

„ 500 fl. „ „ .......

68%

68% j

Sardinien, 36 Fres. Loose bei Gebr. Bethmann

257,

25

D isconto..............

1%

Gold.

ff.

kr.

Silber.

fl.

kr. 1

9

56

Gold al Marco ....

382

—

Pr. Friedrichsd'or. . .

9

57

Laubth., ganze.....

2

437,1

Holl. 10 fl. Stücke . .

10

4

Preuß. Thaler.....

1

45 i

Rand- Ducaten ....

5

36

5 Frankenthaler ....

20 Francsstücke ....

9

38

Hochhaltig Silber. . .

24

24

Engl. Souverains. . .

12

2

Gering u. mittelh. . .

24

18 J

Wân ms im ^ eh u iigeit.

®®®®®®®©®©©®®;&®@@®g®®@@@©®@©®@®®®®&@@®!.7sw H H 461] I» der Buchhandlung von Chr. Wilh. Kreidel in Wies- ® @ baden, Langgaffe Nro. 25, ist vorrâthig:

Charlotte Leander.

Anweisung zur Kunst - Strickerei. Z 4

@ Eine Sammlung der neuesten sowohl schwierig als auch leicht N 7 ® ausführbaren schönen und eleganten Strickarbeiten.' Zum Schul- ® D J und Selbstgebrauch. Nach eigner Erfahrung und Erfindung zu- M | @ sammengestellt. 16 Hefte mit 219 Abbildungen. 12te Auflage. © © 1 Thlr. 10 Sgr. ' ® ö

Einzelne Hefte sind â 2 Sgr. 6 Pf. und Doppelhefte â 5 Sgr. D G zu haben. © H

Die Hefte 1 — 10 elegant gebunden zu Geschenken â 1 Thlr. © , g 2 Sgr. 6 Pf. g I

509] Um vielfach geäußerten Wünschen nachzukommen, hat sich die Theaterkommission entschlossen, bis zum Schluffe dieses / Jahres noch Einzeichnungen in's Abonnement in der Welle zu ’ gestatten, daß der Betrag für die bereits gegebenen Vor­stellungen in Abzug gebracht wird.

Zugleich machen wir darauf aufmerksam, daß sich^die Jahresabonnementspreise (für 176 Vorstellungen) nach neue- ; ren Bestimmungen folgendermaßen stellen: 1. Rangâallerie HO fL; — 1. Rangloge 82 fl. 8 kr.; — Sperrsitze 82 fl. 8 kr.; — Parterreloge 64 fl. 32 kr.; — 2. Ranggallerie 52 fl. 48 kr.; — Parterre 46 fl. 56 kr.; — 2 Rangloge 35 fl. 12 kr. . 1

Wiesbaden, den 21. November 1848.

Die Theaterkommisfion.

Verantwortlicher Redakteur W. H. Niehl. — Druck und Verlag der L. Schellenberg schen Hof-Buchhandluna in Wiesbaden