zu haben, steht auf und gibt dem Bürger eine derbe Ohrfeige, mit den scharf betonten Worten: „Sie müssen nicht glauben, daß ein Offizier ein Spitzel (Spion) ist!" Seit dem Cordon- schen Erlasse, wonach man für Aeußerungen an öffentlichen Orten, die nicht aufzuregen bestimmt zu seyn brauchen, sondern nur möglicherweise aufzuregen geeignet sind, standrechtlich behandelt wird, kann man offenbar annehmen, daß es in Kaffee's und Gasthäusern von Spionen wimmelt; man empfindet wieder ■— Dank sey es den freundlichen Warnern — den den hier aus der Metternich'schen Zeit noch wohlbekannten Druck am Fuß und hört sich das alte herzliche „Naderer da!" schon wieder ins Ohr zischeln.
Der Zustand des Buchhandels erinnert an das alte Heine'sche Trostgedicht für Campe, worin es heißt: „Und wenn sie den ganzen Verlag verbieten, verschwindet am Ende von selbst die Zensur," nur daß hier eine ähnliche Maßregel gegen den Sortimentsbuchhandel gerichtet ist. Man verspricht den Buchhändlern von einem Tag zum andern ihre Ballen, aber sie kommen nicht. — Die Allg. Zeitung vom 11. wurde gestern Nachmittag um 4 Uhr äuggegeben, und eine solche Verzögerung findet schon seit mehreren Tagen statt. Wissen Sie in Augsburg wohl, daß Sie zu Hetzendorf im Hauptquartier einen hohen Zensor haben? Dort sollen dte Zeitungsblätter zu Tausenden auf der Straße herumliegen.
Wien, 18. Nov. Die allgemein verbreitete Nachricht über Dr. Bechers beabsichtigte Banknotenverfälschung wird von Seite der Untersuchungskommission amtlich widerlegt. — Gestern hatte sich das Gerücht der Hinrichtung des ehemaligen Nationalgarde-Oberkommandanten Braun verbreitet; es erwies sich aber später, daß ein gewisser Borgini aus Brünn erschossen worden. Es hatte sich durch Zeugenaussagen ergeben, daß er an einem öffentlichen Orte aufrührerische Reden geführt und Drohungen gegen das Leben hoher Personen ausgestoßen habe. Die Strenge dieses Verfahrens hat eine sehr niederschlagende Wirkung hervorgebracht.
Vorgestern besuchte Ban Jellachich das Hofburgtheater, und wurde daselbst mit Ehren- und Freudenbezeugungen empfangen. Auch wurde eine Stelle im Stücke — der Sehnsucht nach der guten alten Zeit Raum gebend — lebhaft beklatscht. (!) Gestern Abend reiste Finanzminister Kraus auf höchsten Befehl von hier nach Ollmütz ab, und so sieht man der endlichen Ernennung des neuen Ministeriums entgegen. Saphir hat bisher die Konzession zum Wiedererscheinen seines „Humoristen", der späterhin als politischer Horizont erschienen ist, noch nicht erhalten können; ebensowenig der E.rminster Schwarzer für die Allg. österr Ztg., wogegen wieder einige neue Blätter aufgetaucht sind. — Man sagt, daß General Sim»nich die Ungarn geschlagen haben soll, doch wird es noch bezweifelt. Die Kommunikationen auf den südlichen Bahnen sind wieder hergestellt, und man benützt die Gloggnitzer und Brucker Bahn wieder von Wien aus.
Die Wiener Ztg. vom 17. Nov. meldet: „Eben eingehenden Nachrichten aus Triest vom 15. zufolge war der sardinische Admiral Albini mit seiner Flotte ganz unerwartet auf der dortigen Rhede eingetroffen. Er hatte die weiße Flagge aufgezogen und sandte alsobald einen Parlamentär an den österreichischen Marine -Oberkommaudanteu v. Kudriassky, welcher sich sogleich mit demselben in Verbindung setzte, und unmittelbar darauf, wie man versicherte, mit Anträgen des Admirals Albini nach Wien abreiste. Es ist natürlich, daß dadurch ganz Triest in freudige Bewegung kam, und es hieß allgemein, Albini habe Unterhandlungsvorschläge wegen Venedigs gebracht. Letztere Version ist um so eher wahrscheinlich, als sich nach den neuesten Berichten Venedig, allwo die Umsturzpartei auf einen Sieg der Wiener Radikalen gerechnet hatte, seit der Einnahme Wiens in einer furchtbaren Aufregung und Anarchie befand. Die Noth und die Unzufriedenheit der geringeren Klassen,war ungeheuer, und die provisorische Regierung ohne alle Hülfsmittel. Contreadmiral Kudri- afsky ist heute früh hier eingetroffen.
Frankreich.
□ Paris, 20. Nov. Die sämmtlichen französischen Eisen- bahngeseUschaften haben, auf Zureden des Staatsbautenministers, wie man hört, den Beschluß gefaßt, die Waggons (3. Klaffe) statt der bisherigen Ledervorhänge, mit Glasein- saffung zu versehen, damit der Arme nicht immer allein Wind und Wetter ausgesetzt bleibe.
Trotz der gestrigen Festlichkeiten (Illumination und dreier Feuerwerke an den äußersten Enden der Stadt) sahen wir doch
wieder zahlreiche Gruppen auf den inneren Boulevards und an den Straßenecken und öffentlichen Plätzen. Die Polizei thut ihnen nichts; sie überwacht sie nur. Aber starke Patrouillen jagten sie mehrere Male auseinander. Einige der Hauptschreier für die Präsidentschaft Louis Napoleons wären beinahe arretirt worden.
Paris sah gestern zwei interessante Bankette: 1) Frauen- bankett, 2) Bergbankett. Das Erste zählte 1200, das Letzte 2500 Gäste. Im Ersten sprachen mehrere Frauen über die falsche und unglückliche Stellung des Weibes in der heutigen Gesellschaft. Sie brachten mehrere Trinksprüche aus, von denen besonders diejenigen stark beklatscht wurden, welche auf soziale Harmonie hindeuteten. Auch eine Unbekannte ergriff schließlich das Wort, um der gesetzgebenden Versammlung darüber Vor« würfe zu machen, daß in allen Beschlüssen und Manifesten mit keiner Sylbe der weiblichen Knechtschaft gedacht würde. Charles Dain, ein Mitglied jenes Klubbs, der sich neben Pierre Lerom und einigen anderen Repräsentanten am Büreautische besand, versicherte der schönen Unbekannten, (sie war wirklich schon) daß der Berg entschieden sozialistisch auftreten, mithin auch diese gesellschaftliche Frage lösen werde. Er trinke daher auf vollständige Vereinigung der Sozialisten und der Montagnards. Diese Wendung gefiel sehr und nachdem noch zwei liebenswürdige Kinder ihre eigenen Verse vorgetragen hatten, trennte sich das meistentheils in sehr geschmackvolle seidene Anzüge gehüllte weibliche Parlament aus dem Saal de la Gaita an der Barriere du Maine. — Auch in der Stadt Pazenas hat ein Frauenbankett stattgefunden.
Frankfurt a. M., den 22. November.
Mittags 1 Uhr.
Papier.
Geld.
Oesterreich, 5 % 9JMallique5
„ 2 Vr % "
„ 3 % Bankactien o. D.
„ 500 fl. Loose ....
„ 250, fl. Loose ....
Preußen, 50 Thaler Prämienscheine
„ 3% % Staatsschuldscheine â
Bayern, O'/z Vo Obligationen . . .
105 kr. .
69% 56
36%
1150
118
79%
75% 74%
68% 55% 36%
1140
117 797, 91% 74% 74%
Ber b a ch er - Ei s e n bahn - Acti en . . Würtemberg, 3% % Obligationen . .
„ ‘ 4%"/0 neue Obligationen
Baden, 3% % Obligationen von 1842 .
„ Lotterie-Anl. â 50 fl. bei G. u. S
„ 35 f(. Loose vom Jahr 1845
Darmstadt, 3% % Obligationen . .
" 4 % „ ■
„ 50 fl. Loo,e ......
25 fl. Loose. . . .
, Friedrich-Wilhelms-Nordbahn-l 40 Thlr. Loose bei Rothschild. Nassau, 3% % Obligationen bei Rothschild „ 25 fl. Loose '........
Frankfurt, 3% Obligationen.....
3%% „ von 1839 .
Kurhesse n
Actien
3% „ „ von 1846 . . .
Tauuus-Eisenbahn-Actien ü 250 fl. . . . Holland, 2^2 °/o Integralen ....... Sv an ien, 3 % Innere Schuld....... „ 5 „ Ardoin incl. 16 Coup. . . . .
Polen, 300 fl. Lotterie-Loose....... „ 500 fL „ „ .......
Sardinien, 36 Fres. Loose bei Gebr. Bethmann D isconto..............
Gold
Pistolen.......
Pr. Friedrichsd'or. . Holl. 10 fl. Stücke . Rand- Ducaten . . . 20 Francsstücke . . . Engl. Souverains. .
fl.
9
9
10
5
9
12
kr.
56
57
4 36 38
2
Silb er.
64% 75% 93
71% 45% 25% 74% 85 60
21% 39% 25% 79% 20% 78
91
87
268 46% 17%
68% 25'/,
Gold al Marco Laubth., ganze. . . Preuß. Thaler. . . 5 Frankenthaler . . Hochhaltig Silber. Gering u. mittelh.
fl.
74% 92% 70% 44% 25% 74%
84 ' 59% 20% 397, 25
79 20%
77
90% 86%
266
46 17%
93% 67 % 25
2
kr.
382
2
1
24
24
43%
45
24
18
510] Im Verlage von A. D. Geisler in Bremen, ist so eben erschienen und in der Buchhandlung von Chr. Wilh. Kreidel in Wiesbaden vorrâthig: _
Die hochftdenkwürdige Weissagung des hochwürdigsten Pater â
Herrmann von Lehnin, über Preußens ältere und neuere Geichs - von 1322 bis 2000, bisher buchstäblich eingetroffen und eben in der
Wickelung begriffen. 8°. geh. 3 ggr. od. 3% Ngro - -ân
Keine andere Weissagung kann sich mit dieser messen. Fanden A
unsere Großeltern so merkwürdig, so hat die neuere Zeit von ^ » zu König bis auf die glückliche Wiederherstellung des deutschen-" welche sie deutlich verkündet, sie vollends bewährt.__________ ___
JisUr L^Schellenberg'schen Hofbuchhandlung in Wiesbaden
NieriH Volkskalender auf das Jahr 1849. Mit 3 Kupier- stichen und 20 Holzschnitten. Preis 36 kr. __
Verantwortlicher Redakteur W. H. Riehl. — Druck und Verlag der L. S ch el l e nbc rg'schen Hof-Buchhandlunü in Wiesbaden.
