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Beilage zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

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Samstag den 28. Oktober

1848»

Uebersicht.

Deutschland. Frankfur t (Reichstag). Altenburg (Rückkehr des Herzogs).

Frankreich. Paris (Goudchaur tritt vom Ministerium zurück).

Italien. Mantua (Erklärung der ungarischen Offiziere).

D e u t s ch l a n d.

Frankfurt, 26. Oktbr. (Reichstagsverhandlungen vom 26. Oktober. Schluß.)

Graf Deym. Mein Standpunkt ist der deutsche, ganz allein der deutsche. Es ist hier noch nicht genug unterschieden worden, daß es ein Staatsrecht, ein Naturrecht, ein Revo- ntionsrecht gibt. Das Letztere hat uns hierher gebracht, im Namen des Letztern begründen wir ein neues StaatSrecht. Wir dürfen aber die deutsche Politik nicht enger auffassen, als unsere Altvordern, die den Babenberger gegen Osten vorsand- Nen, Oesterreich zum Markgrafenthum erhoben und Böhmen als einen Kurstaat einverleibten. Verfassungen kommen und gehen; höher als sie steht mir die Macht und Größe Deutsch­lands. Die Paragraphen achte ich daher für wenig; sie gelten mir klein gegen die Zukunft eines mitteleuropäischen Reiches von 70 Millionen. Dazu ist Deutschland berufen, die Grün­dung dieses Reichs ist unsere Aufgabe. Aber ein solches Riesenreich faßt sich nicht in Einem Parlamente zusammen. Es bedarf zu seiner Herstellung einer anderen Gliederung und die einzige Möglichkeit derselben erblickt der Redner darin, daß Oesterreich in ein staatenbündliches Verhältniß zu Deutschland trete. Keine Verkrüppelung Oesterreichs, die auch eine Ver- Klppelung Deutschlands seyn würde. Ich schließe mich daher Wächst dem vertagenden Anträge Kaisers an.

Wichmann erinnert an die verweigerte Huldigung, an IMangel der deutschen Farben im Heere und eines Bevoll- stigten Oesterreichs bei der Zentralgewalt. Das Geld- 'uhrverbot sey nicht aufgehoben und die deutsche Vermit- rg in Bezug auf Italien unfreundlich empfangen worden, ne Herren, das ist die Politik des Hauses Habsburg, h welche die Schweiz dem Reiche für immer verloren ge- zen, die Straßburg den Franzosen überlassen, Lothringen . w. geopfert. Von dieser Politik müssen wir uns befreien dazu dienen die Paragraphen der Verfassung. Was wir erreich für seine längst zum Bunde gehörigen Länder nach- m, das dürften wir doch wahrlich nimmermehr fordern Länder, wie Posen und Schleswig, oder wir forderten es t mit dem schlimmen Rechte des Stärkeren. Vergeben auch unsere Alliance nicht in Voraus an die slawischen ker Oesterreichs. Sorgen Sie vielmehr einzig und vor m dafür, daß eine einheitliche Politik in Deutschland hei- h werde.

Berger aus Wien. Nicht ob Sie uns in Ihren Bun- taat aufnehmen, sondern ob Sie uns daraus in den Staaten- b hinausjagen wollen, darum handelt es sich. Der Red­geht dann so scharf auf die Redner der entgegengesetzten te los, daß der Präsident die österreichischen Landsleute ger's durch einen Ordnungsruf vor der, Verdächtigung ltzen muß, als suchten sie aus die Frankfurter Abstimmung ^wirken durch das Aussprengen falscher Gerüchte, wie z. B. Nachricht, Windisch-Grätz habe Wien genommen. Die 2 und 3 seyen überflüssig nach der Annahme von §. 1. t Versammlung solle doch dem Beispiele des Reichsministe- ms folgen, welches die österreichischen Truppen als Reichs- ppen verwende, die Matrikularumlage für die Flotte dahin er- Me re. Dies sey der falsche Weg, der hier eingeschlagen tbe, aus einer nationalen Frage eine internationale zu ma- h.' Fügen Sie Deutsch- Oesterreich einfach in den Bundes- M, und sehen Sie dann, wie vielStaatenbund" dadurch P den anhängenden slawischen Ländern nachfolgt. Es ist w viel von historischer Nothwendigkeit gesprochen worden, f« aber die Geschichte Oesterreichs kennt, wird nicht, wie ln Redner hier,ein Oesterreich erfinden" wollen, wenn | noch nicht da wäre! Ich will die pragmatische Sank­en nicht für ein Fideikommißinstrument ansehen, oder nur

für ein bloßes Testament das Testament der Dynastie. Ich will es vielmehr nach dem strengsten Rechte als einen Vertrag beurtheilen. Diesen Vertrag haben aber von Seiten des Volkes nur dieStände" gut geheißen, und sie sind nicht das Volk. Die darin übernommenen Verpflichtungen sind fer­ner jetzt unmöglich zu erfüllen, folglich von selbst nichtig. Da Berger bis zur Schlacht am weißen Berge zurückgreift, so wird es ihm freilich leicht, diehistorische Nothwendigkeit" Oesterreichs ziemlich herb zu charakterisiren. Die kleinen In­teressen sind es, die wieder lebendig werden nach den großen, dem Rauscbe der Revolution folgte der Katzenjammer.Dieser Katzenjammer wurde den österreichischen Abgeordneten schon gedruckt vorgelegt. Dieser Katzenjammer" Der Präsident warnt vor der Ausführung des Bildes.Ich will nicht das Bild, aber die Sache will ich ausführen. Entweder Oder." Wir gehören entweder in den deutschen Bundesstaat, oder wir gehören nicht einmal in den Staatenbund. Alles Andere wäre Achselträgerei und wir österreichische Abgeordnete könnten nicht mit Würde in Ihrer Mitte länger verweilen, wenn wir nicht mit unserm vollen Rechte hier wären.Wenn Wien der Kno­tenpunkt des mitteleuropäischen Staatenbundes wird, dann wird auf seinen Straßen das Gras nicht wachsen." (Lebhaf­ter Applaus von der Linken.)

Vogt von Gießen macht darauf aufmerksam, daß doch ja der staatsmännische Standpunkt nicht versäumt werden möge, auf den er zwar selbst keinen Anspruch mache, auf wel­chen er aber doch Hinweisen wolle in Bezug auf Posen u. f. w. In andern Versammlungen gebe das Ministerium bei großen politischen Fragen eine Meinung ab. Hier habe sich nur der Unterstaatssekrelär Hr. v. Würth vernehmen lassen und er möchte wohl wissen, ob Würth bamü die Ansicht des Ministe­riums vertreten habe. Eine dynastische und Freiheitspartei stünden sich gegenüber und Vogt bemüht sich zu zeigen , daß nur nach der Ansicht der zweiten, der dynastischen Partei, die österreichische Monarchie unter einer Personalunion nicht be­stehen könne. Dieabsolute" Herrschaft freilich werde unmög­lich dadurch, aber nicht die konstitutionelle. Dann spricht der Redner den Verdacht aus, daß der Eintritt Oesterreichs in's Reich doch vielleicht verhindert werde, um einer gewissen ver­haßten Hegemonie Erfolg zu sichern. Es würde gesagt, daß es Oesterreich schwer fallen werde, sich Deutschland unbedingt anzuschließen. Das sey freilich wahr, je nach der jetzigen Be­schaffenheit und Haltung der Zentralgewalt. Wir (Vogt und Partei) folgen nur unserm Prinzipe, in allen Stücken unserm Prinzipe. Wir gönnen jeder Nationalität ihre Freiheit, den Polen, den Ungarn, den Italienern. Die Kroaten sind weiter gegangen, als ihre Freiheit zu vertheidigen, sie suchen die Frei­heit anderer Nationalitäten zu unterdrücken. Daher unsere Verdammung gegen sie. Die Tyroler wären konstitutionell geworden, als die Konstitution da war, ungefähr wie jene Republikaner in Frankreich, als die Republik einmal bestand. So würden sie sich auch dem Anschlusse an Deutschland fügen. Schweißen Sie eine österreichische Gesammtmonarchie mit dem Bande der Gewalt zusammen und jedes Bestreben in derselben wird gültig seyn, welches auf die Trennung gerichtet ist. Der Redner kann mithin nichts dringender empfehlen, als zu Deutschland zu nehmen, was zu Deutschland gehört und die übrigen Völker ihrer freien Selbstbestimmung zu überlassen.

Obschon unter Vogt's Rede mehrmals nach dem Schlüsse verlangt und am Ende derselben von zwanzig Mitgliedern der Antrag darauf gestellt wird, so entscheidet sich, die Versamm­lung doch für Fortsetzung der Debatte, worauf Mare ck aus Gratz und Groß aus Prag die Reihe der Vorträge,für den unbedingten Anschluß Oesterreichs und damit nur die unge­duldige Zerstreutheit des Hauses vermehren bis sich bei dem Erscheinen

Heinrich von Ga gern's auf der Rednerbühne die Ab­spannung in Aufmerksamkeit verwandelt und die unruhige Be­wegung in tiefes Schweigen übergeht: Unser Volk war tief gesunken, wir suchten nach den Mitteln es zu erheben. Was waren die Haupthindernisse der Größe unseres Vaterlandes? Unter ihnen oben an stand das gemischte Verhältniß der Staaten, welches Deutsche und Slawen unter einer Regierung, zu einem StaatSleben verband. Der Verfassungsausschuß mußte daher diese