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Beiblätter

zur Nassauischen Allgemeinen Rettung

für Literatur, Kunst und gemeinnützige Interessen.

M 181.

Donnerstag den 12. Oktober

18^8.

A Cin Geheimniß.

(Fortsetzung.)

Der Marschall, in dessen Augen die Vernunft zurückge­kehrt zu seyn schien, stieß einen Schrei der Verwunderung aus, als er seine Frau neben sich erkannte...

„Stephanie hier! ... sagte er mit ironischem und wildem Lächeln, Stephanie ... die edle und tugendhafte Stephanie!... Die treue und schlaue Gattin, die ohne Zweifel kam, sich an meinen Todeszuckungen zu weiden!... Bei der Hölle! fügte er mit heiserer und wuthzitternder Stimme hinzu, dies Schau­ssiel soll ihr entgehen!... Für diesmal noch wollen wir die Rolle wechseln, denn nicht ich, nein, sie wird sterben!..."

„Mein Herr , sagte die Herzogin, vor dem Bette kniend, -man täuscht Sie, ... hören Sie mich..."

„Madame, — erwiderte der Herzog —, Worte täuschen oft, aber ich habe mehr als Worte ... ich habe Geschriebenes ... Geschriebenes, das Sie ohne Zweifel anerkennen werden... -Briefe, die Ihnen ohne Zweifel viel süße Thränen verur­sachten ... denn sie sind von der Hand Ihres Mitschuldigen!..."

Die Herzogin fühlte sich verloren.

„Seit vierzehn Tagen auf dieses Schmerzenslager gebannt, glaubte man mich jedesmal im Delirium, wenn ich mit gefal- tmen Händen bat, mir meine Uniform zu geben, deren man mich meiner Wunde halber entledigte; aber heute werde ich ^ie Kraft haben, sie mir selbst zu nehmen, denn ich habe meinen Verstand, um Sie zu überführen, und meinen Arm um Sie zu bestrafen."

Das war'ein schrecklicher unerhörter Streit zwischen den beiden Urhebern dieses düstern Drama's.

Der Herzog war von seinem Lager aufgesprungen, blutend, fast nackt, die Herzogin hinter sich herziehend, die sich gn sei­nen Arm klammerte, um ihn zu hindern, zu seinen Kleidern M gelangen; doch ungeachtet der Anstrengung Stephaniens näherte er sich in jedem Augenblicke dem Ziele, wohin seine Wuth und Rache strebten.

Er stieß endlich mit, der äußersten Wuthanstrengung die Herzogin zurück, ergriff das Kleid, zerriß es, um sich desto

schneller der furchtbaren Papiere zu bemächtigen, nahm sie, hielt sie'an's Licht und bei ihrem Anblicke einen Wuthschrei ausstoßend, rief er:

„Bei der Hölle! die Räuber haben meine Briefe gestohlen und mir die andern Papiere gelassen!"

Der Paroxysmus des Zornes war bei der Heftigkeit des Fiebers und seiner Aufregung so stark, daß er ohne Besinnung und wie vom Blitze getroffen auf den Boden niedersank.

Außer sich, wie rasend, floh die Herzogin aus der Hütte.

Kurz darauf brachte die Kälte des Bodens, auf dem der Herzog niedergefallen, ihn wieder zu sich.

Er sah sich zweifelnd und unruhig um, und fragte sich, ob das, was so eben vorgegangen, nicht ein schrecklicher Traum gewesen sey... Aber der Anblick seiner zerrissenen Uniform, die zerstreuten Papiere gaben ihm bald Gewißheit von der traurigen Wirklichkeit.

Seine gekrümmten Finger hielten noch das Stück eines in der Hast von den Banditen zerrissenen Briefes, als sie ihm seine Papiere nahmen.

Der Herzog hielt es vor seine geschwächten Augen und las die Worte:

„Platz Bauvau, Hotel Montaran." —Dort allein könnte man Aufschluß unseres undurch- d r i n g l i ch e n G e h e i m n i s s e s erlangen......

„Es ist noch nicht Alles verloren!... rief der Marschall." In diesem Augenblicke hörte man einen Wagen rasch von der Hütte sich entfernen.

XIV.

Drei Monate waren seit der Heirath von Fräulein von Montaran mit dem Prinzen Odoart Metzerski verflossen, und von dem Tage der Zeremonie an, hatte die junge Gattin nicht mehr von dem Prinzen sprechen hören, da der alte Woronzoff versicherte, er sey nach Rußland abgereist.

Blanche hatte sich leicht an ihr neues Glück gewöhnt. Der Luxus und die Eleganz harmonirten sehr gut mit ihrer ganzen Persönlichkeit.