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Es ist um so erfreulicher und lobenswerther, wenn sich Bewohner eines Ortes wie Ems, denen gerade die Zeitereig­nisse so manchen fühlbaren Nachtheil bringen, durch ein so musterhaftes Benehmen, durch Aufrechthaltung der Ordnung und durch Festhalten an den bestehenden Gesetzen auszeichnen, denn nur durch solche Mittel läßt sich die wahre Freiheit eines Volkes begründen.

Von Seiten der Emser Bürger wurden die Soldaten nicht zum Ungehorsam, nicht zur Meuterei angefeuert, sie wurden nicht verflucht, daß sie nach Baden, zum Unterdrücken vater- landsverrütherischer Rebellen ziehen, sondern sie wurden liebe­voll behandelt, mit Achtung als Männer begrüßt und behan­delt, welche berufen sind, das Vaterland gegen innere und äußere Feinde zu schützen.

Obgleich von dem Ems benachbarten Städtchen N..... ein Theil der Bürger dem auf dem Durchmärsche begriffenen Militär mit Fahnen entgegengezogen, so waren doch unter die­sem freundlichen Entgegenkommen andere nichts weniger als lobenswerthe Absichten verborgen, was freilich bei dem bösen Einflüsse, welchen ein dortiger junger Staatsdiener — ein so­genannter Arzt — auf einen Theil der Bürger ausübt, nicht zu verwundern ist. —

△ Weilburg, 29. Sept. Der hiesige demokratische Verein hat sich unlängst aufgelöst, das Treiben seiner ehemaligen Mitglieder dauert indeß nach wie vor ununterbrochen fort. Als die Nachricht von dem Frankfurter Putsche gegen die Na­tionalversammlung hier anlangte, wollten einige sofort durch Generalmarsch die Bürgerwehr versammelt wissen, um zum Zuzuge nach Frankfurt aufzufordern. Der Generalmarsch un­terblieb aber, und die Weilburger Demokraten sind unschuldig an dem Mißlingen eines Versuchs, der uns eine zweite Revo­lution und dadurch die Republik bringen sollte. Sie bezeichnen jetzt das ganze Unternehmen als ein „wahnsinniges," die Thetlnehmer als „Lumpengesindel" u. dgl. m. Nachdem Struve gefangen ist, muß auch er sich allerlei Ehrentitel gefallen lassen; hätte er gesiegt, wie würde ihn seine Partei vergöttern! Wahr­haftig, die Charakterlosigkeit ist keiner der geringsten Fehler vieler sogenannten Demokraten. ,

Als eines Hauptmittels zur Erreichung ihrer Zwecke be­dienen sie sich auch der -Entstellung, der Verdächtigung, dèr offenbaren Lüge. Haben einige Soldaten den Hecker hoch leben lassen, gleich ist von ganzen Regimentern die Rede; stimmt Jemand nicht in ihren $on ein, gleich ist er ein Reaktionär, steht im Dienste des Hofes, wird von der Negierung bezahlt rc. „Die Nass. Allgem. Ztg.," sagen sie: „ist nun ganz offenbar ein Hof-, ein Regierungsblatt mit den reaktionärsten Bestre­bungen; der Redakteur wird vom Hofe bezahlt — die Summe wird sogar genau angegeben — denn daß der Verleger nichts aufbietet, dafür kennt man ihn schon lange; auch die Mitar­beiter haben bestimmte Weisungen, was und in welchem Sinne sie schreiben sollen ic." Der ehrliche Mann mag sich persönlich leicht über derartige Anfeindungen trösten; aber tief schmerzen müssen ihn die Ausbrüche einer moralischen Versunkenheit, deren kaum zu läugnendeS Daseyn den Gedanken, ob Republik oder Monarchie, weit in den Hintergrund drängt und dafür eine Aussicht eröffnet, von der sich der Vaterlandöfreund mit Entsetzen abwendet.

Frankfurt, 2. Okt. (O.-P.-Sl.-Z.) Aus guter Quelle hören wir, daß die diplomatischen Verhältnisse zwischen Frank­furt und Paris nunmehr vollständig geregelt sind und an bei­den Orten ständige Gesandte die beiden Länder vertreten werden. — Aus Baden ist die amtliche Mittheilung eingetrof- fen, daß sich daö Kriegsgericht für die Beurtheilung Struve'S inkompetent erklärt hat. Er untersteht also dem gewöhnli­chen Gerichte.

Mannheim, 29. Sept. (O.-P.-A.-Z.) Das 27. preußische Regiment marschirte soeben nach Heidelberg; ein Bataillon Nassauer nach Weinheim und heute erwarten wir ein Ba­taillon deö 26. und eines dito des 29. Regiments. Husaren und Dragoner kommen hier durch und begeben sich auf die umliegenden Ortschaften.

Aus dem Waldeckschen wird unterm 9. Sept, gemeldet, daß man aus Pyrmont die Fürstin (Vormünderin deö Fürsten, ihres SohneS) verjagt habe. Sie ist zu ihrem Schwiegervater, dem Fürsten von Bückeburg, geflohen, weil sie es nicht wägte, nach Arolsen zurück zu kehren. Der Grund dieser Aufregung ist die Verweigerung der im März gegebenen Verheißungen, und der repulikanische Geist, der daS Ländchen ergriffen. Ein trostloser Rechtszustand, eine schlechte Verwal­tung , Armuth unter den Bauern und ein fauler Finanzzustand haben daS Land entnervt und die meist freisinnige protestan­

tische Bevölkerung niedergedrückt. Noch wartet man vergeblich auf die Berufung eines konstituirenden Landtags, trotzdem daß Waldeck schon eine freisinnige Verfassung auf dem Papier hatte. Weil man kein Geld hatte, konnte die Kammer nie zusammentreten, und machte Gesetze, indem eine Mappe bei den einzelnen Deputirten zur Eintragung ihres Votums herum­getragen wurde. Ja, nicht einmal Straßenbeleuchtung hat die Duodezresidenz Arolsen, weil man kein Geld zum Oel herbeischaffen kann, und doch müssen diese 20 Quadratmeilen 500 Soldaten ernähren. (Berl. Z.)

Aus dem Kanderthal, 26. Sept. Das war ein Schau­spiel, wie ich eS noch nie gesehen. Gestern wurde Struve nebst andern gefangenen Führern, unter welchen auch der rühmlichst bekannte Studiosus Blind, von Schopfheim her durch das Wiesenthal nach Schliengen geführt, um dort dem Militär übergeben zu werden. Der Zug nahm seinen Weg nicht über Lörrach, sondern durch Steinen über die rechts ge­legenen Orte. Aber welche Aufregung, in den Gemeinden bei seinem Erscheinen! Hier sah ich zum erstenmale, was eine wüthende Volksmasse ist. Die Erscheinungen der vorigen Tage waren nichts dagegen. Wäre nicht eine so starke bewaffnete Bedeckung zum Schutz der Gefangenen dabei gewesen, es wäre Keiner derselben nur zehn Schritte weit gekommen. Sonst ruhige und vernünftige Männer schäumten vor Wuth; sanfte schüchterne Frauen waren wie rasend; die Bedeckung hatte nur abzuwehren und mit gespannten Hahnen zu drohen, sonst wäre Struve in Stücke zerrissen worden. Er mochte die Ge­fahr fühlen , in der er schwebte; denn blaß, mit niederge­schlagenen Augen, saß er da, seine Frau tief an seine Brust gelehnt in seinen Armen. Das Volk — und es war diesmal in Wahrheit das Volk in ungeheuerer Majorität — verlangte wüthend , er müsse zu Fuß durch die Ortschaften gehen; wenn Einer von ihnen ein Verbrechen begehe, so führe man ihn ge­fesselt mit Gensd'armen fort, und Dieser, der sie Alle habe inö Unglück stürzen wollen und Hunderte habe hinschlach­ten lassen, dürfte in einer Kutsche fahren w. Natürlich konnte einem solchen Verlangen nicht entsprochen werden. Aber eS hat so kommen müssen — damit dem Volk einmal die Augen aufgingen über seine Beglücker.

Freiburg, 30. Sept., Abends 6‘/2 Uhr. In diesem Au­genblick wird Gustav Struve gefesselt und mit starker Militär­bedeckung hier eingebracht, seine Frau ebenfalls. Struve führte dieselbe am Arm. Außerdem sind noch mehrere andere Flücht­linge eingebracht worden.

Von der Schwcizergreuzc, 29. Sept. (Karlsr. Ztg.) Ge­stern Abend ist die Leopoldshöhe, die Schustcrinsel und das Dorf Weil mit badischem Fußvolk und Reiterei besetzt worden, was dem Freischaarenunwesen, das gestern und vorgestern noch von Großhüningen aus getrieben wurde, ein schnelles Ende machen wird. Die Angaben über diese Freischärler stellen sich übrigens als sehr übertrieben heraus ; aus zuverlässiger Quelle erfahre ich, daß gestern Morgen um 1 Uhr nur etwa 15 be­waffnete Freischärler (unter denen sich Becker auS Biel befand) bei Großhüningen über den Rhein gingen und die Schustcrinsel besetzten. Unter großem Gelärm bewegte sich diese Hand voll Leute gegen die Leopoldshöhe hin, wagte jedoch nicht, dieselbe anzugreifen, als von dort auS Schüsse gegen die Freischärler sielen. Mit Tagesanbruch zogen Gardisten und bewaffnete Männer der Umgegend von der Leopoldshöhe gegen die Schusterinsel, was die Freischärler zum Rückzüge nach dem französischen Ufer des Rheins bewog.

Stuttgart, 28. Septbr. (D. A. Z.) Der „bewaffnete Volkötag," den Hr. Rau und Genossen auf heute nach Kann- statt ausgeschrieben, ist vorüber, und noch steht die konstitutio­nelle Monarchie. Ein bewaffneter Volkstag war es freilich, denn die mit Menschen bedeckte Volkfestwiese war umgeben von einer solchen Militärmacht, daß eS die peinlichsten Ge­fühle erregen mußte. Artillerie mit brennenden Lunten und Infanterie mit der „Kugel im Gewehre" auf den Höhen, welche den Platz beherrschen, Kavallerieregimenter auf der Ebene, welch' eine Einrahmung für ein „Volksfest!" Welcher unselige Geist hat dieses sonst so brave und nüchterne Volk er­griffen, um eine Regierung, an deren Spitze ein Mann wie Römer steht, zu nöthigen, sich auf solche Weise gegen einen Ausdruck zu schützen?

Es sind einige untergeordnete Leute, Geschäftsführer der republikanischen Partei mit dem Proletariate verhaftet worden. Rau und Alexander Simon sind auf flüchtigem Fuße. Erste­rer sey wieder so gut avertirt gewesen, daß er das Eilwagen- billet, welches er bereits in Tübingen genommen, unbenützt ließ, und mit Ertrapost-Pferden sich eine Stunde früher auS