Ziel; sondern der Sturz und die Vernichtung der Nationalversammlung durch Gewalt, an deren Stelle sich die Linke als Konvent mit allem, was daran hängt, setzen wollte, selbst die Republik konnte dann nicht mehr befriedigen.
Es war die Anarchie, Kommunismus und die soziale Revolution, die wir «ls Zugabe würden erhalten haben, und wenn dies von Dielen nicht erstrebt wurde, so war dies doch I die nothwendige Folge, allein man ist auf jener Seite zu unfähig und tölpelhaft, man versteht sich zu wenig auf Revolutionen, sie kennen den mystischen Zusammenhang zwischen Wort und That ebensowenig, als die Tragweite politischer Prin- zipien. — .
Die Pariser Szenen der Junitage hatten |i$ wiederholt nur mit dem Unterschiede, während sie dort in Paris konzen- trirt und rasch zur blutigen Entscheidung kamen, würden sie bei uns chronisch geworden, über ganz Deutschland sich verbreitet haben und in Diktatur und militärischen Despotismus ausgelaufen seyn.
Für die äußerste Linke schien jetzt der längst ersehnte Zeitpunkt ihrer Herrschaft gekommen, dec Mantel wurde zurückgeschlagen und sie erschien vor ganz Deutschland ,in der widerlichen Blöße der Schwäche, des Despotismus, der Unsittlichkeit der Lüge in Verbindung mit dem Verbrechen. Diese Blosstellung zeigte sich den 16., den 17. Sept, auf der Pfingstwiese und am 18. Sept., am Tage der Empörung, wo das Echo der äußersten Linken auf der Straße verwirklicht wurde und der parlamentarische Kampf der Paulskirche in einen Kampf der Barrikade umgeschaffen wurde, um diejenigen, die man nicht mit der Schärfe der Rede besiegen konnte, mit der Schneide der Sense und mit der Spitze des Dolches auf immerdar zum Schweigen zu bringen.
Die Reden in der Paulskirche forderten zum physischen Kampfe heraus. Schoder schloß seine Rede mit der Drohung, entweder Verwerfung des Waffenstillstandes oder — eine noch blutigere Revolution. Vogt wirkte durch frivole Witze als Spaßmacher auf die Gallerien; er sagte geradezu: „Ich appel- lire an die Leidenschaft; nur sie erzeugt Großes!" und verwies auf den Konvent und was daran hängt — Guillotine und Wohlfahrtsausschuß. Simon und Blum sprachen in demselben Ton und Geiste; letzterer sagte in dem deutschen Hofe vor dem Volke: es bleibe bei dieser Niederlage der Linken nichts mehr übrig, „als an das Volk zu appelliren; es müsse selbst richten, die Märztage wiederholen." Simon meinte: „das Volk müsse einen politischen Akt ausführen; mit Worten sey. nichts mehr zu gewinnen; das Volk sey von seinen Vertretern verrathen." Auf der Pfingstwiese hörte man viel heftigere Reden bei Anwesenheit und unter der Theilnahnre von fünf Mitgliedern des Parlaments: Zitz der Franzose, Schlöffel, Simon von Trier, Wesendonck und Hendges. Zitz sagte: „es sey jetzt Zeit, mit Fraktur zu sprechen, die Nationalversammlung durch eine Sturmpetition zu sprengen." Andere sagten: „man solle den Verräthern vor die Häuser und dann vor die Leiber rücken; man soll Barrikaden aus Leibern bauen.. ." „Das Volk muß sein Recht fordern, aber anders, als durch Adressen; man muß der verrätherischen Mehrheit das Mandat kündigen, Männer aus dem Volke müßten gewählt werden . . .' das Volk muß handeln, denn ein schneller Tod ist besser, als ein langsames Hinsterben, wenn auch die Wände der Paulskirche mit Blut geröthet werden sollten..." In Folge dieser von fünf Vereinen gehaltenen Versammlung wurde folgende Petition an das Parlament beschlossen: „Die Majorität als Landesverrâther zu erklären, sie zum Abtreten zu zwingen, neue Wahlen auszuschreiben und die äußerste Linke solle sich permanent erklären." (Forts, f.)
Deutschland.
* Wiesbaden, 29. Sept. (Ständeversammlung.) Der Vorsitzende zeigt an, daß die Sitzungsprotokolle vom 5., dann vom 26. und 27. d. M. im Berathungszimmer zur Einsicht offen liegen.
Dadurch, daß im Laufe des Monats September ein zeitlich herangebildeter Stenograph, Herr Port von hier, dieses Geschäft übernommen hat, ist die schnellere Auffassung, somit auch die schnellere vollständige Veröffentlichung der Verhandlungen möglich geworden. Bisher mußte man nämlich mit der unsicheren Aushulfe eines Stenographen der Nationalversammlung sich begnügen, welcher dies Geschäft von Frankfurt aus verrichtete, dafür aber auch die gefertigten Protokolle erst 14 Tage — oft 3 Wochen später ablieferte; waS bei mehreren aus der ersten Hälfte deö gegenwärtigen Monats wirklich noch der Fall ist. '
Reg,-Komm. Giese trägt einen Ministerialerlaß vor, die Erbauung einer Chaussee von Herschbach nach Vallendar an den Rhein betreffend. Es wird die Zustimmung der Stände nachgesucht zu einem desfalls mit der preußischen Behörde abzuschließenden Vertrag. Weuckenbach I. fragt an, weßhalb im Amt Marienberg gar kein Medizinalakzessist angestellt sey, im Amte Braubach dagegen zwei. Der Reg.-Komm. verspricht Auskunft in der nächsten Sitzung.
Die Diskussion über die Aufhebung des Landesgestütes wird fortgesetzt. Die Mehrheit des Ausschusses modifizirt ihren Antrag (s. die vorige Sitzung) dahin, daß die vorhandenen Hengste im Lande versteigert und bei einer Prämie von je 100 fl. und einem festen Ansätze von höchstens 4 fl. für das Sprunggeld unter öffentliche Kontrolle gestellt werden sollen. Der Antrag des Abg. Wenckenbach I. (s. den vor. Bericht) wird mit 18 gegen 17 Stimmen angenommen.
Die Tagesordnung führt zum Beriche des Ausschusses über einen Theil des ^Chaussecbaues von St. Goarshausen nach Nastätten. Die Stadt St. Goarshausen hat bei dem Zuge der neuen Chaussee einen Schaden erlitten, zu dessen Ausgleichung 975 fl. angefordert und verwilligt werden.
Die Tagesordnung führt zur fortgesetzten Berathung des Bürgerrechts-Gesetzes. (Schluß folgt.)
$ Vom Westerwalde. Künftigen Sonntag soll in der Nähe von Driedorf (auf dem Knothen) eine Volksversammlung abgehalten werden, wobei sich drei bekannte Herren aus Weilburg, so wie ein Zimmermann aus Mährenberg geltend zu machen gedenken. Im Voraus, heißt es, soll dort das Volk aufgefordert werden, keine Steuern mehr zu bezahlen und sich keine Einquartierung von Truppen gefallen zu lassen.
Die Herren aus Weilburg und ihre Genossen mögen zusehen, daß es ihnen nicht ergehe, wie auf ihrem Zuge nach Frankfurt, um den Insurgenten mit 600—700 Kugeln, die in aller Eile gegossen waren, beizustehen. Als aber die Usinger Turner, auf dem Rückzüge begriffen, sie versicherten, daß Nichts mehr zu machen sey, sind siè ganz „stillchens" gen Weilburg wieder zurückgezogen. Wir dächten, die genannten Herren würden besser pro domo sorgen und zu Hause bleiben, da man in ihnen nicht die Männer kennt, die zu solchen Rollen geboren sind. Ohnehin haben ihre Kameraden in Frankfurt sich so blamirt, daß ihre ganze Geschichte keinen Respekt mehr einflößt, und ihre badischen Brüder bei ihren Raubzügen den Beweis gegeben, daß es ihnen nur um die Gleichheit des schlechten Beutels, woran fast Alle stolpern, zu thun ist.
Frankfurt, 26. Sept. Man spricht in den Kreisen der Abgeordneten, welche dem Reichsministerium nahe stehen, von einem Schreiben des in außerordentlicher Sendung in Paris anwesenden Hrn. v. Raumer, worin der Inhalt einer Unterredung desselben mit Hrn. Bastide mitgetheilt wird. Hr. Bastide habe bemerkt, daß die französische Regierung sehr gern in engere Beziehung mit der deutschen Zentralgewalt treten werde, sobald dieselbe mit der gehörigen Kraft die Feinde jeder gesellschaftlichen Ordnung, die man in Paris niedergeworfen habe, besiegt haben werde. Mit Befriedigung habe die französische Regierung die Nachricht ausgenommen, daß den Herren Dahlmann und Herrmann die Bildung eines Reichsministeriums in ihrem Sinne nicht gelungen sey; doch könne man nicht wissen, ob nicht dennoch ein Kabinet zu Stande komme, welches einen an übertriebener Nationalitätsschwärmerei kränkelnden Abgeordneten der Linken nach Paris sende, woraus sich die Schwierigkeiten jeder Verhandlung von selbst ergeben würden. Auf die Mittheilung, daß der Aufstand in Frankfurt besiegt und der definitive Wiedereintritt des früheren Ministeriums in naher Aussicht sey, habe Herr Bastide zwar die zuversichtliche Hoffnung ausgesprochen, daß die Zentralgewalt eine Kraft entfalten werde, welche Vertrauen erwecke; allein, noch sey weder gegen die Abgeordneten noch gegen die Klubs, noch gegen die Leiter der Volksversammlungen eingeschritten worden, welche die Mehrheit der Nationalversammlung für Verrâther erklärt, zu Aufruhr und Mord aufgefordert hätten. Diese Schritte schienen zur Befestigung der wahren Freiheit, der Ordnung und der Regierung in Deutschland ebenso unerläßlich, als sie es in Paris gewesen. Die Nationalversammlung aber scheine die Bedürfnisse des Augenblicks gänzlich zu verkennen, sonst würde sie sich, statt mit weitläufigen Verhandlungen über die Grundrechte, mit Berathung der schleunigst zu treffenden Maßregeln beschäftigen.
. Frankfurt, 28. Sept. Der Belagerungsstand ist durchsaus kein drückender für die Bewohner Frankfurts. Derselbe
