Beiblätter
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für Literatur, Kunst und "gemeinnützige Interessen.
M 170» Freitag den 28. September 1848<
△ Ein Geheimnist.
(Fortsetzung.)
„Meine Herren," sagte der General Jeanin, einer der tapfersten unter den Tapfern, „ich bringe die Gesundheit unseres berühmten Marschalls aus."
„Lieber die des Kaisers," antwortete der Herzog, „des Kaisers unsers Herrn, unsers Vaters, unsers Gottes! dessen Namen niemals erlöschen wirb, denn er wird in unauslöschlichen Buchstaben auf allen Schlachtfeldern Europa's eingegra- ben werden."
Alle brachten mit entblößtem Haupte diese so theure Gesundheit aus, weniger mit den Lippen, als mit dem Herzen.
Der Herr Marschall, sagte dann einer seiner Lieblings- Adjutanten, den wir Alle kennen, Alle lieben, der vielleicht diese Erzählung in dem alten Schlosse seiner Vorfahren lesen -"wird, aus dem Napoleon zur Belohnung für seine Verdienste eim Baronie machte; der später einer der berühmtesten Generäle ward, „der Herr Marschall wird mir erlauben, ebenfalls- eine Gesundheit aus die schönste, die liebenswürdigste Frau auszubringen, auf die Frau Herzogin d'A..."
Der Marschall runzelte die Stirn, nahm sein Glas, grüßte seinen Generalstab, trank wie Jedermann auf die Gesundheit seiner Frau und antwortete nicht.
Die Punschbowlen folgten und leerten sich schnell, eine Art fröhlicher Trunkenheit bemächtigte sich bereits aller Köpfe.
Im Genusse jener Lagerfreiheit, welche der Marschall bei seinen Offizieren eingeführt, in den Augenblicken, wo die Disziplin schweigen konnte, äußerten sich diese Herren sehr laut, das Punschglas in der Hand, und nachdem sie auf die Gesundheit ihrer Freunde getrunken, würden sie vielleicht damit geendet haben, auch die ibrer Feinde auszubringen, wenn nicht ein Zwischenfall diese Szene unterbrochen hätte.
Ein von Paris anlangender Kurier trat in das Zelt und übergab dem diensthabenden Offizier eine Depesche für den Marschall.
Der Herzog erblaßte, als er sie empfing, doch beweisterte
er diese Bewegung, die sie ihm verursachte, und verabschiedete seine Gäste, indem er ihnen anempfahl, sich am nächsten Morgen zum Kampfe bereit zu halten.
Die Vorhänge des Zeltes waren kaum hinter dem letzten Offizier geschlossen, als der Marschall eilig die Depesche erbrach, und mit einer solchen Begierde die Augen darauf heftete, daß es schien, als wolle er ihren Inhalt mit einem einzigen Blicke erfassen!
„Es ist von ihm," sagte er, „es ist von Pierre, dem Wächter in den Gärten des Palastes der Königin Hortense, der feilen Seele, die von mir erkauft wurde, um dasjenige', was mich am meisten angeht, zu überwachen, die Ehre der Herzogin und die meinige! . . . Dann rief er aus, mit der Röthe der Schaam auf der Stirn: „Verdammte Eifersucht!... Verhaßte Leidenschaft, die mich dahin bringt, mich selbst zu verachten!.. Warum habe ich nicht die Kraft, dich zu überwinden, warum habe ich dich nicht aus meinem Herzen verbannt, das erste Mal, als du dich darin einschlichest? . . . Ach," fuhr er verzweifelnd fort, „weil sie mich nicht liebt! . . . weil sie mich niemals geliebt hat! weil ich ihr verhaßt bin! weil, schön wie sie ist, ein Anderer sie lieben, ihr gefallen kann!... und dann müßte ich sie tödten und selbst sterben!"
Er las wie folgt:
„Herr Marschall!
„Mit Schmerz sehe ich mich genöthigt, Ihnen mitzu- „theilen, daß Ungewöhnliches bei der Frau Herzogin vor- „geht."
„Ich habe mehrmals bei meiner Runde des Morgens „gesehen, daß Männertritte während der Nacht 'auf dem „Sande der Allee, welche zur Laune führt, eingedrückt wa- „ren; es ist der Pavillon, den die Frau Herzogin bewohnt.
„Schon vor einigen Monaten, den Tag darauf, als „der Herr Marschall die Herzogin besuchte, habe ich mit „Verwunderung blutige Spuren vom Pavillon bis zur „Thüre des Hotels bemerkt; aber Fräulein Rosa, die Kam- „merfrau, theilte mir mit, daß der Herr Marschall sich nicht „unbedeutend verwundet hätte, indem er auf seiner Hand
