tem vom General v. Wrangel erlassenen Armeebefehl überall einverstanden seyn werde? Diese Interpellation wird ebenfalls auf die morgende Tagesordnung besetzt.
Berlin, 21. Sept. (D. A. Z.) Die ganze Stadt ist heute durch die Frankfurter Nachrichten in Bewegung gerathen. Genauere Einzelheiten, namentlich was den Tod Lichnowsky's nnd Auerswald's betrifft, vernahm man hier zuerst durch einige persönliche Mittheilungen, welche aus dem Munde des gestern Abend hier angelangten Grafen v. Schwerin sich in der heutigen Nationalversammlung verbreiteten. Die dortigen Ereignisse wirken hier um so schreckenerregender, da die Verwickelungen, in deren Mitte wir uns selbst befinden, ebenfalls jeden Augenblick einen gewaltsamen Zusammenstoß in Aussicht stellen. Man ist auch bei uns auf allen Seiten auf das Aeußerste gefaßt, und der heutige Tag wird in den Feldlagern aller Parteien als der letzte Rüsttag angesehen. Die morgende Sitzung der Nationalversammlung wird die Entscheid dung bringen, ob für unsere durch das vorige Ministerium gänzlich verfahrenen Zustände eine weitere organische Entwickelung möglich geblieben. Das Ministerium Pfuel wird jedenfalls, dies kann ich aus sicheren Mittheilungen melden, zuerst den Weg der Vermittelung mit der Nationalversammlung einschlagen, obwohl es den Anschein eines sogenannten starken Ministeriums gewinnt. Es läßt sich zunächst behaupten, daß der Geist, in welchem der Armeebefehl des Generals von Wrangel erlassen ist, mit dem Programm des neuen Staatsministeriums durchaus in keiner Verbindung steht, und daß in beiden Sphären noch gänzlich verschiedene und von einander unabhängige Stellungen eingenommen werden. Dies gilt von den politischen Prinzipien, auf welche das neue Ministerium, so viel man bis jetzt davon gehört, sich basiren will. Wie weit es aber mit der sogenannten militärischen Diktatur Wrangel's sich einverstehen kann, hängt natürlich von den thatsächlichen Umständen ab, in welche uns schon der Verlauf des morgenden Tages, nach Ergebniß des ersten Auftretens des Ministeriums in der Nationalversammlung, hineinführen kann. Hr. v. Pfuel stellte auch an Hrn. Varnhagen von Ense den Antrag, in seinem Ministerium ein Portefeuille zu übernehmen, was derselbe jedoch abgelehnt hat. — Die Kabinets- ordre, durch welche Wrangel seine neue vielbesprochene Stellung empfangen, ist übrigens durch einen Minister kontrasignirt gewesen, und zwar durch den abgetretenen Kriegsminister von Schreckenstein. "
Frankreich.
Paris, 21. Sept. Obgleich die Zusammenschaarungen auf den Boulevards und öffentlichen Plätzen gestern Abend weniger dicht und weniger heftig waren, so ist die Stimmung doch noch 'ehr gereizt und der Kriegsminister hat aus Toulouse und einigen andern Plätzen durch den Telegraphen neue Truppen hierher gerufen. Man traut der Bürgerwehr nicht recht!
In diesem Augenblick (11 Uhr) wird die allgemeine Stimmzettelzählung im Stadthause vollendet. Die offizielle Proklamation der drei Deputirten lockt eine unübersehbare Volksmenge auf den Platz vor dem Stadthause.
Eine telegraphische Depesche meldet der Regierung das Ende der „Insurrektion" in Frankfurt. Dieselbe sey, heißt es in dem diesfälligen Bericht, von den Freunden der Ordnung und wahren Freiheit glücklich besiegt worden.
(Ueber die Ereignisse selbst sehen sich die hiesigen Journale abermals auf die Berichte der belgischen Blätter, namentlich der Jndependance, angewiesen, welche den Tod Lichnowsky's und Auerswald's und eine Menge anderer Details diesen Morgen um 7 Uhr bereits gedruckt hierher brachten, die auf brieflichem Wege erst um 10 Uhr in vertrauteren Kreisen bekannt wurden.)
Die Weinlese fällt in allen Gegenden auf das Schrecklichste aus. Wir wollen damit sagen, der Ertrag ist so reichlich, daß unsere mittäglichen Weinbauern durch die Spottpreise alle rui- nirt werden.
Hier heißt es wörtlich: Gottes Segen — eine Strafe!
Morgen (22.) werden die Gärten eines neuen im schweizerischen Geschmack errichteten Etablissements der elysäischen Felder, das man, Chalet nennt, etwa 400 Gäste und vielleicht ebensoviele Tausend Zuschauer herbeiziehen. Es findet dort nämlich morgen das Bankett des Berges der Nationalversammlung zum Andenken an die Gründung der Republik im Jahre 1792 statt. Der Eintrittspreis ist auf zehn Franken festgesetzt, wovon die Hälfte in eine Unterflützungskasse für die Juniopfer fließt.
Die beiden Bankettführer sind Gamain Sarrut und 8a# brousse.
Das Pariser Volk brennt voll Neugierde, seinen Erwählten Ludwig Bonaparte zu sehen. Es wird ihm bei seiner Ankunft in Masse entgegenströmcn, nicht um ihn als demokratischen Kaiser zu begrüßen, sondern um den Nationalvertretern zu zeigen, daß man in der Republik nicht ebenso mit den Volksvoten tändeln dürfe, als es die Nationalversammlung bereits 2 Mal mit der Erwählung des Prinzen gethan hat. Sie habe einen Märtyrer aus ihm gemacht und die Republik wolle keine Märtyrer.
Nachschrift. 4 Uhr Nachmittags. Man fürchtet für diesen Abend ernste Auftritte. Das Volk, sagt man, wolle die Gefangenen in Vincennes befreien. Es durchzieht die Straßen, indem es „Raspail!" auf den Lampionstakt singt..
□ Paris, 22. Sept. Die große Tagesfrage ist: welches Ministerium wird Cavaignac zu Stande bringen? Wird er abdanken, wird er sich den Rothen in die Arme werfen, wird er sich an Ledru- Rollin schließen oder was wird er sonst machen?
Heute Abend 6 Uhr das große Banket im Chalet. Audry de Puyraveau (wahrscheinlicher Germain Sarrut) wird präsi- diren. Es ist kein Platz mehr zu haben am Tische. Es ist nur für 600 Gedecke gesorgt worden.
Unsere Bannmeile hat sich fest vorgenommen, 40,000 M. hoch in Bürgerwehruniform uns einen Besuch abzustatten und denselben eine Demonstration zu Gunsten ihres Schooßkindes Louis Napoleon zu nennen. Dieser wolle (natürlich nach Entscheid der Nationalversammlung) friedliebend einrücken mit einer Fahne, auf der geschrieben stehe: Es lebe die demokratische und sozialistische Republik! — Das Kaiserthum kommt später!!
Der Appellhof hat entschieden: daß kein Grund vorliege, die gegen die Minister deS konstitutionellen Exkönigs Louis ^ Philipps dekretirte Kriminaluntersuchung fortzuführen. Sie wird deßhalb niedergeschlagen.
Der Pabst hat die Ernennung Sibour's zum Erzbischof von Paris in üblicher Weise bestätigt.
Bekttuntmerchungen
394] Bei G W. Niemeyer in Hamburg ist in 8ter Auflage erschienen: Der bewährte Arzt für Unterleibskranke.
Kicker Nath und sichere Hülfe für Alle, welche an Magenschwäche, schlechter Verdauung, und den daraus entspringenden Uebeln, als Magendrücken, Magenkrampf, Verschleimung, Magensâure, Uebelkeiten, Erbrechen, Aufstoßen, Sodbrennen, Appetitlosigkeit, hartem und aufgetriebenem Leibe, Blähungen, Herzklopfen, kurzem Athem, Seitenstechen, Ruckenschmerzen, Beklemmung, Schlaflosigkeit, Kopfwehe, Blut-Andrang nach dem Kopfe, Schwindel, vielen Arten von Augenkrankheiten, periodischen Krämpfen, Hypochondrie, Hämorrhoiden n. f. w. leiden. Nach bewährten Ansichten und praktischen Erfahrungen von Dr. C. Fränkel. — geh. 7'/, Ngr.
Möchten doch alle an Unterleibskrankheit Leidende dieses Buch zu Rathe ziehen, um sich durch dasselbe in möglichst kurzer Zeit von ihrer oft so gefährlich auslaufenden Krankheit zu befreien. Vorrâthig in der
Buchhandlung von C. W. Kreidet in Wiesbaden.
380] Mit Bezug auf die in dem Niederländischen StaatScourant Nr. 208 vom 2. d. M. gemachte gerichtliche Bekanntmachung werden die unbekannten Gläubiger der unter der Rechtswohlthat des Inventars angetretenen 'Nach- lassenschaft des Herrn Anton Heinrich Gysbert i- Hodenpyl zu Utrecht ansässig gewesen, jedoch am 25. September 1847 zu Bingen a. R. gestorben, sowie auch die Legatoren der vorgedachten Nachlaffenschaft aufgefordert, auf
Donnerstag, den 2. November 1848, Vormittag 10 Uhr, vor dem Notar Herrn G. H. Steffens zu Utrecht im Königreiche her Niederlande zu erscheinen, zur Anhörung der Rechnungs-Ablage und Verantwortung der obenerwähnten Nachlassenschaft, welche mittlerweile bei besagten, Herrn Notar zur Einsicht offen liegt.
Frankfurt a. M., den 16. September 1848.
In Auftrag:
A. Schönling.
3961 Anerkennung.
liecht muß Er haben, der Mann von der Dill,
Alleë geht durch in der Kammer, was Er nicht will,
Hat Er auch mit dem Theater kein Glück, Träumt Er doch immer von Katzen-Musik!
Hachenburg, den 22. September 1848.
395] Eine Partie noch brauchbare Fenster sind zu verkaufen bei R. Kieme, Taunusstraße Nro. 1. ' ' ,
«i Wiesbaden. "
Durch Uebernahme des Bavhauses zui» Pariser Hof dahier, bin ich in den Stand gesetzt, billige Wohnungen mit oder ohne Möbel, für die Winterzeit, abzugeben. ^rinrrcy Beyerle, zum goldnen Kreuz. ,
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl, — Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Vuchhandlung in Wiesbaden.
