Stuttgart, 30. August. Der „D. tonst. Z." wird geschrieben- DaS erledigte Ministerium der Kirchen- und Schul- anqeleqcnheiten ist unserm Uh land angetragen, von diesem aber entschieden abgeschlagen worden. (Dieser Posten muß sehr schwierige Seiten haben — wir haben ichon von einer vorhergehenden Weigerung eines für ein solches Amt ausnehmend , geeigneten Mannes gehört.)
'In München ist in vorjüngster Nacht (1. Septbr.) das GießhauS ein Raub der Flammen geworden. Man hatte noch spät am Abend gegossen.
In Minden, sind zwei Cholerasalle konsiatirt, der eine bei einem Soldaten, der kürzlich aus den östlichen Provinzen herüber gekommen war. Die sogenannte europäische Cholera tritt auch auf dem Lande in vielen Dörfern auf.
Berlin, 2. Sept. Unser Handelsministerium hat mit dem Meichsministerium schon seit längerer Zeit über den Zutritt Oesterreichs zum Zollverein unterhandelt, die Verhandlungen nahen sich ihrem Ende, ohne das gewünschte Resultat geliefert zu haben. (Wir sollten glauben, daß nicht Berlin, sondern Frankfurt der Ort sey, wo die deutsche Zoll- und Handelseinheit zu Stande zu kommen hat.)
Stettin, 30. Aug. (D. A. Z.) Der Schaden, welchen her dänische Krieg und die Blokade der Over dem hiesigen Handel zugesügt, ist bedeutend. Der Werth der weggenommenen stettiner Sckiffe und Ladung wird auf 8 Mill. Thlr. berechnet. Leider ist derselbe neulich noch vergrößert worben, indem die Dänen noch vier stettiner Schiffe aufgebracht haben, welche in englischen Häfen bereits in Sicherheit gebracht, diese auf die vor einiger Zeit öffentlich als authentisch angekündigte Nachricht des abgeschlossenen Waffenstillstandes wieder verließen und nach Preußen absegellen. Da aber unterdeß die Herren Diplomaten sich anders besonnen und den Waffenstillstand nicht ratifizirt hatten, in England auch nicht alsbald diese veränderte Lage der Sachen durch unsere Regierung oder Konsuln den Schiffen bekannt gemacht worden war; so fuhren diese letzten: ihrem Unglück entgegen und wurden von den Dänen weggekapert, die sich bei Dieter Gelegenheit gewiß über die Deutschen wieder lustig gemacht haben. Hoffentlich wird Deutschland endlich diesem unwürdigen Spiele bald ein Ende machen und unserm General Wrangel dazu die nöthige Vollmacht ertheilen, nachdem cs ihm die Mittel dazu in einer hinreichenden Heeresmacht gegeben. Denn was Wrangel betrifft, so beseelt ihn des alten Blücher Geist, welcher 1813 auch erklärte : Die diplomatischen Posten und das Notenschreiben muß ein Ende haben. Ich werde den Takt schlagen ohne Noten. Gewiß, wenn Wrangel mit seinen 50 — 60,000 Deutschen den Takt in Jütland schlagen und bei günstiger Gelegenheit über die schmalen Belte setzen wird , dann werden die englischen, schwedischen und russischen Noten bald vom Pulte fliegen.
Wien, 31. Aug. Nach vierwöchentlichen Verhandlungen über die Unterthänigkeitsverhältnisse und nachdem der ursprüngliche Antrag des Abg. Kud lich zur Aufhebung derselben durch eine Unzahl von Abänderungsvorschlägen zu einem parlamentarischen Ungeheuer angewachsen war und die Minister am Schluß der Debatte erklärt hatten, von der Entscheidung der Kammer in der Entschävigungsfrage den Bestand des Kabinets abhängig zu machen, würbe endlich heute zur definitiven Abstimmung über dieses Lebensprinzip unserer staatlichen Entwicklung geschritten. Das Ergebniß melde ich Ihnen im kurzen, ha die Post im Abgehen ist. Für die alsbaldige Aufhebung -aller Unterthânigkeits - und schutzobrigkeitlichen Verhältnisse, wie aller daraus Bezug habenden Lasten, Giebigkeiten, Abgaben mnd Leistungen ohne Ausnahme stimmte die ganze Versammlung einhellig, welches Resultat mit begeistertem Jubelruf aufgenommen wurde. Als nun der Punkt über die zu leistende Entschädigung zur Abstimmung kommen sollte, protestirte ein großer Theil der Versammlung (ein Theil der Linken und des linken Zentrums und alle bäuerlichen Mitglieder) gegen jedes weitere Verfahren und wollte diesen Punkt einer Kommission überweisen. Nach einer langen, aufregenden rind leidenschaftlichen Szene wurde endlich über diesen Punkt namentlich abgestimmt, und es ergaben sich für eine billige Entschädigung 174 Stimmen, gegen 144 Stimmen; 36 Mitglieder hatten sich des Stimmens, enthalten. (A. Z.)
Belgien
Brüssel, 31. Aug. Der Urtelsspruch in der Hochverrath s sa ch e, die feit dem 9. Aug. den Antwerpener Assisen- Hof beschäftigt, ist endlich gefallen.^ Es sind 17 zum Tode ver- nrtheilt. Ich gestehe, ich hätte dieses Resultat nicht erwartet, wenngleich der unglückselige Gedanke, unsere Zustände mit
Berannvortlicher Redakteur: W. H. Riehl. — Druck und Verlag
Feuer und Schwert umzuschaffen, Blut gekostet hat, und dieser Blut Rache fodert. Wie die königliche Gnade dieses Todes-' urtel modifiziren werde, darauf ist nun Jedermann gespannt. — Der kurze Aufenthalt Louis Blanc's in Gent wird von den Tagesblättern bis in's Einzelne beschrieben. Jedenfalls kann sich der Flüchtling über den ihm zu Theil gewordenen Empfanz nur schmeicheln. Eine sonderbare, übrigens erklärliche Polemik wird darüber geführt, wie viel Geld der berühmte kleine Mann : bei sich geführt. So wenig cs gastfreundlich ist, die Taschen' des Gastes zu prüfen, mag doch zur Ehre deS Mannes bemerkt werden, daß er keine 3000 Fr. mit auf die Flucht ge- nommen habe. Auch Caussibiare hat sich über Belgien nachk England begeben.
F r a n k r e i dj.
□ Paris, 3. Sept. Heute Sonntag weder Börse nc^ Nationalversammlung. Dagegen haben wir eine große Parade auf dem Mars selbe, zu der halb Paris strömt.
Die Truppen, über welche General Cavaignac Revm abhält, bestehen in einem Bataillon zur Legion der Bürgerwehr von Paris nebst seiner Bannmeile; in der Mobilgarde zu Fuß und zu Pferde, der republikanischen Garde, der Linien- ; und leichten Infanterie, der Artillerie und Kavallerie rc.
General und Kriegsminister de la Moriciere wird Den ■ Diktator um 11*4 Uhr in der Rue de Varennes abholen und : nebst einem glänzenden Generalstabe auf das Marsfeld begleiten. Das Wetter ist vortrefflich.
An einigen Straßenecken fanden gestern Zusammenrottungen statt. Der Präsekt zeigte der Bevölkerung in einem Plakate die Wiedereinführung der alten Fleischsteuer an. Dieser Rückschritt erbitterte das Volk und es kam zu ernsten; Auftritten.
Die Ernennung des Bischofs Sibour zum Erzbischof! von Paris stößt unter der hiesigen Geistlichkeit auf heftigen' Widerspruch. Das gesammte Kapitel mit Ausnahme zweier Aebte Coeur und Eglee, haben gegen dieselbe protestirt.
Die Nationalversammlung faßte gestern ohne große Förmlichkeit zwei wichtige Beschlüsse. 1) Den Belagerungszustand selbst während der Verfassungsbiskussion beizubehalten. 2) Nächsten Montag zu berathen, ob sich die Nationalversammlung nicht früher auflösen dürfe, als sie die in einem Spezialvekrer genau anzugebenden organischen Gesetze votirt habe?, Da kann sie noch zwei Jahre sitzen! Die Zahl der organischen Gesetze ist Legion. Die Anwendung eines jeden votirten Prinzips ist ein organisches Gesetz, z. B. die Presse, Bürgerwehr, Attributionen der Behörden und tausend andere Einrichtungen.
Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß der Antrag mit bedeutendem Mehr durchgeht.
Diese Nacht werden abermals 600 Juniräuber nach Havre spedirt.
Aus dem Fort Aubervilles sind 7 Insurgenten mit Hülfe des Wächters entwichen. Im Ganzen bleiben uns etwa noch 2000 Räuber auf dem Halse.
Die Antwort Dobblhoss und Wessenbergs ist eingetroffen.
Der National hat sie bereits gestern kommentirt. Er dringt auf eine kategorische Erklärung und will diesen Antrag durch eine Demonstration begleitet wissen.
Die übrigen Journale kommentiren sie heute. DenDebatS zufolge bestehe das größte Unglück für Italien in Italien selbst. Die Eifersucht sey dort so groß, daß sich nicht nur Staat und Staat, sondern Stadt und Stadt, ja sogar Gemeinde und Gemeinde in den Haaren lägen. Der Mangel an Gemeingeist fei' der Tod für Italien.
Einem Kürassierregiment und zwei Linienregimentern, die bisher in und bei Saargmünden standen, sowie einigen Artilleriebatterien, die bisher in Dijon garnisonirten, ist der Befehl zugegangen, sofort nach den Alpen aufzubrechen.
Spanien.
* Madrid, 29. Aug. Vorige Nacht abermals neue politische Verhaftungen. Das Gerücht geht, die Cortes würden aufgelöst und neue Wahlen ausgeschrieben werden. Doch das sind nur Gerüchte.
350] Auf Freitag den 8. September, Abends 7V2 Uhr, laden zu einer Versammlung in der schönen Aussicht am Dotz-> Heimer Weg zur Besprechung über
NafsauisiHe Gewerbegesetzgebung ein einige Mitglieder der betreffenden
Kommission.
der 8. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.
