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in Amsterdam auf dessen Schreibstube waren, versprachen wir unS oft beim Glase Wein: wenn wir beide verheirathet wären, und der Eine hätte einen Sohn, der Andere eine Tochter, so sollten sie sich verheirathen. Was wir einander im Scherze versprochen haben, geht jetzt im Ernste in Erfüllung. Ich habe es immer gehofft, du und der David, Ihr würdet ein Paar werden. Ich habe ihn deßhalb von Berlin kommen las­sen. Und als ob du meine Wünsche errathen hättest, mein gutes Kind, wählst du gerade ihn. Es ist der einzige frohe Tag, den ich habe, seit mein Simon todt ist; Gott lasse ihn in Frieden ruhen!

Im Vorzimmer begegnete Lea, als sie eben ihren Vater verlassen hätte, Moses. Wir müssen uns gegenseitig Glück wünschen, Herr Moses. Ihr feyd Bräutigam, ich bin Braut. David Traub, wie ihr wißt, mein eifriger Anbeter, erhält meine Hand. Wie heißt denn Eure Braut?

Blümchen, die Tochter des Ezechiel von Dorum.

Also war es nicht der Anfangsbuchstabe meines Namens, sagte sie vor sich hin, als sie allein auf ihrem Zimmer war, den er an jenem Tage, da ich ihn belauschte, wieder und im­mer wieder in die Erde grub! So hat sich mein scharfer Blick getäuscht . . . Sey's darum, auch David wird mir Alles verdanken, auch seine Herrin werde ich seyn.

(Fortsetzung folgt.)

Zur Charakteristik der jüngsten Vorfälle in Verlirr»

Einzelne Symptome geben noch keine genügende Diagnose. Nach Symptomen allein wird weder der Arzt noch der Staats­mann ein Uebel heben. Aber wenn ich in Kürze theilnehmen- I den Freunden das Befinden des Kranken oder Genesenden be­schreiben soll, ist es wohl am Besten, charakteristische Krank- ; heitSerscheinungen zusammen zu stellen. Folgende Notizen sind * für den Stand der öffentlichen Dinge bezeichnend. Ich gebe sie „sans phrase“. Ihre Bedeutung läßt sich noch kaum er­messen.

Bei dem Sturm gegen das Hotel des Ministerpräsidenten fielen zwei Schüsse; sie wurden nicht von Schutzmännern (keiner derselben hatte eine Schußwaffe), sondern aus der Menge abgefeucrt, jedoch in der Richtung gegen das Volk, so daß der Schießende sich mit dem Rücken an die Rampe des Ministerhotels anlehnte; unmittelbar darauf richteten sich die Steinwürfe gegen die erleuchteten Fenster des obern Stockwerks.

An demselben Abende war Zusammenkunft von Abgeord­neten im Hotel de Russie; Einer der Herren sagte zu einem Andern, sie würden sich wohl diese Nacht in der Sing­akademie Wiedersehen. — Den Morgen nach dem Auf­tritte vor dem Hause des Ministerpräsidenten wurde ein Auf­

ruf an die Straßenecken und Bäume angeschlagen, der also anhebt: „Brüder! ein richtiges und edles Gefühl leitet Euch." Er war auf feines, weißes Papier elegant gedruckt, trug die Unterschrift: „Der d emokratisch e Klub;" der Name des Druckers war: „Druck der Vereinsdruckerei, Neue Kirchgaffe Nr. 2." Der demokratische Klub, bei dem Anfrage geschah, verläugnete feierlich das Plakat und be­schwerte sich über Mißbrauch seines Namens. Die Vereins­druckerei erklärte, das Plakat nicht gedruckt zu haben. Einer der Männer, welcher den Anschlag besorgt, wurde vom Kon­stabler angehalten und gefragt, in wessen Auftrag er handle; der Mann bekannte, er sei arm und bedürftig; Jemand, den er nicht kenne, habe ihm das Pack mit Exemplaren zum An­heften gegeben und sogleich dafür 10 Thlr. baar bezahlt.

Der Aufruf vom 21. August, von dem Tage des Tumults, ist vom demokratischen Klub nicht desavouirt; er ist überschrie­ben: „Mitbürger." An demselben Tage erschien ein anderes Plakat, das mit gesperrten Lettern die Ueberschrift führte: „S ch r e ck e n s sz e n e n zu Charlottenburg oder die Ab­schlachtung der Demokraten am Sonntag den 20. Au­gust." Dieses Plakat wurde nicht blos öffentlich angeschlagen und feilgeboten, sondern in die Häuser umhergeschickt.

Neulich versammelte sich unter den Linden ein großer Haufe, der immer mehr anwuchs und die heftigsten Verwün­schungen gegen die Schutzmannschaft ausstieß, um eine Karre, auf der eine Frau mit verbundenem Kopfe lag, die von einem Konstabler mit der scharfen Klinge am Kopfe verwundet wor­den; es sollte eine Obstverkäuferin sein; sie krümmte und wand sich vor entsetzlichen Schmerzen. Die Menge war auf das Aeußerste gereizt. Da kam der gerufene Arzt. Mit Mühe ge­lang es ihm, die Binde von der Wunde zu lösen. Er unter- suchte die Wunde, d. h. er suchte nach der Wunde! Der Kopf war heil; es war nicht eine Spur von einer Verwundung. Sogar der Haarkamm war nicht verschoben. Der Arzt zeigte das Resultatseiner Untersuchung den Umstehenden; manschwieg; er erklärte darauf, daß demnach das Ganze ein Betrug, daß weder ein Constabler noch sonst Jemand die Frau verwundet; da wurde ihm mit Heftigkeit von Umstehenden Angesichts des WeibeS erwidert: „Der Konstabler hat ihr doch mit der scharfen Klinge eine tiefe Wunde am Kopfe beigebracht!" „Sie ist doch verwundet!".

In Charlottenburg soll eine Liste verbreitet gewesen sein, worauf Namen und Wohnung der Demokraten angegeben wa­ren; diese Liste war eine Proskriptionsliste, so sagen hiesige Demokraten; am 20. und 21. war an allen Ecken Ber­lins ein Verzeichn iß von Namen und Wohnungen der Mitglieder des Preußen Vereins angeschlagen; das war also nach der Interpretation der Demokraten eben­falls eine Prosctiptionsliste. Die „Locomotive" ist be­kanntlich eine „Zeitung für politische Bildung des Volkes", Redakteur Held. Besagter Held hatte bei der Wahl eines