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auf die obschwebenden Waffenstillstandsunterhand­lungen nur oberflächlich hingedeutet wurde. Darauf wurde Herr Bargum aus Kiel zum Präsidenten und Herr Prof. Olshausen zu Vizepräsident erwählt. Mar v. Gagern soll sich heute ins Hauptquartier begeben haben, welches seit gestern wieder in die Nähe der jütländischen Grenze verlegt worden ist. — Alles deutet darauf hin, daß der Abschluß des Waffenstillstandes bald erfolgen werde, wie denn auch seit ge­stern keine Truppenmärsche gegen Norden stattgefunden. Daß General Wrangel und Gagern zu keinem andern, als einem ehrenvollen Waffenstillstände die Hand bieten werden, ist sicher zu erwarten. '

Der Entwurf zu einer ueuen Verfassung für Schleswig- Holstein ist erschienen. Als Hauptpunkt ist festgestellt, daß das eben genannte Land ein deutscher Staat sey. Der Her­zog hat den Eid auf die Verfassung abzulegen. Nach einem Gerüchte sollte der Prinz von Preußen bis zum Frieden die Regentschaft übernehmen und die provisorische Regierung ab­treten.

Prag, 10. Aug. (A. Z.) Gestern Vormittags wurden von den' verschiedenen Distrikten Prags (nach der bei der Reichstagswahl geschehenen Eintheilung) mittelst direkter Wahl 600 Geschworene für die Preßjury, gewählt.

Eine Patrouille von Nationalgarbe und Militär nahm einen zwei Zentner Silber in Zwanzigern enthaltenden Koffer in Beschlag, welchen Betrag ein israelitischer Spekulant über die Gränze schmuggeln wollte. Viel von diesem Geld wurde sogleich an Privatpersonen gegen Banknoten ausgewechselt. Das Geldausfuhrverbot hat uns — wie alle ähnlichen Maß­regeln, welche in unserer Zeit nicht paffend sind, und unserm Verkehr mit den Nachbarstaaten eine empfindliche Wunde schla­gen — noch nicht den geringsten Nutzen gebracht. Man sieht beinahe kein Silbergeld mehr; stundenlang muß man in der Verwechslungskasse harren, um nur einige Zwanziger zu er­haschen; in den Gasthäusern sind schon Prügeleien vorge­fallen, weil die Wirthe nicht wechseln können; die kleinern Kaufleute geben geschriebene Anweisungen statt Silbergeld, mit denen man wieder zu ihnen kommen muß, wenn man weitere Einkäufe machen will.

8 Wien, 14. August. Die wunderbare schnelle Wendung des Geschickes unserer italienischen Armee, Has Genie Radetzky's , hat hier eine merkwürdige Wirkung hervorgebracht, sowohl in der Stimmung der Bürger als an der Börse. Alles jubelt und frohlockt. Die sogenannten „Schwarzgelben" knüpfen - daran die Hoffnung, es werde bald zum Alten zurückkehren, Wir Freisinnigeren aber hoffen auf einen schönen Frieben, der auch zu Stande kommen wird. Die Regierung, d. h. die jetzi­gen Minister, denken wirklich liberal und werden die zugesagte ir Freiheit schützen und auch den Italienern bewilligen. Auf welche Grundlage jedoch ein definitiver Friede wird abgeschlossen werden, läßt sich nicht errathen. Hier erwartet man Kriegs- stcuern in die Kasse zu bekommen. Die Nationalbank gibt schon dieser Tage mehr baares Geld her. Das Agio ist fast ver­schwunden. Es dürfte daher auch bald das Ausfuhrverbot des baaren Geldes aufgehoben werden, was von großen Folgen seyn dürfte.

Die Rückkehr des Kaisers und seiner Familie hat sehr gut gewirkt. Der Empfang war herzlich und wurde mit Thränen der Rührung von Oben angenommen. Imposant war der Ju­bel, die Menschenmenge h. Der Kaiser hat bereits eine kurze * aber schöne Proklamation an seine getreuen Wiener erlassen, ? ^vonn er die unveränderte Liebe anerkennt und hofft seinen freien Völkern in Gemeinschaft mit neuen selbstgewählten I Aellvertretern gute Gesetze zu geben, die neue Verfassung zur Vollendung zu führen k.

Unser Reichstag hat sich bisher sehr taktvoll benommen, s . er so fortfahren und bald zu Gesetzberathungen schreiten, I & ^"d's gut werden. Es wird Alles vermieden werden, waS .Meldungen der Nationalitäten Hervorrufen könnte. Möge eö nur I s n und kein Versuch gemacht werden, innere Störung ; Versammlung zu bringen. Zwischen dem Gemeinde- schuß und dem Sicherheits-Ausschuß besteht eine Art von

1 el L die bald aufhören muß. Möglich, daß der Letztere lieg bald auflööt und die ordentlichen Behörden wieder kräf- i cutteten. Sehr gut wäre es, wenn bald ein definitives h ^^ksetz erschiene, damit der Unfug mit den Plakaten auf- „ öl r gestern war eine wahre Wallfahrt nach Schönbrunn, dem M des Kaisers. Außerdem hatten wir gestern Abend

/ ^AauWel einer Balgerei zwischen Bürgern und Studen-

* (Emen wollten das Kaiserlied, die Anderen das deut- ,

sche Lied vorgetragen haben. Es kam zu Schlägen und Hie­ben. Ueberhaupt dürfte es jetzt bald wieder mehr Reibungen geben. Die ächt Kaiserlichen haben mehr Muth, die Deutschen wollen nicht untorliegen. Lebhaft ists jetzt hier, als seyen doppelt so viel Einwohner in Wten wie früher. Es herrscht .noch immer große Wohlhabenheit, Lebenslust, was man an einem schönen Sonn- und Feiertage am besten ersehen kann. Beginnen-die Handelsverhältnisse mit Italien wieder sich zu befestigen, so wird's hier im Materiellen gut werden. Die Fabriken bekommen Absatz, der Handel Leben, der Arbeiter Verdienst, der Berkehr Geld. Bei Weltfrieden geht Oesterreich seiner größten Epoche entgegen. Der Hof hat eine Lehre be­kommen und die Kamarilla' wird wohl jetzt ruhen. Unsere Finanzen werden mit der Zeit sich bessern und Oesterreich grö­ßeren Kredit erwerben. Bei guter Verwaltung sind Einnah­men und Ausgaben nicht immer gleich zu stellen, sondern die Steuern und Schuld zu reduziren. Dazu braucht es aber Zeit und Frieden.

Wien, 14. Aug. (Allg. Ztg.) Die Ihnen gestern mitge- theilte Nachricht von dem zwischen dem Feldmarschall Radetzky und den Piemontesern abgeschlossenen sechswöchentlichen Waf­fenstillstand hat sich einem gestern Abends vom Kriegsministe­rium veröffentlichten Bülletin zufolge bestätigt. Heute war an der Börse das Gerücht verbreitet, England und Frank­reich hätten die Garantie der an Oesterreich zu leistenden Kriegsentschädigung übernommen, was auf die Kurse günstig wirkte. — * Die gestern Nachmittag ver­öffentlichte Proklamation des Kaisers „an seine getreuen Wie­ner" hat durch den Gehalt wie durch den herzlichen Ton der Ansprache einen allgemein sehr guten Eindruck hervorgebracht. Ich theile sie Ihnen hier wörtlich mit: „An meine getreuen Wiener! Der gestrige Tag, an welchem ich in eure Mitte zu­rückkehrend die schönsten Beweise eurer alten unveränderlichen Liebe erntete, wird mir und allen Gliedern des kaiserlichen Hauses unvergeßlich bleiben. Möge er als feierlicher Gedächt­nißtag des neuen Bundes zwischen einem freien Volke und seinem konstitutionellen Kaiser in der Geschichte des Vaterlan- des ewig glänzen, mögen auch fernerhin Friede, Eintracht, Ord­nung und Gesetzmäßigkeit herrschen, damit unter ihrem Schirme der Aufbau unseres neuen verfassungsmäßigen Staates zum Heil und Segen aller Völker Oesterreichs' gedeihe und sich kräftige. Im Verein mit den selbstgewählten Vertretern der­selben, und unterstützt von meinen verantwortlichen Räthen, hoffe ich die schwere von der Vorsehung mir beschiedene Auf­gabe, die neue Konstituirung des Vaterlandes, rühmlich zu Ende zu führen. Wien, am 13. Aug. 1848. Ferdinand."

It a l i e n.

Der „Tyroler Bote" läßt sich aus Verona vom 13. August schreiben, nach einem Brief aus Mailand, der aus vollkommen verläßlicher Quelle geschöpft haben will, sey in Turin und Genua zugleich die Republik proklamirt und Karl Albert in beiden Städten als Landesverrâther erklärt worden. Süd­deutsche Blätter haben direkte Briefe auS Genua bis zum 12. August. Sie wissen von solchen Vorgängen nichts.

Die völligste moralische Unordnung, sagt der „Niederrhei­nische Kurier", herrscht in allen italienischen Provinzen. Man beschuldigt die Mailänder, daß sie die Sache der Freiheit ver­lassen haben; in Mailand bezüchtigt man den König von Sardinien der Verrätherei, welcher seine Kapitulation, seine hastige Flucht einigen Anschein von Wahrscheinlichkeit geben. Der Verrath ist wohl nicht wahr, denn man kann sein eigener Henker nicht seyn, aber man glaubt doch daran., Gewiß ist es, daß Karl Albert weder kriegerisches Talent noch Energie hat.

Das englische Geschwader unter Admiral Parker liegt noch immer vor Neapel, während daS französische Palermo zu über­wachen scheint. Der König von Neapel lebt, von vielen Sol­daten bewacht, ganz abgeschlossen in seinem Palast.

Sprechsaal für Stadt und Land

t In unserer viel bewegten Zeit ist öfter vorgekommen, daß Männer, welche ihr ganzes Leben hindurch nur für deut­sche Einheit und Freiheit begeistert waren, welche nichts Hö­heres kannten, als den Gedanken an ein einiges und ein freies Deutschland, und welche in den ewig denkwürdigen Märztagen

*) Hierauf scheint also die in unserer gestrigen Nummer von unterm Wiener Korrespondenten untertheilte Nachricht einer telkgraphische« Depesche über den Frieden-abschluß hinauszulaufen. _

Die Red. der N.