Beiblätter
zur Nassauischen Allgemeinen Leitung
für Literatur, Kunst und gemeinnützige Interessen.
M 121» Donnerstag den 3. August 1828.
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Der Spieler am Mississippi.
(Fortsetzung.)
„Wie ich aber kaum einige hundert Schritt geritten und um eine Ecke bog, befand ich mich bei einem Fremden, der den Hülferuf ausgestoßen. Sein Pferd lag am Boden und stöhnte arg und der Mann kniete neben ihm, des Thieres Bein mit der Hand reibend. Etwas seitwärts lag eine getödtete Klapperschlange, eine der größten, die ich je gesehen, und deren Anblick erklärte mir auch augenblicklich die ganze Gruppe."
„Ich sprang vom P ferbe, um zu sehen wie ich helfen könne. Das Bein war aber schon stark geschwollen, demohngeachtet schnitt ich die Wunde aus, ritt eilig zurück, ein Paar Händevoll Salz zu holen, und rieb die Stelle damit. Doch das Thier stieß einige Minuten später den letzten Seufzer aus, streckte alle Viere und war todt."
„Jetzt erst warf ich einen aufmerksamen Blick auf den Fremden. Er war ein ältlicher, kleiner Mann mit scharfem Gesichte und schwarzem Haar, aber so feurig dunklen Augen, daß ich mich durch deren wunderbaren Glanz fast unwillkürlich angezogen fühlte. Sein Gesicht war bleich und tief gefurcht, doch ging er, obgleich, wie gesagt, schon ältlich, mit Sauberkeit und Aufmerksamkeit gekleidet, trug eine ganz neue Sammt- weste, einen feinen Tuchrock und eine goldne Uhr mit Kette und Pettschaft. Von Zeit zu Zeit zog er eine Schnupftabacks- dose heraus, die wie ein Horn geformt und an dem Deckel und der Spitze aus Gold bestand."
„Er schien durch den Tod seines Pferdes nicht sehr gerührt zu werden, denn als ich ihm mein Bedauern darüber ausdrückte antwortete er schnell: O, das hat gar nichts zu bedeuten. Ihr habt da ein gutes Pferd und werdet es mir überlassen. Ihr seht aus wie ein guter Bursche.
„Ich war, wie Ihr denken könnt, nicht wenig erstaunt über diese Zumuthung. Ich sah mein Pferd an, es war ein ausgezeichnetes Thier, brauchbar zu Allem, vor dem Wagen, dem Pfluge und zum Reiten und hatte einen leichten, schnellen
Schritt. Ich fühlte mich auch deshalb durchaus nicht geneigt, dies Roß einem Fremden zu geben, zumal da mir die kalte, zudringliche Weise höchst mißfiel, womit der alte Mann es verlangte."
„Ich fürchtete nun zwar nicht, daß er es mir mit Gewalt nehmen würde, aber unheimliche Gedanken erfüllten meine Seele. Vielleicht war er ein Zauberer, von denen wir in der Schrift lesen und von alten Leuten hören, oder möglicher Weise der Teufel selbst, und was konnte ich dann erwarten? Er machte mir indeß die Sache bald klar, wahrscheinlich merkte er auch, daß ich ein Bischen verlegen geworden."
„Junger Mann," sagte er, „Euer Pferd ist ein schönes Thier, wollt Ihr es mir verkaufen? — Ich. bezahle Euch, was es werth ist, sagt nur Euren Preis."
„Das war freilich etwas Anderes; denn habt Ihr je einen westlichen Farmer gesehen, der nicht augenblicklich zu einem Pserdehandèl bereit gewesen? — Nic!"
„Wenn überdies das Pferd auch wirklich gut war, so hatten wir doch deren mehre und brauchten es nicht nothwendig. Es wurde mir aber sehr schwer, mich von ihm zu trennen, ich hatte es ja selbst ausgezogen, fütterte es mit eigner Hand und liebte es fast wie einen Bruder. Da es uns aber überflüssig war, so hätte es doch später verkauft werden müssen, und wenn es auch eine Lust ist, auf solchem Pferde in schnellem Galopp an einem sonnigen Morgen den Wald zu durchstreifen, so müssen sich arme Leute doch oft solche Freude versagen. Ich bedachte dabei, daß uns ein neuer Wagen Noth that, und manches Andere fehle, fand daher auch nach kurzer Neberle- gung das Anerbieten des Fremden nicht so verwerflich und entgegnete, wenn auch etwas langsam:"
„Mein Pferd ist ein ausgezeichnetes Thier."
„Das gebe ich zu," sagte er, „ich sah noch nie eins, dâs mir besser gefallen hätte, werde Euch auch einen ausgezeichneten Preis dafür zahlen."
„Wieviel wollt Ihr geben?" frug ich.
„Fordert nur," antwortete er, „ich bin kein Kind und Ihr seyd alt genug zu wissen was daS Pferd werth ist."
