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sehr Rechnung tragen — es gibt in ganz Deutschlands keine Stadt mit gleicher Einwohnerzahl, der ein Gymnasium fehlte. Will man den Wünschen einiger Lan­destheile nachgeben, nun so mag man auf andere Weise sorgen, aber die Schulen gehören dahin, wo das größte Bedürfniß sich zeigt. — Und nun noch eine Bemerkung: je freier die Staats­verfassung, desto dringender die Forderung nach gründlicher Bildung — das wissen sonst auch die radikalsten Schreier.

cf Frankfurt, 27. Juni. Noch immer keine Entscheidung! In der gestrigen Reichstagssitzung ging es stürmisch her. Die Reihenfolge der Abstimmung gab zu neuen Anträgen, zu Mo- difizirung der alten Anlaß, wogegen bald die eine, bald die andere Seite protestirte.

Zuletzt konnte der Vizepräsident v. Soiron (Gagern hatte seinen Platz als Abgeordneter eingenommen) des Tumultes nicht mehr Herr werden, und die Sitzung wurde auf heute Mor­gen vertagt.

Man befürchtete Unordnung bei der heutigen Aufregung und hatte das Linienmilitär um die Paulskirche versammelt. Da erklärte Robert Blum, daß er unter dem Einfluß der Bayon- nette nicht abstimmcn würde. Gagern trat hierauf vor die Thüre und ersuchte den Bürgermeister, das Militär zu entfernen. Dies geschah. Heckscher zog sein Unteramendement, welches ge­stern so großen Lärm erregt hatte, zurück. Noch ist nichts ent­schieden, aber nach den Berathungen, welche gestern in den Klubbs der Abgeordneten stattgefunden, darf man hoffen, daß sich die Parteien versöhnen, und noch heute ein Resultat erfolgen wird.

Berlin, 24. Juni. (K. Z.) Die Bildung des neuen Ministeriums ist in diesem Augenblicke als beendet anzusehen. Hansemann ist vom Könige mit der Zusammensetzung des Ministeriums betraut worden, er hat dieselbe wirklich vollbracht und die Herbeirufung des Ober-Präsidenten Auerswald ist selbst sein Werk. Der Ober-Präsident v. Auerswald fand in dem Augenblicke, wo er gestern hier eintraf, die Bildung des Kabinets so weit fertig, daß es eben nur einer gutheißenden Be­stätigung bedurfte. Rodbcrtus war der Erste, mit dem H. die Unterhandlungen wegen des Eintritts ins Kabinet begann, und nach den Prinzipien, welche er hierbei zu Grunde legte, war Rodbertus auch sehr wohl im Stande, diesen Anerbietungen, die er nach dem Austritte Schwerins schließlich von der Hand gewiesen hatte, willig sein Ohr zu leihen. Er jelbft wählte für sich nach getroffener Vereinbarung über die Prin­zipienfragen das Ministerium der geistlichen rc. Angelegenheiten, Milde chät das Ministerium des Handels übernommen, wel­ches von dem der öffentlichen Arheiten getrennt werden soll. Dieses letztere bleibt vorläufig noch offen und für jetzt von Milde noch wie bisher in Gemeinsamkeit mit dem Handels- Departement verwaltet. Für das Ministerium des Innern ist der Regierungspräsident Kühl wett er aus Aachen bestimmt; der­selbe ist bis diesen Augenblick aber noch nicht hier eingetroffen, daher diese Besetzung noch nicht definitiv, wiewohl sie keinem Zweifel mehr unterliegen dürfte. — Das Justiz-Ministerium übernimmt Maercker, noch vor Kurzem Direktor des hiesigen Kriminalgerichts, gegenwärtig AbtheilungSchef im Justizmini­sterium. Frhr. v. Schleinitz behält die Leitung^ des aus­wärtigen Departements, ebenso wie der General v. Schr e cken- fiein die des Kriegöministcriums.

Berlin, 23. Juni. (D. A. Z.) In gewissen Kreisen, in denen man immer viel zu kombiniren pflegt, unterhält man sich seit einigen Tagen über eine geheime Korrespondenz des Kaisers von Rußland mit Ludwig Bonaparte, deren Ver­mittler der Herzog von Leuchtenberg seyn soll.. Man erzählt, der Czaar wünsche die Diktatur oder wo möglich ein K a r- serthum Bonaparte, er sey überzeugt, daß die Zeit der ältern wie der jüngern Bourbons vorüber, und' rusffiches Geld sey es, das die bonapartiftischen Redner auf den pariser Boulevards bezahle. Man will sich russischerseits einem Kai­ser oder Diktator Ludwig Bonaparte gegenüber bereit erklären, Polen sreizugeben, und sich hierfür im Orient entschädigen. Ebenso hofft man England, dem man wie Frankreich Erobe­rungen im Orient, besonders einen Theil Aegyptens überlassen will, zum Einverständniß zu bewegen.

Berlin. (B. N.) Nach einem Ministerialbeschluß sollen diejenigen Deputaten des demokratischen Kongresses in Frankfurt, welche hier in Berlin ihr Geschäftsbureau errichten wollten, sogleich nach ihrer Ankunft von hier ausgewiesen werden.

Von der schlesischen Grenze, 20. Juni. Zur Beruhigung der durch das Gerücht einer angeblichen russischen Kriegserklärung aufgeregten Gemüther glauben wir aus zuverlässiger Quelle ver-

f sichern zu können, daß diesem Gerüchte durchaus keine Wirklich­keit zu Grunde liegt. Vielmehr vernehmen wir aus zuverlässiger Quelle, daß das russische Kabinet sich gerade in der schleswig- holsteinischen Angelegenheit in Dänemark im Sinne des Friedens ausgesprochen habe, und daß diese letztere Macht sich wohl täu­schen möchte, wenn sie auf eine aktive Dazwischenkunft Rußlands rechnen sollte, so lange es sich nur um die Stellung Schleswigs handelt.

Wien, 22. April. (A. Z.) Das gegen den ehemaligen Stadt- und Feftungskoinmandanten Grafen Zichy eingeleitete kriegsrechtliche Verfahren ist nun beendet. Graf Zichy soll zum Tode verurtheilt seyn, und das Kriegsministerium hat beim Kaiser beantragt, das Urtheil zu bestätigen. (Er verdient den Tod, denn die Uebergabe Venedigs war eine beispiellos schmach­volle.) Der ehemalige Gouverneur von Venedig, Graf Palffy, welcher weniger kompromittirt erscheint, soll lohne Pension ent­lassen werden.

Belgien

(/ Brüssel, 23. Juni. Die Gründe, warum die beiden Extreme unserer Politiker gleicher Weise bei den letzten Wahlen für die Kammern scheiterten, sind, wie es mir scheint, für die hierarchisch-retrogadr Seite: daß endlich, nach langer und wechselvoller Erfahrung, die Zeit gekommen war, über sie abzuurtheilen, denn wir haben ihre Unverbesserlichkeit hinreichend kennen gelernt. Für die Neu-Demokraten: daß das Land gar nicht gesonnen ist, mit ihnen den Versuch zu machen, denn wir denken nicht daran, unsere Staatsform gegen eine andere zu vertauschen, die weiter nichts Empfehlendes für sich hat, als daß sie etlichen Ehrgeizigen behagt, und die überdieß, so viel wir sehen, in Frankreich nicht ein einziges beneidenswerthes Resultat zur Welt gebracht hat. DaS politische Treiben und Reden verschlingt bei uns alle Zeit, wie in Rom und Athen. Schade nur, daß bei dem edlen Müßiggang so manche höchst nützliche Thätigkeit leiden muß! Die Alten überließen diese den Sklaven, um selbst ganz der Oeffentlichkeit, dem Staate, zu leben. Unsere nordischen Theoretiker gehen weiter, sie führen auch den Arbeiter in die Kunst, zu politisiren, ein, und füttern ihn, damit er feiern soll, mit — Sozialsystemen.

Nächsten Montag, bei der Eröffnung unserer Kammern, steht uns eine große Revue der Truppen und der Brüsseler Bürgerwehr bevor. Es ist erstaunlich, wie unser Vürgerthum, das von Alters her einen Abscheu vor Uniformen hatte (ein Abscheu, der vielleicht seit Alba's spanischen Regimentern sich fortgepflanzt hat), mit einemmale in den Bürgerwehrmannsrock verliebt ist, und zwar erst seit den Februartagen! Doch ist es keineswegs eine bloße, verzeihliche Freude am Waffentragen, an dem militärischen Exterieur, nein, es steckt Ernst dahinter. Wenn man den herrschenden Geist benutzte, wenn man der Sache eine praktische Einrichtung gäbe, wahrlich, die Regierung könnte ein Bürgerwehrthum Hervorrusen, worauf das Land stolz seyn dürfte, aber es müßte statt der blos städtischen ;,garde ci- vique“, wie sie jetzt heißt, eine wahre „Landwehr" seyn.

Der König wird bei der Kammereröffnung sehr enthusiastisch ausgenommen werden. Und wirklich, unser Land ist glücklich und ruhig, im Vergleich mit Anderen, die von dem allgemeinen Brande ergriffen wurden. Freilich unser Flandern ist eine gefährliche, vielleicht tödtliche Wunde für Handel und Industrie, und daran ist der Luxus, die Verschwendung schuld, die in allen Verwaltungszweigen geherrscht hat und die doch den Sitten des Belgiers durchaus zuwider ist. Der Inhalt der Thronrede wird Ersparn iß seyn. Was wird das Wort uns helfen, das jetzt so schwer zu bewahrheiten ist!

Ungarn.

Pesth, 18. Juni. (Köln. Z.) Die Nachrichten vom Kriegs­schauplätze lauten immer beunruhigender. Am 12. Juni ward Carlowitz von Peterwardein aus durch Brandraketen in Asche gelegt. Der Kampf dauerte von 10 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends. Die Insurgenten haben an 200 Todte und 100 Ge­fangene verloren. Dessen ungeachtet vermehren sich die Reihen der Empörer täglich, auch 600 Granzer und die bewaffnete bu- kowezer Landwehr sind zu ihnen übergeganKn. Wohin sie kom­men, steht die slawische Bevölkerung für Jie auf. Ain 13. wurde sogar schon durch eine Abtheilung von Schiffen ein Angriff auf Caorle gemacht. Er mißglückte: ein Fahrzeug ward in Brand geschossen und flog in die Luft, worauf auch die übrigen Schiffe davon segelten. ' Man besorgt, daß die kaiserliche Erklärung gegen den Banus Jellachich Iganz Illyrien unter die Waffen rufen wird.