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heuchle, um sich in Baden wieder möglich zu machen, wenn es mit der Republick durchaus nicht gehen wolle. Das ist noch ein Glück für die Freunde der Ruhe und Ordnung, daß diese Leute unter sich selber nicht einig sind, weil stete Reibungen herrschen unter denen in Frankreich und denen in der Schweiz. Freilich ver« söhnen sie sich gewöhnlich eben so leicht wieder.

Das Lied heißt:

Stürmt ihr Glocken, ernste Mahner,

Auf zum Kampf, Republikaner,

Auf zum Kamps für Deutschlands Heil!

In die Brut gekrönter Würger,

In das Nest verthierter Bürger

Werst der Rache Donnerkeil!

Ihr, die treulos uns verrathen,

Ketten auf den Leib geladen,

Auf die Seelen schwere Pein:

Mathy's denkt der letzten Stunde,

Und dankt Gott, wenn nur 'ne Wunde

Endet euer schmachvoll Seyn!

Ihr, die uns ins Treffen riefet,

Bei dem Treffen dann entliefet,

Oder früher euch verbargt:

Seht Euch vor, Ihr Zungendrescher !

Hart am Grab der seilen Hâscher

Wird die Feigheit eingesargt.

Ihr, die in der Ferne standet,

Unsre That Verrath benanntet,

Mit des Hohnes Pfeil sie traft:

Fühlt, wie aus dem Schlaf gerüttelt

Jetzt der Leu die Mähnen schüttelt,

Und den Eselshufschlag straft!

Arme Gecken, eitle Thoren,

Merkt ihr jetzt, ihr Professoren,

WaS ihr da zu Tag gebracht,

Als ihr mit dem Bund im Bunde

Schlugt dem Volk die herbe Wunde,

Mit dem Bund, der euch verlacht?!

Freiheit, Gleichheit, Brudertreue!

Blut'ger Strom in Aetherbläue,

Den durchblitzt ein Silberlicht:

Mit der deutschen Trikolore

Weh' vereint vom rhein'schen Thore —

Marken scheiden Geister nicht.

Freiheit, Gleichheit, Brudertreuc!

Alterndes Geschlecht erneue ।

Deinen hingewelkten Ruhm!

AuS versumpften Nationen,

Faulenden Religionen

Steige reines Menschenthum!

Stürmt ihr Glocken, Schlachtenmahner,

Stürmt wie sie, Republikaner,

Durch der Wetter Flammenblick!

Von dem Leichenberg der Würger

Rust ins Thal befreiter Bürger:

„Republik! die Republik!"

Miszellen.

— Leipzig, 10 Juni. Bei den gestrigen Ererzitien des 2. Schützen- bataillons ereignete sich ein sehr beklagenSwerther Unfall. Es standen die It und 2. Kompagnie der 3. und 4. gegenüber und erekutirten einen Schein­angriff. Bei dem Feuern wurden auf Seiten der ersten Abtheilung ein Mann getödtet und drei verwundet. Den Hergang der Sache wird die ein­geleitete Untersuchung feststellen.

— Von der russischen Grenze, 6. Juni. Der Zaar hat die Gründung einer Medresseh oder türkischen Hochschule in Tiflis beschlossen, in welcher man die türkische Sprache und Literatur, die Theologie, Sunna und die so auSgebreitete Wissenschaft der Kommentare zum Koran lehren wird. Die HodjaS oder Professoren werden bald ernannt und vielleicht aus Kon­stantinopel berufen werden.

— Der folgende Vers ist seiner Zeit das ächte Diplomatensprüch­lein gewesen:

Nützt euch BöseS, so ist'S recht,

Schad't euch Gutes, so ist's schlecht,

Wer da schwach ist, sey euer Knecht, Mit dem Starken nicht leicht brecht!

Also lehrt das Völkerrecht.

— Köln, 9. Juni. (E. Z.) Ein Muttergottesbild, welches man in Effern in einem Baum gefunden, hat in Aachen das Wunder gewirkt, daß die dortige Bürgerwehr, welche seit ihrer großen April-Retiraoe auf ihren Lorbeeren ruhte, wieder ein Lebenszeichen von sich gab. Der Antiquar C. daselbst hatte sich die Abbildung dieses BildeS von Köln kommen lassen und an'S Fenster gehängt. Bald sammelte sich eine Menge, meist aus Weibern bestehend, vor dem Hause. Man schrie: „Ist es nicht genug dass Könige und Prinzen verspottet werden, jetzt wird sogar die heiligste Jungfrau chikanirt." Bald flogen Steine inS Haus und man stürmte den Laden, bis endlich die Bürgerwehr hcranrückte und die Straße nicht ohne Gegenwehr säuberte. Wie wir vernehmen, hat jener Antiquar soeben bei T. in Köln eine neue sehr bedeutende Bestellung aus diese Bilder eingesandt, da nun Jeder die Muttergottes haben will, welche in dem frommen Aachen eine Revolution verursachen konnte.

— Berlin. Nahezu vier Wochen versammelt, hat der konstituirende Landtag noch nicht einmal sein Reglement und die Adresse zu Staude ge­bracht, sondern sich dafür mit den kleinlichsten Formalitäten herumgeschlagen Ein Spottblatt schluch neulich vor, „Die Deputaten ans Akkord arbeite« zu lassen", damit sie vom Flecke kämen!

Theater zu Wiesbaden.

Montag, den 19. Juni. Der verwunschene Prinz. Schwank in 1 Auszügen von I. von Plötz. Hierauf: Der reisende Student. Posse mi Gesang in 2 Akten. Wilhelm und Mauser Hr. Herrmann vom Aktie« Theater im Hamburg als Gast.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. — Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.