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Beiblätter

.tut Nassauischen Allgemeinen Leitung

für Literatur, Kunst und gemeinnützige Interessen.

M 77

Sonntag den 18. Juni -

1828.

DM

Die Kapitänstochter.

Von Alexander Puschkin.

(Fortsetzung.)

Wer hatte sich denn aber die Mühe genommen, meinen Vater von meiner Aufführung zu benachrichtigen? Der Ge­neral? Doch der schien sich ja um mich nicht sonderlich zu bekümmern, und der Kapitän hatte es gewiß nicht nothwendig gefunden, von meinem Duell zu rapportiren. Ich verlor mich in Vermuthungen. Mein Verdacht fiel auf Schwabrin. Für ihn allein war die Anzeige von Nutzen, die zur Folge haben konnte, daß ich von der Festung entfernt und von der Kom- mandantenfamilie getrennt wurde. Ich ging, Marien Alles mitzutheilen. Sie kam mir auf der Treppe entgegen. „Was ist Ihnen?" sagte sie, als sie mich erblickte. „Sie sind so bleich!"

— „Alles vorbei!" erwiederte ich, und überreichte ihr den Brief meines Vaters. Jetzt erblaßte auch sie. Nachdem sie den Brief gelesen, gab sie ihn mir mit zitternder Hand zurück und sprach mit bebender Stimme: „Es ist mir also nicht be­schert ... Die Ihrigen wollen mich nicht in Ihrer Familie haben. Des Herrn Wille geschehe! Gott weiß besser als wir, was uns frommt. Das hilft nun nichts, Peter Andre- jitsch, seyn sie wenigstens glücklich. . ."

— „Nun und nimmermehr!" rief ich, ihre Hand ergrei­fend. „Du liebst mich; ich bin zu Allem bereit. Komm, laß uns Deinen Eltern zu Füßen fallen; sie sind einfache Men­schen, keine hartherzigen Stolzen ... Sie werden uns ihren Segen geben, wir lassen uns trauen.. . und später, mit der Zeit können wir ganz gewiß meinen Vater erbitten; meine Mutter wird für uns seyn, er wird mir verzeihen ...."

„Nein, Peter Andrejitsch!" entgegnete Marie: „ich heirathe Dich nicht ohne den Segen Deiner Eltern; ohne ihren Segen kannst Du nicht glücklich werden. Fügen wir uns in den Willen Gottes! Findest Du eine andere Braut, gewinnst Du eine andere Braut, gewinnst Du eine Andere lieb, nun in

Gottes Namen, Peter Andrejitsch! ich werde für Euch beide //

Hier brach sie in Thränen aus und verließ mich. Ich wollte ihr ins Zimmer folgen, aber ich fühlte, daß ich mich nicht beherrschen konnte, und ging nach Hause.

Ich saß in tiefes Sinnen versunken, als auf einmal Saweljitsch mich aus meinen Betrachtungen aufstörte.

„Da, Herr!" sagte er, mir ein beschriebenes Blatt über­reichend — „sieh, ob ich meinen jungen Herrn anklage und ob ich den Vater mit dem Sohne zu entzweien suche."

Ich nahm ihm das Blatt aus der Hand. Es war Sa- weljitsch's Antwort auf den Brief meines Vaters. Hier folgt sie wörtlich:

„Andrej Petrowitjch,

Unser gnädiger Vater und Herr,

Ihr gnädiges Schreiben habe ich erhalten, worin Sie belieben, mir, Ihrem Diener, zu zürnen, und sagen, daß ich mich schämen sollte, die herrschaftlichen Befehle nicht zu erfüllen; aber ich, nicht der alte Hund, sondern Ihr treuer Diener, befolge die Befehle meines Herrn, und habe Ihnen stets mit Eifer gedient und bin in Ihrem Dienst ergraut. Von der Wunde Peter Andrejitsch's habe ich Ihnen nichts geschrieben, um Sie nicht unnützer Weise zu erschrecken. Maßen ich gehört habe, daß die gnädige Frau, unsere Mutter Awdotja Wassil­jewna vor Schrecken ist krank geworden, will ich für ihre Ge­sundheit zu Gott beten. Und Peter Andrejitsch erhielt eine Wunde, nahe an der rechten Schulter, in die Brust dicht unter der Rippe, anderthalb Zoll tief; hat gelegen im Hause des Kommandanten, wohin wir ihn vom Ufer gebracht haben, und geheilt hat ihn der hiesige Feldscheer Stephan Paramonow; itzund ist Peter Andrejitsch Gottlob gesund, und außer Gutes läßt sich von ihm nichts schreiben. Die Kommandörs, wie ich höre, sind mit ihm zufrieden; und Wasilissa Jegorowna hält ihn wie ihren leiblichen Sohn. Und daß sich mit ihm so was zugetragen hat, ist für einen jungen Menschen keine große Schande; ein Pferd hat vier Beine und strauchelt doch. Und was sie zu schreiben belieben, daß ich die Schweine hüten soll,