Einzelbild herunterladen
 

deren Finger ich nicht zu berühren wagte. Der Herr wird sie dann nicht mehr vor meinen Augen küssen, während ich mit dem Feder-Fächer die Mücken von ihrer Stirne jagen muß. Er wird mich nicht mehr mit der Peitsche zeichnen, weil mir der Fächer in der Hand zittert, während ich sie lächeln sehe. Ist sie todt, dann gehört sie Keinem von uns Beiden."

Regungslos blieb er stehen, gefangen genommen von die­sen Gedanken der Rache und Eifersucht, und schaute auf die Bewegungen der Schlange.

Sie schwang sich auf den Zweigen hin und her, bis ihre runden Augen durch den glänzenden Gürtel gefesselt wurden, welchen das schlummernde Weib trug. Da ließ sie ein schar­fes Pfeifen ertönen und ringelte sich drei, viermal um sich selber, als ob sie so sich bereit machen wollte, ihr Opfer in der tätlichen Schlinge zu umfangen.

Im Traume entstieg ein Seufzer der Brust der schönen Schläferin und sie reckte ihren blendend weißen Arm in die die Luft, als wolle sie mit dieser unwillkürlichen Bewegung Jemanden um Hülfe anstehen.

Bei diesem Anblick konnte der Schwarze sein kaltes Blut nicht länger bewahren; ein kalter Schweiß rann ihm über die Stirne; er kroch aus dem Gebüsch hervor, indem er eine schwanke Stahlgerte, biegsam wie eine Binse, zwischen die Zähne steckte, welche er beständig im Gürtel trug. Wie ein Blitz war ihm ein anderer Gedanke durch die Seele gefahren.

„Sie ist dem Tode nah! Nur ich allein stehe noch zwi­schen ihr und dem Tode. Rette ich sie, dann wird sie mein gehören."

Unvermerkt schlich er sich hinter das junge Weib und kauerte sich, die Gerte in die Hand fassend, nieder, mit Wachsamem Auge jede Bewegung der Schlange verfolgend.

Wie ein Pfeil schleuderte diese sich endlich herab, um sich um den Hals der schönen Schläferin zu ringeln, aber der Schwarze sprang aus wie eine Tiegcrkatze, ließ die furchtbare Stahlgerte erst einmal in kraftvollem Schwung um seinen Kopf sausen und zerschmetterte dann dem giftigen Wurm die Rückenwirbel, während er seinen schwarzen Arm wie ein Schild vor das Gesicht der reizenden Elisabeth hielt. Der Rachen der Schlange, die vor wüthendem Schmerz aufzuckte, erreichte den Arm des Sklaven, der ein Stöhnen des Schmerzgefühls nicht zu unterdrücken vermochte; denn er fühlte sich gebissen. — Aber er riß sich los und zertrat mit seinem Fuße den gefleckten Kopf 6ed Thieres und lächelte ohne ein Auge von der schönen Frau zu verwenden.

„Der Schwarze ist sein eigener Arzt und sürchtet sich nicht vor dem Biß einer Schlange," murmelte er. „O wenn mein Fuß so auf daö Gesicht meines Herrn treten dürfte, wie auf den Kopf dieser Schlange!"

Und dann pflückte er einige blaue Lianenblüthen, welche die Mexikaner „Huako" nennen, zerdrückte die Blätter und legte

sie auf die Wunde; dies ist ein untrügliches Heilmittel, wel­ches selbst das Anschwellen des Armes verhütet.

(Fortsetzung folgt.)

Böhmen, ein deutsches Land. (Schluß.)

Allerdings ist der Panslavismus, d. h. der Gedanke und das Streben, alle Völker und sogar alle unter anderen Völkern zerstreut lebenden Individuen slavischer Abstammung in ein Volk und in ein großes Reich zu vereinen und entweder als Mo­narchie oder als Republik zu konstituiern — dieser ungeheure Gedanke ist nur durch völlige Zertrümmerung des europäischen Staatenspstems, durch Zerrüttung mächtiger Reiche, Aufwiege­lung der Völker, durch Krieg und unsägliche Erschütterungen möglich. Allein die gegenwärtigen Zeitumstände sind günstig dafür, Niemand wird ihn mehr geradezu schwärmerisch und un­ausführbar nennen wollen, wenn wir auch überzeugt sind, daß die heutigen Böhmen der Mehrzahl nach zu seiner Verwirklichung nicht die Hand bieten werden. Denn noch einmal, die Böhmen sind kein slavisches, sondern ein aus czechischen und deutschen Nationalelementen hervorgegangenes, also ein czechogerma­nisch e s Volk, das zwar auch leicht erregbar ist, aber sich doch nicht bald zu heftigen thörichten Handlungen hinreißen läßt. Möchte denn auch jetzt die erste leidenschaftliche Aufwallung einer ruhigen Ueberlegung über Böhmens Verhältniß zum Vaterlande weichen und den übersprudelnden Worten ein wohlüberdachles und versöhnliches Handeln folgen.'

Ist Nationalität der Charakter eines Volkes, der ganze Komplex von Denk- und Gemüthsart, Sitten, staatlichen und sozialen Einrichtungen, Religion und Sprache, so ist die böh­mische Nationalität keine slavische und auch keine rein deut­sche, vielmehr hervorgegangen aus der Durchdringung zweier ursprünglichen Nationalitäten, wie die der Franzosen, Italiener, Engländer; nur mit dem besonderen dauernden Kennzeichen, "daß sie eine Nationalität mit zwei gleichberechtigten Landes­sprachen bildet, die eben wegen Böhmens Verhältniß zu dem ganzen Deutschland sich nicht zu einer gemischten National­sprache, wie eben das Englische, verschmelzen konnten. Denn dies kann nur dort stattfinden, wo die Nationalität sich in einem großen unabhängigen Reiche selbstständig ausbildet. Auch in Ungarn wird der Zusammenguß der verschiedenen Landessprachen in einen nationalen Sprachtiegel unmöglich seyn, weil die Deutschsprechenden einen festen Anhalt an der entwickelten deutschen Hochsprache, die ungarischen Slaven aber einen solchen an der gesammtslavischen Sprachentwickelung ha-- ben. Zwar herrscht in Prag, als dem Sammelplatz der Be­wohner aller Landesgrenzen, sowie in anderen Städten, wirk­lich in den unteren Schichten der Gesellschaft eine Art Misch- sprache, das Deutsche ist mit ezechischen Wörtern versetzt, etwa