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Beilage zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

M 61» Donnerstag den 1. Juni 1848»

Mit unserer heutigen Zeitung ist als Gratisbeilage die erste Nummer des „Evangelischen Kirchenblattes für Nassau", redigirt von K. W. Schultz, ansgegeben worden. Abonnenten, welche diese Gratisbeilage nicht zu erhalten wünschen, brauchen desfalls nur beim nächsten Postamte die Anzeige zu machen. Für Solche, welche des Kirchenblattes willen noch jetzt in das Abonnement der Zeitung eintreten wollen, bewilligen wir für den Juni ein Monatsabonnement zu 40 kr.

Wie Expedition der Nass. Allg. Itg.

Übersicht.

Neue Revolution in Wien.

Deutschland. Mainz (Oesterrcichlsche Truppen). — Von der Saale (Freiwilliges Darlehen). — München (Eine Konfiskation von der Kam­mer gutgeheißen). — Hamb u r g (Marinekongreß. Waffenstillstand). — Kiel (Schwedische Rüstungen). —Triest (Die feindliche Flotte entfernt. Frankreich. Paris (Protestation. Der Telegraph. Boisle-Comte Poli­zeistaat in der Republik).

Nachschrift. Wiesbaden (Landtag).

Neue Revolution in Wien.

Die Deutsche Allg. Ztg. schreibt: Die neueste Wiener Post ist uns ausgeblieben, doch sind wir durch die Mittheilungen eines Reisenden in den Stand gesetzt, einen Bericht über die Ereignisse zu geben, welche sich bis zu der Abreise des Bericht­erstatters zugetragen haben. Am 24. Mai hieß es in Wien, in der Nacht wurden drei Regimenter in die Stadt rücken, und diese Nachricht gab den ersten Grund zu der ungewöhnlichen Bewegung. Am 25. Mai. Am frühen Morgen kam der Be­fehl von Seiten des Ministeriums zur gänzlichen Auflösung der akademischen Legion und zur sofortigen Niederlegung der Waffen. Dies gab das Zeichen zum Ausbruch des Aufruhrs. Von allen Seiten, auf allen Straßen erhoben sich alsbald Barrikaden, die rasch von den Arbeitern und von den Studenten errichtet worden waren. Eine jede Kommunikation war gehemmt. Um 10 Uhr kam es zu einem ernsten Begegnen des Volkes und des Militärs.

Das Volk stürmte das Rothe-Thurmthor, vertrieb aus die­ser Position das Militär, hierbei fiel indeß nur Ein Schuß, wodurch Ein Arbeiter getödtet wurde. Das Militär zog sich auf das Glacis zurück und besetzte von da aus die Bastionen. So standen sich bis zum Abend Volk und Militär gegenüber, ohne daß es jedoch zum Ausbruch weiterer Feindseligkeiten gekommen wäre. Drei Meilen von Wien, in Windischgrätz, stehen vier Regimenter; sollten diese Wien erreichen, so würde ein blutiger Kamps unvermeidlich seyn.

Indessen wäre diesem Schrecken noch auszuweichen, wenn die vom Volke gestellten Bedingungen erfüllt würden. Diese sind: 1) Fortbestehen der akademischen Legion; 2) Entfernung alles Militärs bis auf vier Stunden von Wien; 3) binnen acht Tagen die Rückkehr des Kaisers nach Wien, oder an seine Stelle einen kaiserlichen Prinzen zu senden.

D e u t f ch l a n d.

Mainz, 30. Mai. (RH. Z.) Heute früh um 11 Uhr sind die erwarteten neuen österreichischen Truppen hier eingetroffen, bestehend aus 1 Bataillon „Erzherzog Rainer" und 1 Bataillon „Piompini", sowie einer halben Eskadron Dragoner. Die Gar­nison besteht jetzt aus circa 13,000 M. und dürfte ohne Zweifel noch weitere Verstärkung erhalten.

Von der Saale, 25. Mai. (Magd. Z.) In der gestern zu Leipzig mit den Gewerken der Mansfelder Kupferschiefer­werke gehaltenen Ostcrineß-Konferenz ist von diesen Gewerken, deren Mehrzahl im Königreiche Sachsen ansässig, der Beschluß gefaßt worden, zu dem Preuß. Anlehen 20,000 Thlr. frei­will i g beizu tragen.

München, 25. Mai. Der Abgeordnete Schnetzer stellte in der Kammer an den Minister des Innern die Frage, inwie­fern ein seit Kurzem in Schwabach erschienenes Blatt, betitelt:

„Mittelsränkische Volkszeitung," mit Beschlag belegt werden konnte, da doch die freie Presse garantirt sey, worauf derselbe antwortete, ein Blatt, das so offen alle Verfassungsbestimmungen verletze und z. B. von 34 Winkelfürsten spreche, die man ent­weder verjagen oder mediatisiren müsse, werde man auch in einem konstitutionell-monarchischen Staate mit Beschlag belegen müssen, und er sey überzeugt, daß die Kammer dies Verfahren der Regierung nur billigen könne, worauf die Kammer der Ma­jorität nach mit lautem Ja antwortete. Ob die Regierung im vorliegenden Falle nach Recht und Gesetz gehandelt habe, möchte zu bezweifeln seyn.

Schwerin. Die Bauern einiger Rittergüter in der Nähe des Mürizsees haben sich in diesen Tagen mit zahlreichem Ge­sindel aus der Gegend von Waaren zusammengethan, die Schlösser ihrer Gutsherrn geplündert, zerstört, angezündet und dabei gedroht, die Besitzer derselben in die Flammen zu werfen. Ebenso soll man in Dargahn gehaust und das dortige Jagdschloß unseres Großherzogs niedergebrannt haben. Durch dergleichen Gewaltthaten hofft man durchzusetzen, daß in der Folge ein Jeder das auf seinem Felde betroffene Wild todten und behalten dürfe. Von hier aus ist heute ein halbes Jäger-Bataillon, dorthin abgegangen und zur größeren Beschleunigung ihres iEintreffens hat man diese 300 Mann durch Wagen fortschaffen lassen, zugleich aber 1 Schwadron Dragoner und 2 Kanonen beigegeben.

Hamburg, 27. Mai. (Wes.-Z.) Zu den Einleitungen für den Marinekongreß sind die Herren Senator Büsch, Senator Kirchenpauer, Sloman und J. C. Godeffroy zu einer Kommis­sion zusammengetreten und ersuchen die Abgeordneten von ihrem Eintreffen bei einem von ihnen Anzeige zu machen.

Der gestern Abend hier durchgekommene Sohn des Gene­ral Wrangel überbringt die preußische Ratifikation des Waf­fenstillstandes ; da an der dänischen Ratifikation nicht zu zweifeln ist, so muß der Waffenstillstand in den nächsten Tagen eintreten, die Gefangenen und die genommenen Schiffe freikommen und die deutsche Rhederei wieder aufathmen können.

Kiel, 25. Mai. (S.-H. Z.) Die neuesten Privat- und Zei­tungsnachrichten aus Schweden enthalten Folgendes: Im gan­zen Lande wird stark gerüstet. Bis zum 4. Juni ist in Gothen­burg für 5000 Mann Quartier bestellt, die nach Schonen bestimmt sind,wo sämmtliche Truppen, 20,000 M., zum 10. Juni in und bei Helsingborg Zusammentreffen sollen. Eine Allianz mit Ruß­land, das neutral zu bleiben oder wenigstens nicht direkt einzu- greifen erklärt hat, findet in ganz Schweden lebhaften Wider­spruch. Zwölf, nicht mehr und nicht weniger, norwegische Frei­schärler sind durch Gothenburg den früher durchpassirten nachge­zogen. In Stockholm und anderen Orten bilden sich Freischaa- ren, es werden Konzerte gegeben, Sammlungen veranstaltet, Bücher und andere Sachen verauktionirt, Alles für „die gerechte Sache des Brudervolkes." Dennoch sind einige Zeitungen in der spätesten Zeit etwas gelinder geworden.

Die A. Z. schreibt: Eben erhalten wir noch Briefe aus Triest vom 25. Mai. Die Gefahr ist vorüber: die feindliche Flotte hat sich entfernt und ist völlig aus dem Gesichtskreise der Stadt verschwunden. Die Deputation der Konsuln hatte der feindliche Admiral mit den beruhigendsten Ver­sicherungen aufgenommen. Abends ertönten Signalschüsse; man hatte bemerkt, daß die Flotte sich in Bewegung setze; alles rüstete sich zum Kampfe; aber die feindlichen Segel gingen in die hohe See hinaus, statt dem Hafen zuzusteuern.

Frankreich.

□ Paris, 28. Mai. Mehrere Blätter enthalten zwei Protestationen des Herzogs von Bordeaur, Henri V, und eine