. die Anträge auf den Rückzug der „fremden" Truppen ' nicht allein zurück, sondern gab noch in derselben Sache der : Regierung ein Vertrauens-Votum. Hiedurch gestärkt, konnte ; letztere mit größerer Energie auftreten.
1 Die Nachricht der unerwarteten Abstimmung in der Kam- • wer empfing Fickler noch an demselben Tage in Karlsruhe, wo . xr in Begleitung des ehemaligen Lieutenants Willich und eines gewissen Doll hrer eintraf; am andern Morgen, eben als er in teil Seekreis zurückkehren wollte, wurde er festgenommen; seine beiden Begleiter jedoch konnten mit wichtigen Papieren, die sie unterwegs vernichteten, entwischen. Was weiter erfolgte, ist allbekannt: die Verschwörer, in der Angst, gleiches Schicksal mit Fickler zu theilen, entwichen sogleich und sahen sich genöthigt, dort einen Versuch zu wagen, wo man die Aufregung am weitesten getrieben hatte. Unter diesem Umständen ist die gränzenlose Wuth zu begreifen, die bei den Anarchisten gegen Mathy herrscht; sie hatten sich bereits in die seligsten Träume eingewiegt, als ihnen plötzlich das Schwert an der Kehle saß.
' Mathy gebührt das Verdienst, den Staat aus großer Gefahr gerettet zu haben, er bewies bei Weitem mehr republikanische' Grundsätze und Muth, als alle seine Gegner, welche die Auswüchse des Polizei-Staates für sich in Anspruch nehmen und, wie die „fremden" Truppen von der Vertheidigung des Landes, so die eigenen Staatsbürger von der Ergreifung der Verbrecher ausschließen wollen.
Aus Heidelberg, 16. Wonnemonat, ergeht ein „Aufruf zur Theilnahme an einem Verein für deutsche Reinsprache," unterzeichnet von Brugger, Küchler, Hagen, Rötst, Röder, Paulus, Dittenberger und Bachmann-Korbett .Alle G bildeten aller Stände, Männer wie Frauen, werden zur Theilnahme aufgefordert. Wer beitritt, zeigt dies in einem freigemachten Briefe dem Vorstand mit der Erklärung an, daß er den Zweck dee Vereins so viel ihm möglich zu erreichen streben wolle. Dieser Zweck ist „Förderung der deutschen Reinsprache durch Schrift und Wort, indem man deutsche Wörter statt der fremden wo möglich gebraucht. (Daß hiebei den zahllosen Abstufungen von Mehr und Weniger Rechnung getragen und freier Spielraum gelassen werden muß, versteht sich von selbst.)"
Köln, 27. Mai. (K. Z.) Nachdem bereits seit mehreren Wochen die mannigfachsten Vorkehrungen getroffen worden , ist man gegenwärtig damit beschäftigt, die Festung Köln vollständig ^u armiren. Die Forts und die Wälle :c. werden mit Geschützen besetzt, und geschehen alle nöthigen Einrichtmigen, um die Lestung gegen jeden äußeren Angriff in vollständige» Bertheidi- gllngszustand zu setze»; doch werden die Glacis dem Vernehmen mach' vorerst noch nicht raffet.
Cleve, 25. Mai. (Köln. Z.) Vor einigen Tagen war ein Bürgergardist von hier Namens Cosman, in Geschäften nach der vier Stunden von hier entfernten holländischen Stadt Nvmegen gegangen. Als Kopfbedeckung trug er die Bürger- garbisten-Mutze,' welche natürlich mit der deutschen Kokarde geziert war. Kaum hatte er in Nymegen einige Stunden vor dem Gasthofe gestanden, dls ein Major in Uniform und begleitet von einigen Unteroffizieren auf ihn zukam und ihn ifragte, ob er nicht wisse, daß der König von Holland zwar wohl mit dem Könige von Preußen, aber nicht Mit Deutschland in freundlichem Einvernehmen stehe, und idaß oie deutsche Kokarde in Holland nicht geduldet werde. Muf diese barsche Bemerkung erwiderte unser Mitbürger Cosman , daß der König von Preußen die deutschen Farben angenommen habe, und daß eine Beschimpfung derselben auch S Preußen gerichtet sey. Unterdessen kam aber eine große je Volkes herbei , welche unter Ausstoßung von Schimpfreden „Kokarde herunter!" rief, und so gelang denn der tapfern Bevölkerung von Nymegen die Heldenthat , einen einzelnen Deutschen zur Abnahme der Kokarde seiner Nation zu zwingen.
Gewiß werden unsere niederrheinischen Liedertafeln sich -nicht an dem bevorstehenden Sängerfeste zu Arnheim betheili- oen, ohne vorher die Gewißheit erhalten zu haben, daß Deutschlands Banner die gebührende Achtung zu Theil wird.
Stuttgart, 24. Ma:. Der Schw. Merkur enthält einen übersichtlichen Bericht zue Charakterisieüng der kauende» Un= ITuben im Laude. Aus kein Göppiuger und Kirchheimer Bezirk datirt, bezeichnet er kiese Gegenden namentlich als Heerd wildir Zügellosigkeit, welche sich durch Abwertung aller Pflicht-, Vertrags- und Gesetzverhältuisse äußere und das Privateigeutbum -»"gescheut angreffe. Vor allem sey die Waldverwüstnug empörend.
Der Regensb. Ztg. zufolge sollen im Landgerichte Hilpoltstein aus Anlaß der Untersuchung und Bestrafung von
Forstfreveln, der sich das Volk widersetzte, ernsthafte Unruhe ausgebrochen seyn. . Am 23. ging von Regensburg Militär dorthin ab.
Berlin, 25. Mai. Die Katzenmusiken sind ein neuer politischer Dilettantismus der Berliner geworden, der sich, wie bisher unser Kunst- und TheaterdilettautismuS, eine Zeil lang epidemisch feststen zu wollen scheint. Die Landwehr ist bei uns jetzt seltsamerweise der Herd zweier entgegengesetzter Parteien geworden, von denen die Majorität des LandwehrveremS, welche sich kürzlich für eine feierliche Einholung des Prinzen von Preußen entschieden hat, patriotische Serenaden bringt, während die Minorität unmittelbar darauf mit einer Katzenmusik hinterdrein kommt. Dieser höchst pittoreske Szenenwechsel ereignete sich gestern Abend vor dem Hotel des Ministerpräsidenten Camphausen. Die Screnadenpartei machte zuerst ihre Künste, und unter den von ihnen vorgetragenen Liedern hörte man auch einen Hymnus auf den Prinzen von Preußen. Bald darauf erschien die Katzenmusikpartei, die jedoch gestern schon durch ein ansehnliches Kontingent von Lehrburscheu sich verstärkt hatte. (D. A. Z.)
Berlin, 23. Mai. (W. 33 Als ein paar interessante Einzelheiten über die gestrige Eröffnungssitzung des Lanttagtragen wir noch folgende beiden Anekdoten nach: Noch ehe die Sitzung begann, trat einer der Abgeordneten zum Throne heran und nahm den für den Prinzen von Preußen rechts vom Throne leer stehenden SessJ fort, wurde jedoch durch den in der Versammlung laut werdenden Ruf genöthigt, denselben wieder an seine vorherige Stelle zu setzen. Und zweitens: Nachdem der König den Saal wieder verlassen hatte, blieb die Versammlung noch beisammen, um sogleich die Kommission zur Prüfung der Wahlprotokolle durch das LooS zu ernennen. Während dieser Zeit verblieben die Minister auf ihren Sitzen links vom Throne. Es blieb nicht unbemerkt, daß sich während des Wahlgeschäfts der bekannte republikanisch gesinnte Graf Eduard v. Reichenbach lange Zeit hindurch auf einen dieser Mimsterfitze niederließ und viel mit den Ministern sprach. Es trat, so wird erzählt, einer der Abgeordneten jedoch endlich zu ihm heran mit den Worten: „noch ist es zu früh, Herr Graf," worauf dieser sofort den usurpirten Sitz verließ.
Berlin, 25. Maè. Aus ganz authentischer Quelle höre ich so eben, daß Ruhland dem preußischen Kabinet erklärt hat, es werde, sobald Jütland nicht von den preußischen Truppen geräumt werde, diesen Umstand für einen casus belli ansehen.
Berlin, 24. Mai. (K. Z.) , Dem Vernehmen nach beabsichtigt diejenige Oppositionspartei, welche bereits bei der Eröffnungssitzung der Nationalversammlung gegen das Erscheinen der Abgeordneten im Schlosse Protest eingelegt hatte, den Kampf gegen den von der Reg erring vorgelegten VerfassüngscnWürf damit zu beginnen, daß sie der Regierung das Recht zu einer derartigen Vorlage überhaupt bestreitet; denn die Versammlung sey eine konstituirende, sie habe daher, ehe es sich um einen bestimmten Entwurf handle, überhaupt erst über die Staatsform im Ganzen eine Entscheidung zu treffen, und sey dieses geschehen, dann sey es lediglich Sache der Versammlung, die einzelnen Bestimmungen des Verfassungsentwurfes sestzustellen.
Hamburg, 25. Mai, Nachmittags 3 Uhr. (K. 3J Die Bürgerschaft ist beendet und Alles bewilligt. Trotz bedeutender Kämpfe innerhalb der Versaminlung hat der Senat obgesiegt, wenn auch mit geringer Majorität. Um Unruhen zu vermeiden, war man so klug, alle, welche nur 1500 Mark (000 Thlr.) Einnahme haben, von der Steuer zu befreien; somit trifft sie nur den reichen und Mittelstands-Mann.
Hamburg, 24. Mai. Die von den W. G. kürzlich mite getheilte Vorsichtsmaßregel Schwedens, für das Mobilmachen seiner Truppen, so wie für sämmtliche Kriegskosten von Dänemark e i n e g e n ü g e n d e Garantie zu erlangen, findet jetzt auch von Rendsburg aus Bestätigung. Es wird hinzugefW, daß diese Forderung, in Verbindung mit der den Jüten auferlegten Kontribution von zwei Millionen Spezies zwei Grund- schüsse seyen, welche das alte, morsche Staatsschiff Dänemark leicht zum Sinken bringen könnten.
Wien, 23. Mai. (A. Z.) Heute in der Nacht ist Fürst Esterhazy, der Minister, und Hs. v. Pulszky, der Staatssekretär für he auswärtigen Angelegenheiten Ungarns eimrsoits, lind Baron Doblhoff von Seite deS österreichischen Ministerrathrs nach In nsörnck gereist, wo sie um die Person des Kaisers wah- reid wi nes Aufenthalts daselbst verweilen werden. DcrEharakur des Fürsten Esterhazy, wie seine ihm von Pestb aus gegebene Instruktion, und andererseits die entschiedene Besinnung und der energische Geist des Hru. von Drblhof bürgen uns da>ür, daß
