von den Niederlassungen entfernt mehrere große Bären im Walde gezeigt hätten. Einige von uns, nämlich Simon Lorris, Hugh Darling, Jakob Ransom, William Harkless und ich, beschlossen, mit unsern Hunden diese zu verfolgen. Wir jagten die Bären auch glücklich, und ich that den ersten Schuß auf eine große Bärin, die größte, die ich je gesehen, verwundete sie leicht und folgte ihr dann eilends in das Dickicht. Meine Gefährten hetzten die klebrigen nach verschiedenen Richtungen und überließen es mir, mit meiner Beute fertig zu werden.
Mein alter Clinch war todt, und ich hatte jetzt zwei junge Hunde, Clap und Claw, bei mir, denen ich aber bei einem Angdiff des Bären nicht so viel vertrauen konnte. Da ich jedoch das Thier hitzig verfolgte, dachte ich hieran nicht eher, als bis ich mich im Kampfe mit demselben befand.
Ich prahle nicht, wie Ihr wißt, aber das war ein Kampf! Der Bär hatte mich mit solcher Gemalt umfaßt, daß mein Athem fast stockte, und nur der Gedanke an Betty und die Kinder verlieh mir so viel Kraft ihm mein Messer durch den Pelz zwischen die Rippen hinein zu stoßen. Dadurch umklammerte er mich indeß nur fester, und es wäre gewiß um mich geschehen gewesen, wenn er nicht vor mir die Kraft verloren. Erst sank seine Schnautzc gegen meine Brust und dann seine Tatzen, und wie er mich auf diese Weise losließ, fiel ich wie ein Kind nieder. Das Thier stürzte auf mich, doch ohne Kraft, mir noch zu schaden. So lag ich fast eine halbe Stunde, der todte Bär neben mir, war aber fast eben so unfähig mich zu bewegen, als er.
Als ich mich wieder erholte und aufraffte, hörte ich nichts mehr von den Jägern, ich fand mich allein mit meinen Hunden, und die Sonne begann sich zu neigen. Mein Pferd, das ich außerhalb des Dickichts angebunden, hatte den Zaum abgestreift und mußte meiner Meinung nach entweder grasen gegangen oder nach Hause zurückgekehrt seyn.
Diese Entdeckung war gerade nicht erfreulich; wenn ich mich aber auch noch elend von der Bärenumarmung fühlte, überlegte ich doch, daß jetzt nicht die Zeit sey, da stehen zu bleiben und zu stöhnen. Ich streifte deu Bären ab, zerlegte ihn, nahm den Pelz mit mir, und bedeckte das Fleisch mit Baumrinde. Darauf pfiff ich den Hunden und wollte mein Pferd aufsuchen, dessen Spur ich auch eine Zeitlang folgte, bis ich mich sehr ermüdet fühlte. Es schien aus Schreck im vollen Galopp davon geeilt zu seyn, und anstatt nach Hause zurückzukehren, war es nach der niederen Seite des Dickichts gelaufen, und dann seitwärts abgedreht, bis ich seine Spur verlor. Ich fand es nun nutzlos, meine Verfolgung heute zu Fuße länger fortzusetzen und eilte deßhalb so schnell als möglich dem Blockhause zu.
Dies war indeß eine sehr gute Aufgabe, da ich noch sieben starke englische Meilen wandern mußte, und die Sonne schon sehr tief stand. Ich hatte aber jetzt die Bärenschwäche über
wunden, und obgleich mir die Füße müde genug waren, fühlte ich mich doch sonst wieder kräftiger. Die ganze Nacht lag ja vor mir und den Pfad kannte ich genau; so setzte ich meinen Weg denn Wohlgemuth fort, mich hin und wieder ausruhend, meine Kräfte auf's Neue zu sammeln. Ich trug etwas Brod und Zucker in der Tasche, was mich erquickte und für diesen Tag mein ganzes Mittagessen ausmachte.
(Fortsetzung folgt.)
Sinnreiche Marter.
Vor einigen Jahren hatte sich in Rußland ein angesehener Mann einige unbesonnene Aeußerungen zu Schulden kommen lassen. Bald darauf erschien eines Morgens in seinem Wohnzimmer ein Gensd'armerie-Offizier, der ihn in der größten Artigkeit aufforderte, ihm auf das Bureau des Kanzlers zn folgen. Der Aufgeforderte gehorchte auf der Stelle, wie cS Jedem bei ähnlichen Angelegenheiten anzurathen ist, ließ feint Familie mit dem Troste zurück, daß er bald wiederkehren werde, und bestieg einen Schlitten, der seiner vor dem Hause wartete. Er kehrte aber weder an diesem Tage, noch an dem nächsten, noch dem darauf folgenden zurück, seinen Angehörigen aber ging die beruhigende Versicherung zu, daß er gesund sey, daß er mächtige Freunde und Beschützer habe, und daß er ihnen bald zurückgegeben werden würde.
So vergingen jedoch sechs Monate, und noch immer sah ihn seine Familie nicht wieder. Endlich in der Mitte des siebenten Monats erschien er, aber so verändert, daß selbst seine nächsten Angehörigen ihn im ersten Augenblick nicht wieder erkannten. Seine sonst von der Nöthe der Gesundheit gefärbten Wangen waren bleich und eingefallen, die Fülle seines Körpers war verschwunden, und seine Augen lagen malt und erloschen in ihren Höhlen. Er konnte sich über die ihm widerfahrene Behandlung nicht beklagen; im Gegentheil, cd war ihm eben noch bewiesen worden, daß sie nur eine freundliche Ermahnung gewesen war. Dennoch aber hatte sie ihn in diesen Zustand versetzt. — Er erzählte davon Folgendes.
Kurz nachdem er vom Hause fortgeführt worden war, brachte man ihn in ein dunkles Gemach. Mit Einbruch ter Nacht wurde er gefesselt und in eine Art von Kasten auf einen Schlitten gesetzt, wie man sich deren im Winter zum Transport von Gefangenen zu bedienen pflegt. Ein Gitter in dem oberen Theil des Kastens ließ den matten Widerschein des Schneelichts hineinfallen, gestattete aber keinen Blick auf die Gegend, durch welche ihn die Pferde die ganze Nacht hindurch in beflügelter Eile zogen. Eine oder zwei Stunden vor Tagesanbruch machte das Fuhrwerk Halt; man verband ihm die Augen und brachte ihn wieder an einen VerwahrungSort. Die ganze folgende Nacht fuhr er wieder durch, um dann in einem andern Gefängnisse zu schlafen, und seine Furcht sagte
