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etblätter

zur Nassauischen Allgemeinen Leitung

für Literatur, Kunst und gemeinnützige Interessen.

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Samstag den 27. Mai

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L e n a t e tv »

Eine Erzählung von W. G Simms.

(Fortsetzung.)

Meine Hütte war drei Meilen entfernt, und Ihr könnt glauben, daß ich keine geringe Mühe hatte, sie mit meiner Last zu erreichen, und nicht wenig ermüdet war, als ich den armen Burschen bei meinem Feuer niederlegte. Ich weckte meine Betty, und wir bemühten uns nun beide, ihn wieder zum Leben zu bringen. Sie schnitt ihm das Haar ab und ! wusch ihm das Blut vom Kopfe, der bis auf den Schadel­knochen entweder mit einem Messer oder einer Hacke gespalten war. Es schien ein Wunder, daß es nicht bis in'S Hirn ge­drungen, denn gezielt war gut genug. Als wir seine Kleider 1 öffneten, fanden wir eine zweite tiefe Wunde in der Seite, die von einem Messer betrührtc. Sein ganzer Anzug war mit Blut getränkt. Da wir nber nicht viel von der Heilkunde verstanden, so wuschen wir feine Wunden nur mit etwas Rum und Wasser aus, und flößten ihm von ersterem ein wenig ein, worauf er lauter anfing, zu stöhnen, ein Beweis, daß mehr Leben zurückkehrte. Wir rieben nun seinen Körper mit war­men Tüchern und gaben ihm, als er sich leise zu regen be­gann, reichlich Wasser zu trinken. Dies schien ihm wohl zu thun ; wir hüllten ihn darauf warm ein, und ich streckte mich an seiner Seite neben dem Feuer hm."

„Es würde mich zu lange aufhalten, wenn ich Euch er­zählen wollte, wie er sich langsam nach und nach erholte. Ge­nug , wir stellten ihn in kurzer Zeit wieder völlig her, ohne gerade mehr für ihn zu thun, als wir im Anfänge gethan. Es war ein guter Bursche, obgleich im Anfänge sehr scheu, so daß er kaum wagte, uns anzublicken. Ich glaube, wäre er fähig gewesen, die Hütte zu verlassen, er würde es den ersten I Augenblick gethan haben, wo er sich bewegen konnte. Er war iS aber zu schwach, einen solchen Versuch zu machen, und wurde auch bald durch unsere Freundlichkeit gegen ihn beruhigt. Nach und nach begann er mit der kleinen Luzie zu spielen, die da­mals kaum sechs Jahr alt war, und schien dadurch bald am

meisten erheitert. Auch das Kind, nachdem es seine erste Furcht überwunden, schloß sich dem Knaben an, und spielte so gern mit ihm, als wenn er ein Weißer gewesen wäre."

„Er wußte schon anfangs einige englische Worte, und. lernte schnell sich auszudrücken; obgleich er aber für einen In­dianer ziemlich mittheilend war, konnte ich doch von ihm nicht erfahren, wie oder von wem er verwundet worden. Seine Stirn verfinsterte sich, wenn ich davon sprach, und er preßte seine Lippen zusammen, als ob er eher kämpfen als reden möchte. Ich drang daher nicht weiter in ibn, überzeugt, dast früher oder später die Sache sich doch einmal aufklären werde?"

Drittes Kapitel.

„Sechs Wochen mochte der Knabe auf solche Art bei uns zugebracht haben, und fühlte sich wohl mit jedem Tage besser, war aber doch noch zu schwach, als daß- er die Niederlassung hätte verlassen können. Während biefer Zeit nahmen die Un­ruhen der Indianer zu, und obgleich in unserer Nachbarschaft noch kein Blut vergossen worden-,- sa hörte» wir doch von allen Seiten von morden und skalpiren, und konnten uns darauf gefaßt machen, daß auch an uns die Reihe kommen werde. Wir trafen unsere Vorbereitungen, nahmen Munition ein und hielten abwechselnd Wache. Endlich schienen sich die Indianer auch unserer Gegend in Menge zu nähern; Jakob Ransom war auf eins ihrer Lager gestoßen, das sie damals eben erst verlassen, und wir hatten Ursache, das Schlimmste zu fürchten, besonders da sie sich nicht offen sehen ließen, sondern nächtlich von Ort zu Ort zogen und unsere Hütten heimlich umschlichen, oder im Dickicht versteckt lagen."

„Eines Abends, als ich wie gewöhnlich von Clinch be­gleitet ausging, die Runde zu machen, und mich nur erst wenige Schritte von der Pforte entfernt hatte, stand der Hund still und bellte dunpf. — Jetzt wußte ich, daß Gefahr vorhanden sey, wendete ruhig um, ohue Eile oder Furcht zu zeigen, und erreichte noch glücklich das Blockhaus. Doch kaum hatte ich die Thür geschlossen, als die Indianer herbeieilten, wüthend, daß ihr Anschlag mich zu überraschen mißlungen war. Nur dem scharfen Geruch meines treuen Clinch hatte ich zu ver-