lokale beschränkten, die sich aber seit gestern zu einem erbitterten, allgemeinen Kampf umgestaltet haben. Der Hauptkampf war in der Gegend des Markts und in der Ludwigsstraße, und er wurde von Seite der Bürger und des Militärs mit großer Erbitterung geführt.
Von der Mosel, 17. Mai. (Aach. Z.) Nach langem Harren und Drängen ist endlich unter dem jetzigen volksfreundlichen Ministerium die Weinsteuer für 1847 den armen Winzern an der Mosel erlassen worden.
Prag, 19. Mai. (D. A. Z.) Der gestrige Abend entschied über das Schicksal der Anschluß frage Böhmens an Frankfurt. Diese rasche Entscheidung, und die Art und Weise derselben, dankt man dem furchtbaren Terrorismus, der gegenwärtig in Wien herrschenden Partei nicht minder, als den fulminanten Kriegserklärungen der deutschen Presse. Nur die energischste Besonnenheit der Führer und die herrschende Meinung, man wünsche in Deutschland sehnlich, daß von Seite der Böhmen irgend eine Unbesonnenheit begangen und dadurch ein willkommener Anlaß zur Intervention, unter dem Vorwande des Schutzes der hiesigen Deutschen, gegeben werde, hat bisher die Ruhe aufrecht erhalten und selbst Diejenigen geschützt, welche hier offen im gleichen Sinne arbeiteten.
Seit gestern Abend ist dies anders; von da an ist eine ernstliche Ruhestörung nicht mehr möglich, denn wir haben nicht mehr zwei Parteien, es gibt nur noch ein einziges Volk, die Böhmen, und der Deutsche und der Czeche sind seit gestern Abend wärmere Brüder als je. Als nämlich gestern das Landespräfidium in Folge eines in der Mittagszeit eingetroffe- nen Hofkouricrs durch Ankündigung an den Ecken bekannt machte, wie in Folge der erschütternden Bewegungen in Wien der Kaiser sich veranlaßt gesehen habe, die Residenzstadt mit der ganzen Familie, besonders auch der Erzherzog Franz Karl, in aller Stille und zwar mittels eines Dampfbootes, zu verlassen, weil man eine Abreise auf der Eisenbahn nicht für räthlich hielt: so erfüllte diese Nachricht die ganze Stadt mit der tiefsten Betrübniß und Entrüstung zugleich. Die Bewohnerschaft versammelte sich truppweise auf den Straßen, die Nationalgarde, die Studentenlegionen und alle übrigen Korps traten zusammen, und bald erscholl aus jedem Munde der feurigste Wunsch, den Kaiser nach Prag zu bitten, wie bereits der Nationalausschuß in einer öffentlichen Sitzung sich auf das entschiedenste ausgesprochen hatte. Während das Landespräsidium sogleich durch eine Estaf- fefte nach Linz, wohin der Hof einstweilen sich zurückgezogen, die beruhigendsten Erklärungen über die Sicherheit in Prag, und die allgemeine Bitte der Bürgerschaft in obigem Sinne zugleich mit der Erklärung meldete, Böhmen werde die ihm durch die geschehenen Ereignisse zugewiesene Stellung zu des Kaisers Person auf der einen, und zu dem von einem Theil der Wiener bedrängten Ministerium auf der andern Sette zu wahren wissen: erschienen drei Mitglieder der böhmischen Bürgerressource in der kaufmännischen Ressource, um gleichsam als die stärkeren die Hand zum Verständniß zu reichen, und wurden mit außerordentlichem Jubel ausgenommen, worauf sie alsogleich mit einer Deputation der kaufmännischen in die Bürgerressource zurückkehrten.
Hier ward die Verständigung auf die feierlichste Weise pro- klamirt, und jede Schranke, die uns trennte, niedergerissen. Man wollte aus beiden Ressourcen sogleich mit einer großen Deputation nach der adeligen Ressource zu gleichem Zweck abgehen, verschob es aber wegen allzu später Stunde auf den nächsten Tag. Kaum war dies geschehen, als zwei Herren des Adels im Namen ihrer Ressource erschienen und ganz dieselben Gefühle und Entschlüsse der Bürgerreffource erklärten. Man kann sich den Sturm der Begeisterung kaum denken ; Jedermann fühlte den großen Moment in seinem vollen Gewichte und sah, daß von jetzt an eine neue Zeit sich datirt. Während dessen versammelte sich ein großer Theil der Nationalgarde, der Legionen in der Aula, und berieth sich über die Absendung einer Deputation an den Kaiser nach Linz. Nach außerordentlich stürmischer Debatte ward die Sache bis auf weiter verschoben, wo um 9 Uhr der Nationalausschuß außerordentlicher Weise zusammentritt. Jedenfalls wird die Deputation hier bleiben, da während dessen offiziell angezeigt ist, daß der Kaiser sich nach Tyrol zurückgezogen. —
Frankreich
□ Paris, 21. April. Vor dem Montesquieu-Tanzsaale, in welchem Raspail seinen Klubb jeden Sonnabend Abend zu halten pflegte, fand gestern ein Zusammenstoß zwischen Klubbgliedern und der Bürgerwehr statt. Etwa zweihundert Arbeiter
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. — Druck und Verlag
stellten sich wie gewöhnlich gegen 8 Uhr ein, fanden jedoch den Saal geschlossen. Sie verlangten vom Wirth, daß er ihn öffne, was die National- oder Bürgerwehr nicht zugeben wollte. Es kam zum Streit, von Worten zu Kolbenstoßen. Im Nu waren nahe an zweitausend Nationalgardisten herbeigeeilt, um das Häuslein Proletarier zusammenzuhauen. Gegen 11 Uhr war indessen Alles vorüber. Die Klubbsglieder, die Anfangs der Gewalt gewichen waren, kehrten auf Umwegen zurück, stimmten revolutionäre Lieder an und riefen zu wiederholten Malen: Es lebe Raspail! Es lebe Barbös!
Die National-Versammlung hält heute keine Sitzung, sondern jubelt auf dem Marsfelde inmitten der überglücklichen Pariser Bürgerschaft.
Papst Pius IX. hat angeblich einen Brief an einen unserer schwärzesten Repräsentanten" (Montalembert?) gerichtet, aus welchem „La Presse" Auszüge liefert, die beweisen, daß der j Papst nicht ganz die Ansichten Lamennais in Bezug auf das künftige Verfassungswerk Frankreichs theile.
G r i echenlaud
Die neuesten Berichte aus Athen, welche bis zum 7. reichen, , entwerfen ein trauriges Bild von dem Zustande des griechischen Königreichs. Der ganze nördliche Theil desselben ist in den Händen der Aufrührer Valenza und Papakosta, welche an der Spitze von albanesischen Horden das Land durchziehen und ihren Weg durch Raub und Greuelthaten aller Art bezeichnen. Auch Kalergis, Grivas und Griziotis haben bereits ihre Ankunft und die Absicht angekündigt, die gegenwärtige Regierung zu stürzen. In Athen selbst herrscht die größte Aufregung. Die Volksführer fordern offen zur Empörung und zum Umsturz des Thrones auf. Die Regierung steht diesem Treiben rath- und machtlos gegenüber. Die wenigen Truppen, die ihr * zu Gebote stehen, hat sie größtentheils in die Provinzen geschickt, a wo sie den täglich anwachsenden Rebellenhaufen gegenüber Nichts h auszurichten vermögen, und auf die zurückgebliebenen kann sie c nicht einmal mit Zuversicht rechnen.
Allem Anschein nach geht das Land einer Krisis entgegen, deren Ziel und Tragweite sich nicht berechnen läßt. Am 5. wurde auf I den türkischen Geschäftsträger, Herrn Mussurus, ein Mordanfall ti gemacht, welcher der Negierung wahrscheinlich neue Verwickelun- g gen bereiten wird. Ein griechischer Jüngling feuerte auf ihn a eine Pistole ab, wodurch ihm der Arm zerschmettert wurde. Privatrache soll der That zu Grunde liegen; aber die Parteileidenschaft hat sie schnell zu einem politischen Akt gestempelt, für den " man die Regierung verantwortlich macht. Sir Edmund Lyons d hat sich bereits der Sache bemächtigt, und scheint dieselbe in ge- g wohnter Weise ausbeuten zu wollen; wenigstens erzählt man § sich von einer Note desselben, in welcher nicht nur die Regie- i rung, sondern auch der König auf's gröblichste beleidigt seyn ' soll. Da sich der Mörder im Gefängniß befindet, so wird die ^ Untersuchung den wahren Beweggrund seiner That an's Licht u bringen, wenn er nicht mittlerweile vom Volke mit Gewalt be» 6 freit wird. b
Nachschrift $
* Wiesbaden, 24. Mai. Ständeversammlung unter dem g Vorsitze des Alterspräsidenten PH. Müller. Der Abgeordnete bi Schenk hatte ein Urlaubsgesuch eingeschickt, da er durch die Nationalversammlung in Frankfurt verhindert sey, den Sitzungen der Kammer beizuwohnen. In Bälde werde er sich darüber . entscheiden, ob er der einen oder der andern Versammlung seine ausschließliche Thätigkeit widmen werde. "
Ein Antrag des Abg. Bertram aus Gründung einer Kreditkaffe zur Unterstützung von Gewerb und Handel wird g schriftlich übergeben zu späterer Diskussion. Außerdem schlägt . der Alterspräsident vor, einen Abzug an den Diäten der Ab- geordneten zu machen, nämlich die Tagesdiäten für den Präsidenten auf 10 fl., der Sekretäre auf 7 fl., der übrigen Abgeordneten auf 5 fl. berabzusetzen. Dieser Antrag wird der Kommission für die Geschäftsordnung übergeben.
Die Tagesordnung führte hierauf zur Berichterstattung über die Wahlakten, soweit dieselben bereits vorliegen. Bei der Wahlmännerwahl von Niedcrjoöbach war statt geheimer Wahl nach dem Protokoll vielleicht eine offene vorgenommen worden, allein die Versammlung beschloß demnngeachtct, die betreffende Wahl als nicht beanstandet anzuschen.
Bei der Wahl eines Präsidenten erhielt Schenk 27, Wirth 25 und Gergens 14 Stimmen. (Schluß morgen.) der L. Sch eilen bergischen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden,
