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erlitten , sein Ende erreichen werde , scheint von Neuem in die Ferne gerückt, wozu auch die jüngsten Ereignisse in Paris ge­wiß nicht wenig beitragen werden. Wir müssen hierbei vor Allem in Anschlag bringen, daß die sämmtlichen polnischen Grund­besitzer der Provinz ihr gesammtes Vermögen daran gewagt haben, um dem Kampfe eine möglichst große Ausdehnung zu geben; sie haben auf ihre Güter unter den größten Opfern bis auf den höchsten verschuldbaren Werth Hypotheken ausgenommen sie haben ihre Papiere und namentlich auch ihre Pfandbriefe zu jedem Preise losgeschlagen, sie haben ihre ganzen Gold- und Silbergeräthschasten einschmelzen lassen, um nur in den Besitz von baarem Gelde zu kommen; kurz, die Verhältnisse liegen so, daß, wenn der Friedenszustand wieder hergestcllt wird, fast alle Grundbesitzer bankerott sind und aus ihren Gütern wandern müssen. Deßhalb führen sie den Kampf aus Tod und Leben fort und setzen alle Mittel in Bewegung, sich französische Hülfe zu verschaffen. Wie weit ihnen dies gelungen ist, davon zeugen die letzten Pariser Vorgänge.

Berlin, 20. Mai. (D. A. Z.) Die neueste Nachricht aus Wien, welche gestern schon, jedoch unverbürgt, hier ver­breitet war, hat hier eine nicht geringe Bewegung hervorgebracht. Am auffallendsten erscheint es, daß nach Wiener Berichten die plötzliche Abreise der kaiserlichen Familie mit einer Nachricht in Zusammenhang gebracht wurde, nach welcher der König von Preußen geflüchtet, die Republik in Berlin proklamirt und eine provisorische Regierung niedergesetzt seyn sollte. Flugblätter brachten die Wiener Ereignisse heute früh zu allgemeinster Kenntniß.

Reisende, welche aus Warschau hier eingetroffen sind, versichern, daß dort starke Patrouillen die Straßen durchziehen, welche nicht gestatten, daß drei Menschen zusammen stehen. Abends nach 10 Uhr darf Niemand ohne besondere Legitimation ausgehen.

Posen, 18. Mai. (D.A.Z.) Mieroslawski befindet sich noch auf unserer Festung in Haft. Der Partisanenführer Krotowski ist dem Zivilgericht übergeben und bereits in das hiesige Kriminalgefängniß eingeliefert. Das von ihm nur angedrohte vehmgerichtliche Verfahren scheint schon wirklich in Ausführung gebracht zu seyn, weil von verschiedenen Seiten Nachrichten darüber eingehen, daß heimliche Mordthaten vorge- ällen sind. So ging gestern hier die Meldung ein, daß im tanczewer Walde, zwei Meilen von hier, drei, nach andern uns Leichen wohlgekleideter Männer aufgehängt gefunden wor­den; in Einem will man einen Gutsbesitzer erkannt haben. Indessen kann diese Nachricht nicht verbürgt werden.

Hamburg, 19. Mai. Die seit gestern sehr bestimmt ge­gebenen Nachrichten von einem schon so gut wie abgeschlossenen Frieden und den bereits abgefeuerten „letzten" Kanonenschüssen erweisen sich heute als unbegründet.*) Uebrigens ist eine Ordonnanz, welche den Frieden als definitiv bevorstehend ver­kündete, wirklich durchgekommen. Ein Helgoländer Schiffer be­hauptete, der vor einigen Tagen ans Land gestiegene Kapitän Meyer von der Fregatte „Gefion" habe erklärt, während drei Wochen keinerlei Feindseligkeiten wider deutsche Schiffe zu ver­üben ; hieraus ließe sich wenigstens ein Schluß auf Waffen­stillstand ziehen.

x, Prag, 18. Mai. (D.A.Z.) Die Wahlen nach Frank- furt, der wahre Erisapfel unserer Parteien, werden wahr- / scheinlich nur wenig zahlreich ausfallen; ganze Gemeinden, Dominien und Städte protestiren dagegen, weil man nicht ohne , Grund annimmt, der nächste Landtag werde den Absendern der * Deputirten auch die Kosten ihrer Mission zu tragen überlassen, 11 da sich das Land von Seiten des Nationalausschusses dagegen verwahrt hat. — Eine Zeitung in deutscher Sprache c für slavische Interessen wird vom 21. Mai ab täglich erscheinen; man nennt Dr. med, Caspar und den Dr Jor- w dan als die Leiter derselben. —

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Wien, 18. Mai. (D. A. Z.). Die heutige Wiener Zeitung sagt, daß Gerüchte umlaufen, der Kaiser wolle fort; aber, ruft ie sie, diese Entfernung stehe gleich mit der Flucht Ludwig XI. . Der letzte Tag des Hierseyns des Kaisers wäre zugleich der erste Tag der Republik. In demselben Moment, als diese Zei- n, Ang ausgegeben wurde, 7 Uhr, wurde auch das Plakat anae- , schlagen, daß der Kaiser den Abend vorher abgereift, unbekannt 1, Min.

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Aus der mit heutiaer englischer Post angekommenen Times ersehen wir, daß General Wrangel, bevor nicht die Dänen alle genommenen Schisse wieder heransgegeben haben werden, von den Präliminarien zu einem Friedensschlüsse, folglich auch von der Räumung Jütlands, nichts wissen will.

Der Wirrwarr ist heute hier fürchterlich, nur mit der größ­ten Anstrengung können durch starke Patrouillen der National­garde Menschen vor dem Zerrissenwerden geschützt werden; wäh­rend ich tue ersten Zeilen dieses schrieb, war das Volk gerade damit beschäftigt, den Redakteur der Konstitution zu zerreißen' am Graben gelang es vorher nur dem wiederholten und ener! glichen Einschreiten von verschiedenen Seiten herkommender Pa­trouillen, Einen zu retten, der ebenfalls, so wie Höfen, die Republik össentlich ausrief und an den Laternen aufachänat wer­den sollte. "

Soeben wird Erzherzog Johann als provisorischer Präsident der Republik durch Plakate proklamirt; andere Parteien reißen die Plakate ab und wollen die Austheiler und Anschläger der­selben aufhängen. Neuer Tumult, man arretirt viele Personen, ein Wagen (Stellwagen) voll wird eben in's Kriminalgebäude geführt; Deputationen von den 80—100,000 Arbeitern, welche mit Schaufeln, Hacken, Spaten in den Vorstädten und vor den Linien stehen, kommen herein und fragen im Nainen ihrer Ka­meraden bei den Studenten an , ob ihnen vielleicht Jemand etwas thun will und ob sie zur Hülfe kommen sollen. (Die könnten wir gerade noch brauchen; denn dann würde es aus einem poli­tischen ein Kampf um den Besitz.)

Eben war ich aus und hörte am Graben ein gräßliches Gebrüll: Hängt ihn, hängt ihn! Ich dringe durch; wer war es: Tuvora, der Redakteur des Freimüthigen. Wahrscheinlich hatte er auch Republik proklamirt. Ich konnte ihn nicht retten; uniformirte Bürger eilten herbei und retteten ihn in's Polizei- gebäude.

Donaufürstenthümer

Hermannstadt, den 5. Mai. (D. A. Z.) Die Ungarn lassen ihre Absicht, sich ganz von Oesterreich loszureißen, nur zu deutlich durchblicken; sie bemächtigen sich aller Kaffen und Gelder, die das Land passireii, so wie der Waffen und Muni­tion; kurz, Ungarn wird sich durch seine Treulosigkeit den Un­willen aller Völker zuziehen und die Nemesis wird nicht aus- bleiben. — Die Kroaten sagen sich gänzlich von Ungarn los, bald wird das Letztere sich in der kritischsten Lage sehen und zu spät bereuen, daß es die Nachsicht des Kaisers so sehr ge­mißbraucht hat und von einer anmaßenden Forderung zur andern gegangen ist, bis zu dem hochverrätherischen Entschlusse, mit dem es sich augenscheinlich beschäftigt und der nicht zu ver­kennen ist.

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Von der russischen Grenze, 15. Mai. (B. Z.) Da sich in den Gewölben der Expedition der Neichskreditscheine wiederum ein beträchtlicher Vorrath klingender Goldmünze und Sil­berbarren angesammelt hatte, welcher bis zum Werthe von 8,678,569 R. S. gestiegen war, so wurde am 1. Mai diese Metallmasse in den Reservezewölben der Petersburgischen Festung zugleich mit einem über den ganzen Vorgang ausgefertigten Dokumente niedergelegt. Diesem Dokumente zufolge beläuft sich der gegenwärtig in den gegannten Reservegewölben niedergelegte -Fonds der Reichskreditscheine mit Einschluß des zuletzt eingetra­genen Kapitals auf 115,678,595 R. S.

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Strasburg, 22. Mai. (11 Uhr Vormittags.) Tele­graph! sche Depesche. Paris, 21. Mai, 5 Uhr Abends. Der Minister des Innern an die Kommiffarie« der Republik. Das Fest ist prachtvoll. Das herrlichste Wetter begünstigt diese Feier. Der Enthusiasmus ist allgemein; mehr als 300,000 Bürger, Deleakte der Departements, Nationab­garde, Linientruppen und Kavallerie, mobile Nationalgarde, verschiedene Korporationen von Arbeitern u. s. w. defitirten vor den Mitgliedern des Erekutivkomites und den Vertretern des Volks unter dem Ruf: „Es lebe die Republik, es lebe die Nationalversammlung!" Das Defiliren währt fort. Die vollkommenste Ruhe hat nicht aufgehört zu herrschen.

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Maestricht, 19. Mai. (K. Z.) Das „Journal de Lim- bourg" berichtet unter diesem Datum, daß am 18. Mai Nach­mittags ein außerordentlicher Kourier aus dem Haag dort ange­kommen war mit Depeschen, nach deren Empfang der Gouver­neur gleich die deputirten Stände zusammenberief. Das Journal fügt hinzu, daß man in Macstricht eine Proklamation an alle Gemeindeverwaltungen und sonstige Behörden erwartet, in wel­cher die Regierung erklären würde, daß die iii^exlautu> scheu Gesetze und die niederländische Gewalt allein in Linlburg gelten.