- dann flugs — es ist nur eine gute halbe Stunde Wegs — t katholisch in Hasselbach, kopulirte nach Luthers Weise hüben, e nach des Papstes drüben. .Md so ging das eine ziemlich > I lange Zeit.
: ; Da kam aber unversehens eine protestantische Kirchenvi- ! t sitation in's Weilthal, und die Herrn Visitatoren hörten Izu ihrer großen Verwunderung diej Geschichte von dem zwie- i; schlâchtigen Pfaffen, fragten ihn, warum er das gethan und t' wollten ihm den Dienst aufsagen. Der Pfarrer aber entschuld I hißte sich, indem er sagte, man habe ihn gezwungen, auf k beiden Achseln zu tragen, obgleich Einen doch Niemand zu so ; [ etwas zu zwingen vermag, wenn man nicht selber gezwungen ; I seyn will, und gelobte, sich zu bessern. Wann und wie er das
I nun gethan hat, davon erzählt die Chronik nichts.
t Anno Domini 1848 iftj abermals eine Reformation in's -1 Nassauerland gekommen. Darob geriethen zum zweitenmal p I gar viele in große Verlegenheit, ja es geht ihnen geradezu , wie dem Pfarrer von Rod und Hasselbach. Sie möchten es 1 gar zu gern mit der neuen Lehre halten und möchten doch , s auch anderseits das Messelesen nicht verloren geben. Denn
8 wer weiß, was geschieht. Die neue Zeit ist noch gar jung, , und vielleicht so schnell, als man von Rod nach Hasselbach
1 geht — es ist nur eine gute halbe Stunde Wegs — ist die
" alte Zeit wieder da. Ein guter Familienvater macht's wie
> jener Pfarrer von Rod an der Weil und sorgt für alle Fälle, h Jetzt, wo diese Leute hüben das Evangelium predigen, sind sie
furchtbar liberal, Reaktions-Riecher von der feinsten Nase; it gestern als sie drüben die Messe lasen, da war's nicht anders, t als ob sie sich todt schlagen ließen, auf den alten Glauben, ß Und wenn einmal eine Visitation kommen sollte, dann werden h Isie sagen, man habe sie gezwungen, liberal und servil zu « gleicher Zeit zu seyn, und werden hoch und theuer geloben, sich zu bessern. Ob's aber wirklich geschieht, davon wird abermals die Chronik nichts weiter melden.
Anno Domini 1536 und Anno Domini 1848 — — die Welt ist just um dreihundert Jahre älter geworden, gar viel ist ausgestorben, — nur diese Art nicht, die auf beiden Achseln trägt, im Gegentheil, sie ist fruchtbar gewesen uud n scheint sich gemehrt zu haben gegen damals, und schier so stark wie die Jahre sich gemehrt haben: im Verhältniß von rins zu dreihundert!
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t Ä Ans der Pa n lskirche
er (Schluß.)
re Frankfurt, 18. Mai. Die Leute machen sich zum großen je Theile sonderbare Einbildungen über die Thätigkeit des Reichs- is llags. Sie erwarten in den ersten Tagen die ungeheuersten er Resultate, sie vergleichen wohl gar schon die trockene erste d, Sitzung mit dem bewegten Schauspiele, welches das Vorpar
lament bot, und beginnen den Reichstag viel weniger „inte* ressant" zu finden. Wenn die eigentlichen Parlaments- Verhandlungen erst recht beginnen, dann wird dieser große Haufe schon müde seyn, dieselben anzuhören oder zu lesen. Gerade so ging es auch im vergangenen Jahre beim preußischen vereinigten Landtag.
Wenn aber die Versammlung, namentlich was die schwierige Frage eines Reichsgrundgesetzes betrifft, den einzig sichern Weg gehen will, dann fängt sie bei dem Aeußer li chsten an und ist sie im Entwurf ihrer Neubildungen von da stufenweise zum immer Größeren und Umfassenderen fortgeschritten, dann wird sie zuletzt bei den Schlußfragen über Kaiser und Reich angelangt seyn und die Lösung bereits Halbwegs fertig haben, noch ehe sie dieselben in Angriff nimmt. Nur so ist ein wirkliches Resultat möglich, nur so wird man sich einigen in einer Sache, bei welcher bis jetzt Anfang und Ende noch nirgends abzusehen ist, ja bei der man noch nicht einmal auf irgendwelcher Seite eine ordentliche Handhabe finden kann, um sie tüchtig anzupacken.
Beim Vorparlament hat das Publikum auf den Gallerien das Klatschen, Zischen und Bravorufen gelernt; es scheint diese Unart — und eine Unart ist's und man muß jedes Ding beim rechten Namen nennen — auch in den Reichstagssitzungen nicht vergessen zu wollen. Wir hoffen aber, der deutsche Reichstag werde seiner Würde eingedenk seyn und entschieden dagegen pro- testiren. In den Kongreßverhandlungen von Nordamerika oder im englischen Parlament würde der Präsident gegen eine solche Taktlosigkeit mit allen Mitteln auftreten, er würde die Freiheit der Verhandlungen für beeinträchtigt erklären, und so ist â-auch^J Der deutsche Reichstag ist keine Komödie. Wenn aber die Zuhörerschaft eine Zeit lang aws Klatschen und Zischen sich gewöhnt hat, dann wird sie auch bald die ganzen Verhandlungen vom Standpunkte eines Schauspiels betrachten. Und wer die stärksten Lungen hat und die gewaltigsten Phrasen machen kann, der ist der Herr.
Hier in der Stadt ist man sehr gespannt auf das Eintreffen des Bischofs Arnoldi. Ich glaube, es gibt keinen Ort in Deutschland, wo eine solche durchgängige zärtliche Freundschaft für diesen Mann herrscht, wie gerade hier in Frankfurt. Die Sachsenhäuser sollen ihm bereits allerlei Ehrenbezeugungen zugedacht haben. Wir wünschen, daß sie dieselben in der Tasche behalten möchten, denn der Reichstag soll frei seyn, und es wäre sehr schlimm, wenn man von irgend einer Seite Einschüchterungen mißliebiger Personen versuchte. Dann würden diejenigen Gauen, welche diese Männer zu ihren Vertretern erwählt, leicht dazu kommen, die ganze Gültigkeit des Reichstages anzutasten, und das wäre sehr schlimm.
Wie ein Gespenst ging heute am Eröffnungstage hier die Sage um, daß Hecker verkappt in Hanau oder in Offenbach angekommen sey. Man sieht, Hecker ist bereits eine mythische
