Einzelbild herunterladen
 

Beiblätter

zur Nassauischen Allgemeinen Leitung

für Literatur, Kunst und gemeinnützige Interessen.

M 51. Montag den 22. Mai 18X18.

Eine Werbergefckichte

(Fortsetzung.)

Jakob zuckte die Achseln. „Mein Schwestersohn Peter hat um die Stelle geschrieben," sprach er dazu: „auch müßtest Du wenigstens dreihundert Gulden besitzen, um Haus und Gerech­tigkeit antreten zu können, Du armer Schlucker."

Jörgel lachte, blinzelte gegen Nischen hin und entgegnete: „Auch davon haben wir gesprochen ..." — „Schon gut," unterbrach ihn der Meister, dem längst schon ein Licht aufge­gangen war, „wir wollen morgen mehr davon reden. Jetzt geh' in Deine Esse, und Du, Jungfer, in Deine Küche. Wir ’ haben hier andere Dinge zu besprechen."

Gehorsam entfernten sich die Beiden. Laver hatte zuvor kein Auge von der jungen Dirne verwendet, und nun ihr nach- stârrend, sprach er vor sich hin: „Wie schon ist sie in den paar I Jahren geworden, und ich blöder Thor wagte nicht einmal, Der Jugendgespiklin Hand zu fassen, die alte Bekanntschaft zu er­neuern? Ein Körnet und blöde! Gott bessert." — „Der Schaden ist nicht groß," meinte Jakob: „komm' der Herr Nach­mittags zu einem GlaS Wein. Meine Alte wird sich freuen, E Ihn zu sehen, und da kann Er die Bekanntschaft nach Her- zenslust erneuern. Doch für jetzt wollen wir das Geschäft zur Hand nehmen." — „Fürwahr," rief Laver: „schier hätj' ich's 3 Vergessen. Der Herr Hauptmann muß mir meinen Bruder herausgeben. Auf der Stelle, sag' ich, oder der Strahl erschlag' I ihn!"

Poffow sah voll Erstaunen den andern an, dessen Rede er nur halb und halb verstand. „Mach' der Herr nur keine Umstände," fuhr Laver fort: „meinen Bruder heraus, sag' ich, und zwar auf der Stelle. Ich will den Paul der Großmutter zum Mittagessen mitbringen." — „Weiter nichts? " fragte der Hauptmann spöttisch. — „Freilich sonst nichts," beschied der Körnet. — „Nun denn," fuhr jener fort: „so wird die Alte 1 heut' fasten, und wär' sie die leibhaftige Großmutter des Gott- | seybeiuns."

Wenn der Hauptmann Trumpf spielte, so war der kaiser­

liche Reiter seinerseits zum Bekennen nicht faul. Die Herren geriethen mit spitzen Worten und groben Redensarten hart an­einander, ohne auf Jakob zu hören, der immer drein sprach: sie verständen sich nicht und möchten doch ihn zum Dolmetscher annehmen.

Eben waren die beiden Kriegsleute drauf und dran, vom Leder zu ziehen, als des Werbers Feldwebel hereinkam: ein stattlicher Bursch, aufgeputzt mit allerhand Flitter und Flunker­zeug, wie ein Schlittengaul, nach der Werber Gewohnheit. —

„Blitz und Hagel," wetterte der Eintretende: „da komm' ich ja grad' recht, einen Kerl kalt machen zu seifen." Worauf Laver: „ Nur heraus mit der Fuchtel, uud wenn Ihr euer sechse wärt."

Jakob trat zum Fenster. — .„Die Leute laufen schon zu­sammen," rief er aus: „und wenn Ihr nicht Ruhe gebt, ruf' ich Bürgerhülfe. Zwei gegen Einen? Das wäre sauber!" — «LajD-steckm^ wandte sich Poffow zum Feldwebel, und dann zu Laver: „Der Herr Körnet soll heute noch von mir hören. Wo wohnt Er?" — „Im Adler." — „Auch mein Kosthaus. Lass' Er sich das Essen schmecken; es wird bie letzte Mahlzeit seyn, die Er einnimmt."

Geringschätzig lächelnd kehrte Laver dem Prahlhans den Rücken zu. Da flüsterte Jakob ihm in's Ohr: „Geh' der Laveri nur ruhig heim; ich weiß schon, wie ich Seinen Paul loskriege. Der von Poffow ist nicht halb so bös wie er sich anstellt, und läßt mit sich reden."---

Der Hauptmann ließ allerdings mit sich reden. Der Mei­ster gab ihm gute Worte in Hülle und Fülle, reihte Vorstellun­gen und Bitten aneinander und sie wurden endlich handels­eins. „Topp, es gilt;" rief der Raubauz: „Der Meister schafft mir für den Paul einen gesunden starken Kerl," — „Soll nicht fehlen," versetzte Jakob: „aber morgen mit Tages­anbruch muß Er sich auf und davon machen," — „Weshalb so geschwind?" — „Morgen rückt daS Regiment Montecuculi hier ein."

Der Offizier und sein Untergebener wechfelten die Farbe, und der Feldwebel sagte: „Wenn's dem Herrn Hauptmann