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Beilage zur

Allgemeinen Zeitung

â 50» Sonntag den 21. Mai 18^8.

Uebersicht.

Antrittsrede des Präsidenten von Gagern im National- Parlament.

Deutschland. Frankfurt!(Wahl eines provisorischen Präsidenten des Reichstages). — Schleswig (Der König von Dänemark soll den schwedischen Kronprinzen adoptirt haben). — Rendsburg (Vom Kriegs­schauplätze). — Kiel (Die Dänen auf Alsen). — Wien (Drohender Sturm).

Frankreich. Paris (Nationalversammlung).

ii Antrittsrede des Präsidenten v. Gagern im National - Parlament.

Frankfurt, 19. Mai. Nachdem die Wahl eines provisori­schen Präsidenten in der heutigen Sitzung auf Heinrich von Gagern gefallen war, trat derselbe sein neues Amt mit fol­gender Rede an:

Ueberwältigt, wie ich bin, von dem Eindruck, den Ihre Abstimmung auf mich hervorbringeu mußte, bin ich nur im Stande, wenige Worte zu Ihnen zu reden. Es ist zwar ein schnell vorübergehendes Amt, das Sie mir übertragen, nur wenige Tage, hoffe ich, werde ich dem Vertrauen zu entsprechen haben, das vie große Majorität dieser erhabenen Versammlung in mich gesetzt. Aber auch für die kurze Dauer meines Amtes werde ich genöthigt seyn, Ihre Nachsicht und Ihre Unterstützung vielfach in Anspruch zu nehmen.

Ich gelobe hier feierlich vor dem ganzen deutschen Volke, daß seine Interessen mir über Alles gehen, daß sie die Richt­schnur meines Verfahrens seyn werden, so lange ein Bluts­tropfen in meinen Adern rinnt; ich gelobe hier feierlich, als, das von Ihnen gewählte Organ Ihrer Versammlung, die höchste Unparteilichkeit. Wir haben die größte Aufgabe zu erfüllen. Wir sollen schaffen eine Verfassung für Deutschland, für das gesammte Reich; der Beruf und die Vollmacht zu dieser Schaffung, sie liegen in der Souveränetät der Nation. (Stürmisches Bravo.)

Den Beruf und die Vollmacht dieses Verfassungswerk zu schaffen, hat die Schwierigkeit in unsere Hand gelegt, um nicht zu sagen die Unmöglichkeit, daß es auf anderm Wege zu Stande kommen könne. Die Schwierigkeit, eine Verständigung unter den Regierungen zu Stande zu bringen, hat das Vorparlament richtig vorgefühlt, und uns den Charakter einer konstituirenden Versammlung vindizirt.

Deutschland will Eins seyn, ein Reich, regiert vom Willen des Volks, unter der Mitwirkung aller seiner Gliederungen; diese Mitwirkung auch den Staatsregierungen zu erwirken, liegt mit in dem Beruf dieser Versammlung.

Wenn über Manches Zweifel besteht und Ansichten aus- einandergehen; über diese Forderung der Einheit ist kein Zweifel, es ist die Forderung der ganzen Nation. Die Einheit will sie, die Einheit wird sie'haben, sie befestigen; sie allein wird schützen vor allen Schwierigkeiten, die von Außen kommen mögen, die im Innern drohen. Und so , Vertreter des Volks, Litte ich Sie: für die kurze Zeit, wo ich diese Versammlung zu leiten habe, um Ihre Unterstützung und um Ihre Nachsicht, deren ich in so hohem Grade bedarf. Wäre es aus längere Zeit, daß ich diese Stelle tlnzunehmen hätte, so würde ich verpflichtet seyn, eine Wahl zu treffen und die getroffene Ihnen anzukündigen; denn ich fühle wohl, daß weder mit meinen Kräften, noch mit den Ansprüchen, die das Volk an die ganze unabhängige Stellung des Führers auf dieser Stelle zu machen hat, die Beibehaltung des Amtes, welches ich in meinem Staate begleite, mit dieser Stelle verträglich wäre.

(Die Versammlung ruft mit erhobener Stimme ein drei­maliges Bravo!)

Meine Herren ! ich gehe zur Verwaltung meines Am­tes über."

Deutschland.

Frankfurt, 19. Mai. In der heutigen Vormittagssitzung der deutschen Nationalversammlung fiel unter 397 Abstimmenden die Wahl eines provisorischen Präsidenten auf Minister Hein­rich von Gagern mit 305 Stimmen. Weitere Stimmen er­hielten v. Soiron 85, Robert Blum 3, v. Lindenau 1, v. Vincke 1, und Cnyrim 1.

Schleswig, 13. Mai. (Wes.-Z.) Bei der letzten Affaire am 10. vor Alsen soll von Seiten der Bundestruppen eine An­zahl von dänischen Gefangenen gemacht seyn. Auch erzählt man, daß bei dem ersten Eintreffen unserer Vorposten in Horsens über Tausend Kavalleriepferde genommen seyen, welche die dänischen Dragoner auf ihrer Flucht nach Fünen nicht haben mitnehmen können. Zu den jedenfalls noch unverbürgten Gerüchten gehört das in Jütland ziemlich allgemein verbreitete, der König von Dänemark habe sich in Roeskilde krönen lassen nnd den Kronprinzen von Schweden adoptirt.

Rendsburg, 15. Mai. Vom Kriegsschauplätze nichts Neues. Die Schiffe im Belt verhalten nach Wrangels Drohung sich ruhig. Die Dänen warten auf die Ankunft der Schweden, welche nach ihrer Aussage am 20. d. erfolgen soll. Am 13. d. brachte Major Zastrow, welcher mit einem Detaschement der schleswig- holsteinischen Truppen einen Streifzug nach Aarhuus ausgeführt, 14tägige Lebensmittel aller Art für 7000 Mann, sowie den Stiftsamtmann von Aarhuus als Geissel für fernere Lieferungen und als Repressalie wegen der Gefangennahme des Herrn von Krogh mit nach Veile.

Kiel, 16. Mai. Privatbriefe aus Sundewitt wollen wissen, daß beim Morgengrauen des vorgestrigen Tages wiederum 200 Dänen von Alsen gelandet seyen, daß die hannoverschen Sol­daten sogleich haben angreifen wollen, von Halkett aber zurück­gehalten worden, bis jene ziemlich vorgerückt waren; darauf aber seyen die Dänen angegriffen und größtentheils vernichtet., ^nur- wenige sollen gefangen genommen / keiner aber entkommen und nach Alsen zurückgekehrt seyn. Die Verstärkung des 10ten Ar­meekorps, 18,000 Mann, wird nächstens erwartet.

Wien, 15. Mai. (A. Z.) Wir haben seit gestern Abend wieder eine politische Gewitterschwüle, die für heute einen Sturm verkündet. Die Regierung hat das politische Zentralkomite gestern aufgehoben, mit dem Bemerken, daß es Nationalgardisten nicht gestattet sey, über politische Gegenstände zu debattiren. Das Zentralkomite gehorchte der Weisung, beschloß aber in anderer Weise als reine Versammlung von Zivilbürgern sich neu zu kon- stituiren. Die Regierung, welche bewaffneten Widerstand be­fürchtete, ließ gestern Abend die ganze Besatzung unter die Waffen treten und Kanonen vor der Hofburg auffahren.

Heute haben die Studenten im Sinn, dem Kaiser eine Sturmpetition, wie sie Dr. Schütte vorgeschlagen, zu überreichen, und eine Aenderung verschiedener Paragraphen der Konstitution zu verlangen. Zwanzigtausend Arbeiter wollen heute Abend nach der Universität ziehen und den Studenten ihren warmen Dank bringen für das Interesse, das sie bisher an ihrem Schicksal ge­nommen. Die Regierung ist entschlossen, diesen Arbeiterzug zu hindern, hat wieder alle Truppen unter die Waffen gerufen, während die Studenten ihrerseits gegen die Regierung zu den Waffen greifen wollen. Man fürchtet ernstere Unruhen für diese Nacht. — Nachmittag 4 Uhr. So eben wird Generalmarsch geschlagen. Die Straßen wimmeln von Menschen; viele Stu­denten sind in Waffen. Tausende von Neugierigen strömen nach der Universität.

Frankreich.

□ Paris, den 17. Mai. Nationalversammlung. Sitzung vom 16. Mai. Präsident: Buchez. Die Glieder der 'Nationalversammlung sind fast alle auf ihren Plätzen. Die Garde mobile, unter General Temp oure's Befehl, bivoua- kirte die ganze Nacht vor der Brücke und hält noch an den Haupteingangen. Mehrere Züge von Fest-Abgeordneten aus den Departementen nähern sich mit Fahnen an ihrer Spitze dem Sitzungsgebättde, um der Versammlung ihre Anhänglrchkelt von