* Einige Worte über das hiesige Theater.
(Von dem Direktor desselben.)
ES ist in letzter Zeit in öffentlichen Blättern verschiedentlich über das hiesige Theater, seine jetzige Stellung und seins Zukunft geschrieben; es ist bei einer Rüge der Mängel desselben namentlich in einem Artikel die oberste Leitung des Theaters scharf angegriffen, dieselbe als unzulänglich, die jetzige Stellung des Theaters beeinträchtigend und seine Zukunft gefährdend bezeichnet.
Die oberste Leitung hat, so weit die Resultate derselben dem Publikum vor Augen geführt werden, der technische Direktor; denn die Herzogl. Intendanz vermittelt nur den Rapport mit Sr. Hoheit dem Herzog, führt die Oberaufsicht über die Kassenangelegenheit und übte, bis zur neuesten Zeit, die Handhabung der Zensur aus. Alles klebrige, Besetzung der einzelnen Fächer, Eintheilung der Gagen und sonstigen Ausgaben, sämmtliche Anschaffungen, Auswahl, Besetzung und Ausstattung der aufzuführenden Opern und Schauspiele ist, vorbehaltlich der Genehmigung der Herzogl. Intendanz, die Obliegenheit des technischen Direktors. Seit einigen Jahren bin ich von Sr. Hoheit dem Herzog mit dieser technischen Verwaltung betraut und jene oben erwähnten Angriffe treffen daher mich. Die Resultate meines Wirkens als technischer Direktor liegen, in den bisher stattgehabten Vorstellungen, dem Publikum vor Augen, sind dem Urtheil desselben unterbreitet und ich lasse es dahingestellt, ob dieses die Ansicht des Verfassers jenes Artikels über mich unbedingt theilt. Durch eine allgemeine Entgegnung auf den über mich ausgesprochenen Tadel, würde ich eben so sehr fehlen, wie dies der Schauspieler thut, welcher eine eigene Beurtheilung seiner Leistungen einer tadelnden Kritik derselben entgegenstellt , indem er sein Urtheil in eigener Angelegenheit als maßgebend aufstcllt, anstatt dieses Urtheil dem Publikum zu überlassen. Nur wo bei Besprechung des Theaters Irrthümer in der Angabe einzelner Punkte sich vorfinden, welche durch Anführung von Thatsachen und Zahlen, als solche dargethan und demnach widerlegt werden können, halte ich mich für berechtigt und jetzt, wo es sich vielleicht binnen kurzer Zeit um Seyn und Nichtseyn des hiesigen Theaters handelt, sogar verpflichtet mich auszusprechen, damit nicht Ansicht und Urtheil des Publikums bezüglich des Theaters irre geleitet werde. In dieser Beziehung will ich vorübergehend dem Vorwurf begegnen, als begünstige ich, zum Nachtheil deS Publikums und der Theaterkasse, die Aufführung der italienischen Opern gegen die der deutschen unverhältnißmäßig. Ich halte es für einen Fluch, der auf den Bestrebungen der deutschen Operisten ruht, daß das Publikum von denselben heute eine deutsche, morgen eine italienische, übermorgen eine französische Oper zu hören verlangt, während Italienern und Franzosen, bei einem ihnen eigenthümlichen Genre, für daö sie sich ausbilden, blei
ben. Allein die Ansprüche des Publikums sind einmal der Art und der deutsche Theaterdirektor muß sich diesen fügen, weil die Zeit, in welcher es ihm vielleicht vergönnt seyn möchte, den Geschmack des Publikums zu bilden, wohl noch sehr fern liegt. ES muß deshalb, wie auf allen deutschen Bühnen, so auch hier, mit deutschen und andern Opern abgewechselt wer- " den; doch findet eine Bevorzugung der einen gegen die andere f, nicht statt. DaS in jenem Artikel angegebene Zahlenverhältniß $ der deutschen und italienischen Opernaufführungen wie 2 zu 5 J ist ein unrichtiges. Es wurden z. B. im letzten Jahre 15 • verschiedene deutsche Opern und 16 italienische, jene in 30 diese in 36 Vorstellungen aufgeführt, waS man wohl schwerlich ein Mißvèrhältniß wird nennen können.
(Schluß folgt.) :
Miszellen.
La liberte de moürir de sann, L’égalité de la misère, La fraternité de Cain, Yoilä tonte la circulaire Du citoyen Ledru-Rollin.
— Nicht ohne Interesse liest man in einem heutigen Blatte, wie die Fiaker in Wien sich durch Freifuhren der Po li ze i co m missart und ihrer Familien, dann durch Trinkgelder an die Herren Polizeibureau- diener Recht und Billigkeit zu erwirken nöthig hatten.
— Große Pfiffikusse müssen die Bewohner der Sigmaringschcn Qber- amtsstadt Haigerloch sey», denn als unlängst das Geschrei kam, die Franzosen hätten schon die Gränze passirt, eilte Alt und Jung sofort hinaus und riß in einem Umkreis von Wer weiß wie viel Meilen sämmtlich« Wegweiser aus, so daß der Franzose, der eö offenbar ganz besonders aus Haigerloch abgesehen hatte, den Weg dahin schlechterdings nicht hätte auffinden können, wenn er — gekommen wäre.
— Die „Ulmer Kronik" theilt nachstehende Ucbersetznng eines Epigramms auf Ledru-Rollin'ö berüchtigtes Zircular mit:
Die Freiheit, zu verhungern, Die Gleichheit, arm zu lungern, Und Kain's Bruderschaft, Das ist am Zirkulare Ledru-Rollin's das Wahre Für Frankreichs Bürgerschaft.
— Der neapolitanische Gesandte hatte den fomosen Cicerucchio z« sich beschieden, um ihn im Namen seines Königs eine Medaille mit d» Motto BENEMERENTI zu überreichen. Der römische Volksführer, welche:, über dieses unerwartete Geschenk erstaunt war, soll geantwortet haben: „Di« Römer sind die Nachahmer der Tugenden ihrer Großahnen, und weisen demnach zurück, was ihnen nicht gehört; Scipio, hat den Gefangenen ihr-j Schätze zurückerstaltet, ich gebe dem Könige von Neapel mit dem ich nichss gemein habe, die Medaille zurück." Der Gesandte rief ihm „Bravo" M Ciceruacchio „Schönen Dank", und endete die merkwürdige Scene.
— Wien. Die Journalindustrie scheint hier in die letzten Ausläufer geh« zu wollen. Seit gestern erscheint ein abendliches Nenigkeitsblatt unter b* Titel: Gcrad' heraus, das in einem Wägelchen herumgefahren wird mit die pikante» Tagesneuigkeiten des In- und Auslandes auf vier Oktavseit« um 1 Kreuzer feilbietet.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. — Druck und Verlag der L. Schellend er g'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.
