freiheitsbegeisterte Dichter des „Robespierre", Gottschall, hatte sie in seinen besonderen poetischen Schutz genommen, hatte Dithyramben an die gestiefelte und gespornte Dichterin gerichtet, und ihre Verse als „wilde Rosen" gesammelt und druckfähig gemacht. Der Zensor ließ sich von Duft und Farbe der wilden Rosen berücken, bemerkte die Dornen nicht und ließ das Bändchen die Zensur passiven, aber als kaum die Hälfte der Auslage gedruckt war, hatte die geheime Polizei bereits ausgespürt, daß viel junges Deutschland, viel junges Frankreich hinter diesen wilden Rosen stecke, und die Auflage ward konsiszirt.
Das merkwürdigste bei Louise Aston bleibt, daß sie Frau, daß sie Mutter ist; wäre sie eine alternde Jungfer, dann ließen sich ihre Schrullen wohl begreifen. Denn die Ehe wirkt am tiefsten dazu, das Weib weiblich zu machen. Aber sie lebte in einer unglücklichen Ehe; gerichtlich getrennt von ihrem Manne vcrheirathete sie sich wieder, um sich noch einmal trennen zu lassen. Ihr Mann war ein Maschinenfabrikant und dazu ein Engländer und reich obendrein, Louise aber war die Tochter eines deutschen Landpfarrers, in der Einsamkeit eines Dorfes erzogen, von früh auf nur ein schwärmend Gemüthsleben führend — dann plötzlich eintretend in eine sehr äußerliche Welt, an der Hand eines reichen Engländers, der gar Maschinen fabrizirt — diese Kombinatinon dürfte manches Räthsel im späteren Leben der seltsamen Frau lösen.
Es ist merkwürdig, daß es just in Berlin so viele dichtende, philosophirende, schriftstellernde Frauen gibt, es liegt darin ein großer Beweis für die Hohlheit und Unnatur des Lebens der gebildeteren Stände in Berlin. Die Weiber schriftstellern dort wie die Männer; die Männer aber auch nicht selten — wie Weiber.
Als Louise Aston vor Herrn von Puttkammer, dem Polizeipräsidenten stand, um sich über ihre politischen, religiösen und sozialen Ansichten zu rechtfertigen, da soll sie mit staunenöwerther Naivität über die Ehe und die Freigebung der Naturrechte der Frauen räsonnirt haben. Aber der Polizeipräsident ließ sich nicht rühren durch diese Naivität — die „wilde Rose" wurde ausgewiesen aus Berlin. Es geschah das vor zwei Jahren, zu selbiger Zeit, wo man an der Spree das „Ausweisen" gerade recht im Griff hatte.
Man hat sehr Unrecht gethan, indem man Frau Aston die „deutsche George Sand" nannte. George Sand kokettirt mit ihrer Unweiblichkeit nur bis zu dem Punkt, wo diese Koketterie noch interessant bleibt. Man hat ihr z. B. unlängst nachgesagt, sie habe sich um einen Sitz in der Nationalversammlung beworben, aber die Dichterin hat dieses Gerücht mit Entrüstung zurückgewiesen, sie hat wohl gewußt, daß ein solches Beginnen widerwärtig, daß es eine politische Blasphemie, vielleicht auch, daß es lächerlich gewesen wäre. Frau Louise Aston dagegen hätte gewiß gar keinen Anstand
genommen, sofort mit Stiefeln und Sporen in den deutschen Reichstag zu Frankfurt einzutreten.
Wenn das deutsche Weib auch nur um ein Haar breit die Grenzlinie der Weiblichkeit überschreitet, dann erscheint dies sofort widerlich. Der französische Begriff der Weiblichkeit ist viel dehnsamer: Wie in der deutschen Küchensprache, so gibt es auch in der deutschen Moral keinen Ausdruck für das französische Wort: haut-gout. George Sand soll sogar trotz ihrer unweiblichen Schriftstellerei ein so sinniges, deutschgemüthliches häusliches Leben führen, daß schon Deutsche in ihrem kleinen Wohnhause, welches von der Straße ab, zwischen Bäumen und Gartenland versteckt und doch mitten in Paris liegt, einen Respekt vor ihr bekamen, den sie durch ihre Schriften nicht hatten bekommen können.
Wir finden eines der schwersten Zeugnisse für die sittliche Verdumpfung und Fäulniß der eben überwundenen Periode des Polizeistaates darin, daß bei dem trägen, schwülen Stillstand der Lebenslust alle Glieder der Gesellschaft eine unnatürliche, widernatürliche Thätigkeit zu entfalten begannen. Alle Gränzen waren verrückt, darum galt das Widernatürlichste für das Genialste, und selbst die deutschen Frauen, die doch sonst so oft durch den feinern Takt und richtigeren Instinkt sich auszeichnen, begannen vielfach zu vergessen was eigentlich die Gränzlinie der Weiblichkeit sey.
Die Königin der Wacht (Fortsetzung.)
Im höchsten Zorn fuhr der Prinz heraus: „Sie sind, Sie sind, Sie sind — kasstrt!" Der Prinz zog seine Braut von diesem Schauplatze frevelhafter Zerstörung fort, und lehnte sich, erschöpft im Uebermaß des Aergers über eine ihm verdorbene Ueberraschung, an eine Karyatide, die ihn halten mußte.
„Eine solche Blume abzupflücken, die Königin der Nacht, eine Blüthe von nur zwölf Stunden Dauer! Es ist ein Sakrileg , ein Kirchenraub, Tempelschändung. Entdeck' ich den Thäter, die Strafe soll exemplarisch seyn. Wer wa.r's?"
Zastrow war verstummt und zuckte halb ohnmächtig mit den Achseln, Jucunde hatte nicht gehört, welche große Strafe der Prinz dem Thäter zuerkannte; sinnend stand sie und blickte mit ihren schönen Augen gen Himmel.
„Mir ist, sagte sie, als könnte die geraubte Blüthe nicht weit seyn,"
Wo, Jucunde?
„Dort hinter den Palmen!"
Man suchte und fand sie nicht.
„Sie muß nicht fern seyn; etwas weiter."
Wie wäre das —
„Zu entdecken, sehr leicht."
Die Pflanzenkennerin fuhr fort: Ein Duft, wie der, den
