Einzelbild herunterladen
 

gemachte Einnahme den Mitgliedern der Militärmusik zuzuwenden, um den für Weib und Land entstehenden Verlegenheiten abzu­helfen.

Die Mitglieder der Regimentsmusik sind in's Feld gezogen für's Vaterland, gewiß, aber was haben sie damit Anderes gethan, als ihre Pflicht., auf die sic jeden Augenblick vorbereitet seyn mußten? Sie haben dadurch einen Nebendicnst verloren ja, aber der Hauptverdienst, auf den sie ursprünglich ange­wiesen sind, ist ihnen geblieben, und wer sagt denn, ob sie nicht jetzt, wo, vor der Hand wenigstens, die Ruhe in Baden ziem­lich .hergestellt zu seyn scheint, diesen Nebenverdienst sich auf eine andere Weise erwerben? Und wem wird diese Anmuthung ge­macht? Den Mitgliedern des Orchesters, die bei ihrer ange­strengten Arbeit wenig Zeit zu Nebenverdiensten finden, und die was die Hauptsache ist zum Theil w e n i g e r g u t g e st e l l t sind, als die Mitglieder der Militärmusik? Der Spielpächter konnte das Mainzer Musikchor wählen, welches keinesweges das hätte bieten können, was uns unser Orchester bietet, und das sich darum beworben, dann wäre den Militärmusikern dieser Verdienst für die ganze Saison verloren gegangen, während jetzt von den Mitgliedern des Orchesters ihnen dieser Verdienst zu° jeder Stunde, in der sie zurückkehren, abgetreten wird. Wer billig ist, wird und kann mehr nicht verlangen, besonders wenn man bedenkt, daß das hiesige Orchester bei derartigen Gelegenheiten es an freundlicher Hülfe nie hat fehlen lassen. Wenn Hr. Pzi. bei dem bloßen Verlangen stehen geblieben wäre, so würde man ihn damit entschuldigen können, daß er die Sache nicht recht überlegt habe, aber Hr. Pzi. versucht auch einen Grund anzuführen. Es scheint, daß erdamitziemlich unglücklich gewesen ist. Nach verschiedenem Lobe, welches er dem Orchester spendet, greift Hr. Pzi. dasselbe beim Ehrgefühl an und sagt, daß es unter der Würde des Orchesters seyn dürfte, als Gartenmusik aufzutreten," daß aber um des edeln Zweckes willen dasunwürdige" Mittel wohl gewählt werden könne.

Zunächst ist Hr. Pzi. damit gar nicht höflich gegen die Be­wohner Wiesbadens und die Kurgäste, welche die Zuhörer dieser Konzerte sind, und dann möge er wissen, daß die Kunst nie erniedrigt wird, wenn sie sich nicht selbst erniedrigt. Daß dieß hier nicht der Fall gewesen ist, beweist uns hinlänglich das bis jetzt gehörte Gartenkonzert des Orchesters, unter Leitung des tüchtigen Konzertmeisters, Herrn Moll. Das Publikum, wenn es gerecht ist, wird diese Gründe hinreichend finden, daß das Verlangen des Hrn. Pzi. zurückgewiesen wird.

Ein Unparteiischer.

N a oh s ch r i f t.

Paris, 11 Mai. Die Lage wird ernst. Der Klub der Rationalgarde ließ gestern eine gelbe Proklamation an die Straßenecken heften, worin-er gegen die Behauptung: die Naüonalgarve beabsichtige, den Pariser Arbeitern, wie zu Rouen, eine'B arthol mâu s nacht zu bereiten, protestirt.

Wird Frankreich in Italien und Polen inter- veniren? Diese Frage dürfte sehr bald definitiv entschieden werden. Wolowski hat sie in der gestrigen Sitzung der Nationalversammlung angeregt und letztere hat, unter Zustim- mong Lamartine's, nächsten Montag (14.) für die Inter­pellation festgesetzt.

sZ Paris, 11.Mai. Nationalversammlung vom 10. Mai. Nach einer ziemlich heftigen und persönlichen Vor­debatte wurde zur Abstimmung über die Regierungsmitglieder geschritten. Während dieser langsamen Operation zeigte der Präsident der Versammlung an, daß sie sich morgen Vormittag mit Zusammensetzung dreier wichtiger Kommissionen zu beschäf­tigen habe: a) für die politische Konstitution Frankreichs; b) für Besserung der Arbeiterklasse; c) für das Finanzwesen. Mehrere Glieder erklärten, daß diese Kommissionsbildung eigentlich Sache des so eben zu bildenden neuen Ministeriums sey. ' Diese Ansicht drang jedoch nicht durch und die Nationalversammlung wird morgen selbst zur Bildung der drei Kommissionen aus ihrer Mitte schreiten. Inmitten dieser Zwischendiskussion hatten die Skrutatoren ihre Stimmzettelsonderung vollendet und unter all­gemeinem Stillschweigen verkündigte der Präsident Buchez um 4 Uhr folgendes Resultat:

Zahl der Abstimmenden 794, absolute Mehrheit 398. Es erhielten Lamartine 643, Ledru-Nollin 458, Garnier- Pages 715 und Arago 725 Stimmen, die zur Negierungs- kommission proklamirt wurden.

Hierauf erhielt Wolowski das Wort, um der National­versammlung einen von Joseph Wysocky, Tyskiewicz und Berwinski im Namen des Posen - krakau- galizischeâ Ausschusses an das französische Volk gerichteten Roth- uw Hülferuf vorzulesen. Wolowski, selbst polnischen Ursprungs unterstützte diese Adresse durch einige Erläuterungen über dil unsäglichen, aber leider nur zu oft gehörten Leiden Polens unter Oesterreichs und RußlandsDolchen", und trug zunächst auf Erlassung einer Proklamation an, in welcher bat deutsche Volk und sein Parlament in Frankfurt zur Theilnahme an der Befreiung Polens aufge­fordert würden. Ducour, ein Mann mit einer Sten­torstimme, hielt eine pomphafte Rundschau über Völker, die da leiden, oder ihr Joch schon gebrochen hätten, und trug darauf an, eine Gesammtadresse an alle Völker zu erlassen. Diesem unklaren Verlangen folgte Dötragon auf der Tribüne. Er bat, wandte er sich an den Minister des Auswärtigen, ihm einen Tag zu bestimmen, an welchem er ihn über diejenigen Stellen seines neulichen Rechen- c schaftsberichts zur Rede stellen könne, welche auf Italien T Bezug hätten. Lamartine erklärte sich bereit, wann es dem Interpellanten beliebe, die gewünschte Auskunft zu er-A , theilen, wiewohl er die dem Staatsmanne unerläßliche Vor­sicht nicht außer Acht lassen dürfe. Der Redner solle nur einen Tag bestimmen. Dätragon, sichtlich empfindlich über E die Verklausulirungen, konnte nicht umhin, zu erklären, daß er etwas mehr Eifer und Entschiedenheit wenigstens in Bezug auf Italien erwartet hätte, indessen wolle er die Verzögerungt sich gefallen lassen, und er bestimmte den nächsten Montag. Lamartine beruhigte ihn mit der Erklärung, daß er ruhig aber sicher vorschreite und daß es Frankreich nicht wie 1831 ergehen werde. Die französische Fahne werde von dem Punktes den ihr die Regierung anweise, nicht zurückweichen! Mon-f talembert fragte den Minister, ob er nicht in Bezug aus Polen sofort antworten wolle? Allein die Versammlung f widersetzte sich und bestimmte sowohl für Polen als Italien t den Montag. c

Nächstdem bestieg Louis Blanc die Tribüne, um in einer , sehr energischen und ihres entschieden sozialistischen Charakters : halber ost stürmisch unterbrochenen Rede die Nothwendigkeit der 1 sofortigen Errichtung eines Arbeiter- und Fortschritts- i mini st e ri u m s nachzuweisen, wenn Paris keine R e v o l u t r o n i de.s Hungers erleben solle. Peupin, der Uhrmachergeselle,U ; erhob sich, und mit der Hand auf dem Herzen schwörend, daß i s er im Namen der Arbeiter spreche, protestirte er gegen ein Mi- I nistère de la routine, und verlangte nur eine Untersuchung« - der Lage der arbeitenden Klasse. Diese Opposition Peupin's, d bezeichnet den eigentlichen Standpunkt der Parteien. Während i Louis Blanc's Rede so großen Lärmen und Mißfallen erregte, j daß Barb âs auf dioBühne sprang und erklärte, Louis Blanc ( habe sich um das Vaterland verdient gemacht, ernteten die Witze- s " leien Peupin's stürmischen Beifall. Wem wird die Zukunft! 1 gehören: Louis Blanc oder Peupin? Vorläufig wollte die " * Mehrheit der National-Versammlung von Errichtung eines Ar- beiter- und Fortschritts-Ministeriums nichts wissen. Sie wird , sich mit einer nochmaligen Untersuchungs-Kommission (der zehnten seit 1828, irren wir nicht) begnügen.

F r u ch t p r e i s e.

Namen der Städte.

Datum der

Pr eise.

Walzen pr. Malter

Pfd! fi.lfi'.

Korn vr. Malter $fo| 9. |fr.

Gerste vr. Malter

Pfd! ft. Nr.

Hafer pr. Malter

Pfd! fl. Nr. 1

Bingen . . . Dillenburg . . Friedberg . . Hadamar. . . Herborn . . . Mainz.... Wiesbaden . .

10. Mai

6. Mai

12. Mai

8. Alai 22. April 12. Mai 11. Mai

260

300

215

320

200

170

9 Ki

9

15 17

10

8

18

20

30

25

26

20

266

300

196

360

200

160

6

12

6

10

12

6

5

44

10

35

10

30

36

10

147

260

75

260

200

144

5

11

5

7

10

5

4

20

40

48

25

129

190

136

200

200

96

4

7

4

4

8

7

3

43

20 !

30 '

30 v

26

30

Auf Adamsthal

ist den 14. d. M. Kaffee- und Weinwirthschaft eröffnet.

79] H. Hildebrand.

Heute wird wegen des Sonntags keine

* Beilage zur Nass Allgem. Ztg. ausgegebem

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Schcllenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.