wo in den Staatseinrichtungen vielfach die naturgesetzlichen Gliederungen der künstlichen französischen Maschinerie Platz gemacht hatten, zu denen wir namentlich auf politischem Gebiete die durchaus falsche Organisation der Verwaltung, die Unterdrückung der freien Gemeindeverfassung und die übergroße Selbstherrlichkeit der einzelnen Staaten, auf dem religiösen Gebiete die bürokratischen Kirchenverfassungen rechnen. Es läßt sich sogar nebenher noch ein unmittelbarer Zusammenhang der deutschen Bewegung mit der französischen Propaganda leicht nachweisen, deren Zwecke indeß glücklicherweise von der deutsch-nationalen Fort» schrittspartei vereitelt und in ein besseres Geleise gebracht worden sind.
In Deutschland wurde eben jene maschinenmäßige Einrichtung nach französischem Muster in Kirche und Staat gestürzt, während man auch hier durch die schweizerische und süddeutsche Literatur und die anarchistischen Vereine ganz den Segen der Zentralisation im Gefolge despotischer Freiheit und der verkehrtesten sozialen Begriffe über uns zu bringen gedacht.
Die Umwälzung hat bis jetzt in Frankreich eine noch stärkere und schlimmere Zentralisation zu Wege gebracht, sie hat die unsinnigsten sozialen Theorien von Staatswegen bestätigt, sie muß neue Robespierre's und einen neuen Diktator gebären, wenn nicht bald eintritt, was wir oben erwähnten.
In Deutschland wird sie hoffentlich auch zentralisiren, aber nicht mehr als nöthig und in nationalem Sinne, sic wird den Staat auf naturgemäßere Verwaltung stützen, die Gemeinde und das Recht frei machen, die Sittlichkeit wieder heben und einen deutsch volksthümlichen Geist hervorbringen , der über unnatürliche Auswüchse triumphirt. Dann wird uns eine neue Revolution in Frankreich so wenig schrecken können, als sie einen wahrhaft konstitutionellen Staat wie Belgien erschüttern konnte.
Deutschland.
* Wiesbaden. Mit Vergnügen lesen wir in den grö- Herrn auswärtigen Blättern eine Bekanntmachung unserer Landesregierung, worin dieselbe bei herannahender Kurzeit im Interesse der Wahrheit zur öffentlichen Kenntniß bringt, daß in Wiesbaden, Ems, Schwalbach, Schlangenbad, Weilbach, Soden, Kronthal rc. Störungen der öffentlichen Ruhe weder vorgekommen noch zu erwarten seyn. Wir glauben, daß diese Anzeige für unsere Taunusbäder von wesentlichem Nutzen seyn wird, und bemerken nur noch, daß zu Gunsten unserer nassauischen Bäder bisber noch viel zu wenig durch das Organ ier größeren auswärtigen Blätter ist gewirkt worden. Wie sehr dergleichen aber in dieser Zeit der Oeffentlichkeit nützlich und nöthig ist, dafür hat uns Homburg schon Zeit Jahren den schlagendsten Beweis geliefert.
* Frankfurt, 9. Mai. Die 17 Vertrauensmänner haben die Bundesversammlung benachrichtigt, daß Mebrere aus ihrer Mitte in Urlaub gegangen seyen und wahrscheinlich nicht wieder- kehren wurden; Andere seyen zitm Reichstag gewählt und könnten also nach dessen Eröffnung nicht mehr in ihrer dermaligen Stellung bleiben. Wolle also die Bundesversammlung, daß die Zahl der 17 bei der Berathung des Verfassungsentwurfes vollständig sey , so möge sie Ersatzmänner einberufen.
Mainz, 7. Mai. (Köln. Ztg.) Ein Bataillon hessischer Truppen, begleitet von zwei Kanonen, ist gestern in Bingen eingerückt, um dort den vielfach verhöhnten gesetzlichen Zustand wieder herznstellen und der Behörde behülflich zu seyn bei der Verhaftung verdächtiger Personen.
:—: Vom Rhein, 10. Mai. Wenn die Breslauer Zeitung recht berichtet ist, dann hat man in Hirschberg in Schlesien wieder reaktionäre Maßregeln in der Art ergriffen, wie sie gegenwärtig eigentlich völlig unerhört seyn sollten. Es sollen in jenem Städtchen nämlich mit großem Aufwand von Militär rc. drei Bürger verhaftet worden seyn, blos weil sie Republikaner sind. Wenn diese Männer aber in der That nichts weiter gethan haben, als daß sie Republikaner sind, dann hatte man noch lange keinen Grund, sie zu verhaften. Denn welche Verfassungsform ein Bürger für die beste erklärt, in Gedanken, Wort oder Schrift, darum hat sich die Polizei nicht zu bekümmern, ebenso steht es ihm frei, Andere auf geistigem Wege zu seiner Ueberzeugung zu bekehren. Nur dann, wenn Einer mit Gewaltthat und Gesetzesbruch, wie es in Baden geschehen ist, für seine Ueberzeugung Anhänger gewinnen will, soll die öffentliche Macht gleichfalls mit Gewalt einschreiten. Oder ständen uns aus's Neue jene Zeiten bevor, wo man die Leute um ihrer bloßen Ueberzeugung willen verfolgen und einstecken konnte? Hätten wir uns aus's Neue
jener Dâmagogenriecherei zn gewärtigen, welche die Bürger < verdächtigt, blos darum weil sie Republikaner sind? Ein ; solches Verfahren, neu hervorgerufen, würde der gradeste Weg j zur Republik oder auch — zur Anarchie seyn. <
Z" Karlsruhe, 9. Mai. In der gestrigen Sitzung j unserer zweiten Kammer brachte der Abgeordnete Brentano t eine Anschuldigung gegen die nassauischen Truppen vor, indem er einen Vorfall aus Offenburg erzählte, wo sich diese!- ( ben ein verletzendes Benehmen gegen einen Bürger hätten zu ; Schulden kommen lassen. Kriegsminister H o ffm a n n erwiderte , dagegen, daß sich die auswärtigen Truppen durchweg wahrhaft musterhaft benommen, daß sie nach der Erstürmung t Freiburgs keinerlei Ausschweifung und Rohheit begangen hätten, j was in der Kriegsgeschichte etwas Seltenes sey. Und Staats- < rath Bekk bemerkte treffend, indem er die Sachlage der Mann- $ Heimer Vorgänge - mit den Bayern und Nassauern nochmals r auseinandersetzte, daß es sehr unklug sey, durch unbewiesene t Anschuldigungen die Truppen zu reizen. r
Karlsruhe, 7. Mai. (D. Z.) Die Zöglinge unserer polytechnischen Schule genießen seit gestern Nach- ; mittag den schönen Mai grsellschaftlich in dem benachbarten Alb- , thale. Sie haben nämlich kurz vor dem Beginn der eben vcr- 5 stoffenen mehrwöchentlichen Ferien eine Petition um bessere , Besetzung dreier Professuren, deren bisherige Vertreter, die , Herren Kaiser, Bader, Stieffel, sich ihres Beifalls nicht erfreuen, bei der zweiten Ständekammer eingereicht, ohne jedoch vorher von den zuständigen Behörden entert zu seyn. Als bei der Rückkehr aus den Ferien natürlicher Weise noch keine Aenderung eingetreten war, indem unseres Wissens in der Kammer bei so mancherlei Unterbrechungen noch nicht einmal der , Kommissionsbericht über die Petition abgestattet ist, so versam-I melten sich gestern Nachmittag um 1 Uhr sämmtliche Polytech- s niker im Promenadehaus, beschlossen dort eine Bittschrift an den Präsidenten des Ministeriums des Innern, überantworteten dieselbe einer Deputation und machten hierauf einen gemeinschaftlichen Spaziergang nach dem benachbarten Ettlingen. Hier erhielten sie die Nachricht, daß ihrem Gesuche vorerst eine angemessene Form zu geben sey, daß sie jedoch nicht allein völlige Studienfreiheit sofort zu erwarten hätten, sondern daß auch zwei weitere Beamte Vorträge über die beanstandeten Fächer halten würden, wodurch dann einem Jeden die Wahl des Docenten freigegeben wäre. Nach einigen Debatten wurde nunmehr das Gesuch anders redigirt und noch gestern Abend eingereicht. Am Dienstag dürsten dann die ernsteren Studien wieder an Ort und Stelle in Angriff genommen werden.
A Aus dem nassauischen Feldlager. Offenburg, 8. Mai. Gestern ist die mobile Kolonne, welche einen Streifzug in das Kinzigthal gemacht hat, hierher zurückgekehrt. Die Truppen zogen den 5. das Thal hinauf über Gengenbach und Biberach nach Haslach und Haußach, den 6. von da seitwärts ins Ge-k birg, wo wir mit badischen Truppen, welche von Freiburg auss uns entgegen kamen, znsammentrafen; auf demselben Wege zogen wir hierher zurück. Wir haben auf diesem Zuge keinen Bewaff-l neten gesehen: Die treuherzigen guten Schwarzwälder versicherten uns, daß nur wenige Freischärler sich bei ihnen gezeigt hätten, da sie wohl wüßten, daß sie bei den Bewohnern dieser Gegend für ihre Zwecke keine Unterstützung finden würden.
Wir hatten zwar anstrengende Märsche, wurden aber durch den Genuß der wunderherrlichen Gegend reichlich entschädigt.
Obrist von Ha del n ist hier angekommen. Wann das 1. Regiment eintreffen wird, ist noch nicht bekannt. Wir stehen hier unter dem Kommando des badischen Generals von Gay- ling; offiziell führt das Korps den Namen „Beobachtungs- korps von Kehl."
Posen, 6. Mai. (Köln. Z.) Die von Mieroölawski aufgcrufene Landesbewaffnung ist nunmehr allgemein; alle Ortschaften sind von den kampffähigen Männern verlassen, st daß man in denselben nur Greise, Weiber und Kinder findet. Ueber die Stellung der Insurgenten hat man nie fichere Nachrichten: sie sind hier und dort, überall, wo sie die Truppen überwältigen zu können glauben. Bei dem letzten Treffen mit dem General v. Hirschfeld bei Wreschen am 2. sollen die Polen mit wahrer Todesverachtung gefochten haben. Obgleich ihnen vier Kanonen gegenüber standen , die unaufhörlich Kartätschen und zuletzt Shrepnettö (mit 150 Kugeln gefüllte Granaten) gegen sie schleuderten und wahre Löcher in ihre Massen rissen, formirten sie sich doch immer augenblicklich wieder unter dein Kugelregen, ohne nur einen Schritt anzuhalten, und zwangen die Hirschftlv'sche Kolonne nicht nur zum Weichen, sondern sprengten sie selbst.
Man verhaftet jetzt Alles, was nur als der Theilnahme
