rische Macht. Es wird ihm gegen das Gewissen laufen, aus Privateigennutz den Gewerbfleiß deS Auslandes zu fördern, wie es einem rechtschaffenen Staatsmanne gegen daS Gewissen läuft, das Wohl des eigenen Landes an ein fremdes Kabinet zu verrathen. Der Krämer dagegen arbeitet blos für seinen Geldsack, und schlimm genug ist's, wenn ihm dessen Umfang eine Macht in die Hand gibt. Rothschild z. B. ist der erste und ärgste Krämer in ganz Europa; der Ehrenname eines Kaufmannes gebührt ihm keineswegs. So ein Krämer von Millionen sieht lächelnd zu, wenn England die Nation im Handel und Wandel übervortheilt: wird er doch reich dabei! Der Krämer führt sein Tagewerk einfach vermittelst der Regeldetri aus; der Kaufmann ist ein wohlstudirter Mann, der sich namentlich der Nationalökonomie beflissen hat, der da weiß, daß er allein nichts gilt, und daß der reichste Kaufmann doch immer nur ein armer Schlucker bleibt, so lange der Hand,el des ganzen Landes nicht zu rechten Ehren kommt. Der reiche Krämer verachtet Geist und Bildung, er beleidigt das Talent, indem er es beschützen will. Der Kaufmann dagegen weiß, was Geist und Bildung besagt, weil er selber Beides gar sehr bedarf. Vor Zeiten hat man's in Venedig, in Augsburg, in Amsterdam erlebt, wie fröhlich Kunst und Wissenschaft unter dem Schutze von Kaufleuten aufblüheten. Vergleicht man in diesem Betracht einen Fugger mit dem, was wir ein „erstes Haus" nennen, dann wird man finden, wie krämerhaft wir überhaupt noch unsern kaufmännischen Vorfahren gegenüberstehen. Als eine Straße des Welthandels durch Deutschland zog, als Deutschland einig und stark war, da hat es eine Kaufmannschaft besessen, die hoch in Ehren zu halten ist; seit andere Handelö- wege nach dem Orient eröffnet wurden und daS große öffentliche Leben sich in die Studirstuben verhockte, sanken auch die Kaufleute mehr und mehr zu Krämern herab. Und folgerecht sank auch die Achtung vor dem Handelsstand, die vollends, als Deutschland buchgclehrt geworden war, bei den Leuten der privilegirten Intelligenz in förmliche Mißachtung überging. Kaum hat sich an der Nordsee und dem adriatischen Meere ein neues, größeres kaufmännisches Leben entfaltet, so sehen wir schon, daß man in Bremen und Triest den alten Krämer auszieht. Wird Deutschland erst einmal seine Binnenhandelsstraße nach dem Orient wieder gewonnen haben, dann muß dies einen gewaltigen moralischen Aufschwung unsers Handelsstandes nach sich ziehen. So lange bleibt es einstweilen noch, wennauch nicht gerechtfertigt, doch wenigstens begreiflich, weß- halb man in den großen Seehandelsplätzen mitunter der Handelspolitik unsers Binnenlandes kein rechtes Zutrauen schenkt. Man glaubt dort, wo sich ein Kaufmannsstand bereits tüchtig entfaltet, weit unmittelbarere und gründlichere Anschauungen zu besitzen, als man uns zurraut, die wir fast nur von großen und kleinen Krämern umgeben sind.
Es thut wahrlich Noth, daß man den Kaufmannsstand
zu heben, seine innere und äußere Würdigkeit zu mehren, und ihm den rechten Platz bei der öffentlichen Meinung anzuweisen suche, und letzteres um so mehr, da es der deutschen Gelehrsamkeit immer einige Ueberwindung kostet, rein praktische Verdienste neidlos anzuerkennen. So mögen denn aber zuerst die Kaufleute selber den Krämergeist auszutreiben suchen. Hätten wir noch ein korporatives Leben, dann würde man auch äußerlich eine Gränzlinie ziehen können, wo der Kaufmann aufhört und der Krämer anfängt. An einer solchen Unterscheidung ist denn auch in den alten Zeiten in den meisten deutschen Städten streng festgehalten worden. Vor siebzig Jahren hat Justus Möser darauf gedrungen, daß man den Unterschied des Kaufmannes von dem Krämer wieder nach Weise der alten Gewerb- versassungen in's Leben führen sollte, und die Kaiserin Maria Theresia wurde dadurch veranlaßt, den Versuch in ihren Erblanden zu wagen. Wir wissen nicht, mit welchem Erfolg.
Nur den sollte man einen Kaufmann nennen, der sieb eine hanvelspolitische Bildung erworben hat und die Probe davon in seiner Geschäftsführung ablegt, der einheimische Produkte in'S Ausland verführt, den Absatz einheimischer Fabriken im Lande bis zu einer gewissen Ausdehnung befördert u. s. w. Die kleine Krämerei ist höchst nützlich und nothwendig, allein sie ist keine Kaufmannschaft, sie darf auch nicht auf den Namen eines eigentlichen Gewerbes Anspruch machen; denn Jeder kann Krämer seyn. In Ländern, wo absolute Gewerb- freiheit herrscht, findet man, daß die Krämerei häufig als ein Nebengeschäft betrieben wird, und daß heruntergekommene Leute aller Art, wenn ihnen noch ein kleines Kapital verbleibt, sofort einen Kram anlegen. Dadurch sind an manchen Orten die Krämer schon recht eigentlich die Proletarier unter den Gewerb, treibenden geworden und vom Kram zum vollständigen Handels- Proletariat, dem Schacher, ist in der That nur ein sehr kleiner Schritt.
Cine neue Opernvorstellung. *)
In den zwanziger Jahren, zur Zeit als die politischen Unruhen in Italien den höchsten Grad erreicht hatten, war Graf R.... in Mailand Garnisons-Chef und Militair-Kom- mandant; ein Mann von erprobter Tapferkeit und eisernem Mnthe, und dem schwierigen Posten, dem er vorstand, vollkommen gewachsen. Ganz Italien glich damals dem Boden seiner Vulkane; jeder Tag brachte neue Nachrichten blutiger und grausamer Erzesse, und war Bier eine Erneute im Keime erstickt, eine andere mit Gewalt unterdrückt, so tauchten dafür, gleich Kadmus giftiger Saat, zehn andere Empörungsversuche auf, und die Gährung stieg mit jedem Tage. So standen die Dinge, als dem General einst in der Frühstunde ein Mann
Aus dem „Tagebuch des altenKomödianten"von Franz Wallner.
