Einzelbild herunterladen
 

** Zur deutschen Einigkeit *)

Von der Dill.

Bei dem tiefen Gemüthsleben des deutschen Volkes, das sich weder durch das Getreide unserer modernen Verstands­thümler, noch durch die riesigen Hindernisse, die seiner euchctt- lichen Entwicklung cutgegenstehen, beirren läßt, werden die religiösen Fragen nie zum Erlöschen kommen, und jede Phase unserer nationalen Entwicklung wird man dazu zu ^be­nützen suchen, eine neue Grundlage für dieses ewige Bedürf­niß, das ich das kirchliche nenne, zu gewiuuen. ,

Man braucht sich deshalb nicht zu wundern, daß die kirch­lichen Bestrebungen auch sogar in unserer schweren Zeit auf­tauchen, wo wir die Hände voll zu thun haben, um unserer politischen Einheit nur einigen Halt zu ver,chaffen. Ich kann diese Bestrebungen nur als die naturgemäße Kundgebung einer Lebensrichtung ansehen, die dem deutschen Volke in die­ser Art vielleicht einzig eigenthümlich ist. Aüch kann ich mich der Ansicht nicht anschließen, daß die Erörterung religiöser Fragen die allgemeine Verwirrung nur noch vermehren werde, und daß dem weiteren Umsichgreifen dieser Erörterungen ent- gegenzuarbeiten sey. Ich halte im Gegentheil unsere jetzige Zeit gerade geeignet für wahrhaft religiösen Fortschritt, da dieselbe wegen der Bildsamkeit der Gemüther und der Auf- opferungsfäbigkeit eines edlen Volkes in der Zeit seiner poli­tischen Wiedergeburt eher als jede andere großartige und für daS Gemeinwohl wichtige Vorgänge, die auf die Hebung der sittlichen und nationalen Zustände eines Volkes von unberechen­barem Nutzen werden können, begünstigt und zur Reife bringt.

Ich bin damit nicht gemeint, den kleinlichen Zänkereien auf theologischem Gebiete, die übrigens im Widerspruch nur neue Lebensnahrung finden, das Wort zu reden; wohl aber muß ich es für wünschenswürdig und zeitgemäß halten, daß zur noth­wendigen Vervollständigung unserer politischen Auferstehung auch in würdiger und schonender Art die kirchlichen Fragen zur Sprache gebracht werden; da es doch umsonst sein würde, dieselben zu verdrängen, und sie sich denn wahrscheinlich auf eine Art Gel­tung verschaffen würden, die unserer ganzen Entwicklung eine unerwünschte Richtung geben oder gar verderblich sein würde.

Den Spalt, der Deutschland in zwei große Hälften trennt, fühlt jede Brust und er durchzieht alle Adern unseres nationalen Lebens, aber es will doch Niemand Hand legen an die Wunde, die schon Jahrhunderte klafft und uns namenlose Schmerzen, unendliches Weh gebracht hat; während doch jetzt oder nimmer die Zeit herangekommen ist, die lange getrennten Glieder wieder zu vereinigen, oder doch wenigstens eine Heilung zu vermitteln, die den ganzen Organismus der Lähmung entzieht.

Ich bin überzeugt, daß es jetzt mehr als je empfunden wird, daß die Glaubensspaltung über Deutschland das größte Leid gebracht hat; daß sie es war, die unserer nationalen Fort­bildung die größten Hindernisse in den Weg legte, und daß sie es ist, welche sich drohend und verderblich zwischen unsern theuer­sten Hoffnungen und unserer Zukunft lagert.

Der Verfasser dieses Aufsatzes ist aus innigster Ueber­zeugung ein glaubenstreuer Katholik, aber auch ein eben so treuer Freund Deutschlauds, seines Vaterlandes, der eö sich, ohne Anspruch auf den Beifall der Menge zu erheben, schon seit vielen Jahren zur ersten Aufgabe seines Lebens gemacht hat, alle Verhältnisse zu erforschen und nach Kräften zur Sprache zu bringen, die seiner Meinung nach mit dem Wohl und Wehe Deutschlands verknüpft sind. Derselbe hält die jetzige Zeit für vollständig geeignet zur Herstellung einer katholischen Kirche Deutschlands, ohne daß namhafte Erschütterungen unserer Zustände hierdurch herbeigeführt werden können, wenn das Vorhaben nicht durch unzeitige und unverständige Theilnahme von Seiten der Nicht-Katholiken gestört oder gar hintertrieben wird. Ich bin sogar überzeugt, daß dieses, wenn unsere und anderer Völker jüngste politische Errungenschaften sich verwirk- lichey und befestigen, nothwendig erfolgen muß, da auf der einen Seite bei allgemeiner Religionsfreiheit und Aufhebung alles staatlichen Einflusses auf die Religion eine fernere Ver­bindung der Katholiken Deutschlands mit Rom keinen Sinn mehr hat und andererseits Italien mit Rom als ein Staat

) Die Redaktion, welche schon mehrfach Protestantische Ansichten ver- hat' ,reut sich, daß in diesem Aufsätze auch einmal ein Ka- der religiösen Frage das Wort ergreift. Denn die Nass. Allg. Zta. will keineswegs auf einseitig konfessionellem Standpunkte st--hen, sie will leder «irche ihr Recht geben und wird einer Sieden die Meinungsäußerung in würdiger Form gerne gestatten. Da­bei glaubt sie übrigens, daß man in dieser Zeit mit nichts schonen-, ^er und zarter verfahren müsse als mit der Behandlung religiöser

gedacht, der sich allem deutschen Einflüsse entzogen und unsere Sympathien verscherzt oder verloren hat, unmöglich noch län- I ger ein unabhängiges Pabstthum aufrecht halten wird, daS als Stützpunkt eines so großartigen Ganzen bienen kann, als die katholische Kirche bisher war. Außerdem ist aber auch die k Mission des Pabstthumö, die auf Gründung eines Weltreichs aus den Trümmern des römischen Reichs in dem Völker- Chaos des ersten Mittelalters hinausginge, für uns sowohl, als fast für ganz Europa als eine vollendete anzusehen; da im Verlauf vieler Jahrhunderte die Nationalität sich all- mählig scharf gesondert und sich bei jeder besondere sittliche und gesellschaftliche Zustände und Bedürfnisse gebildet haben, die nicht wohl mehr unter die Formen fügbar sind, die die katho­lische Kirche als eine Weltreligion festzuhalten gezwungen war. ES läßt sich saft sicher erwarten, daß die ehrwürdigen Häupter des katholischen Deutschlands, die ja auch Söhne unsers gelieb­ten Vaterlandes sind, und seine wahren religiösen Bedürfnisse in Erwägung ziehen werden, zusammentreten, um eine deutsche Kirche zu stiften, die von allen dem befreit, was deut- , schem Wesen zuwider ist, das festeste Band werden muß zur Einigkeit Deutschlands! Grdj.

D e u t s eh l a n d.

* Wiesbaden, 28. April. Die sächsischen Truppen werden mobil gemacht. Wie aus guter Quelle verlautet, sollen sie in den Rheingegenden Quartiere beziehen, als eine Art Reserve des 8. und 9. Armeekorps.

§5 Aus dem Rheingau, 27. April. Am 1. Mai be­ginnen die Wahlen zu unserm Landtage. Gott gebe, daß, nach­dem derselbe in Wirksamkeit getreten, eine bessere Zeit für uns komme, daß die errungene Freiheit auch eine Wahtffeit werde. Bis jetzt ist sie es nicht. Die Sicherheits-Komite's, welche bald nach dem 4. März errichtet wurden, sollten doch ohne Zweifel die obrigkeitlichen Behörden unterstützen, die Ordnung zu hand­haben. Bei der großen Eile, womit ihre Bildung beschlossen! und ausgeführt worden, war aber von Instruktionen in diesem Sinne nicht die Rede, und an manchen Orten haben diese Sicherheits-Komite's ihre Aufgaben mißverstanden, sich selbst als obrigkeitliche Behörde konstituirt oder betrachten sich wenigstens als solche, treffen Verfügungen und werben sich Parteien in den Gemeinden, um diese Verfügungen mit Gewalt durchzusetzen. Daß die Gegenparteien und diejenigen Personen, an denen WMktiMbt wird, keine Freude an der Freiheit und der Sicherheit, welche von diesen Sicherheits-Komite's ausgehen sollen, haben können, braucht wohl nicht versichert zu werden. In diesem Bilde wird man im Herzogthum mehr wie ein Original finden, und Niemand wird leugnen können, daß bei einer solchen Anarchie die errungene Freiheit noch nicht zur Wahrheit geworden ist. Darum wähle man zum Landtage entschiedene praktisch! Männer, nur nicht Schönredner; man wähle solche, welch überzeugt sind, daß die alte Ordnung der Dinge nicht her­gestellt werden soll, darf noch kann, daß aber^die n euss Ordnung ohne Ordnung nicht bestehen kann, und daß dies nur durch eine kräftige Regierung, im Vereine mit einem kräf­tigen Landtage, wieder hergestellt und gehandhabt werden sann.

Es sey also die erste Handlung des Landtages, dafür Sorg- zu tragen, daß der gesetzlose Zustand, unter welchem in mancher Gegenden des Herzogthums die Bürger seufzen, ein EM nehme. —

□ Von der Lahn, 27. April. Wird Dahlmann in'- deutsche Parlament gewählt werden? Fast scheint es nicht; bent die lokalen Interessen wiegen bei den Parlamentswahlen roieM vor, wie sonst in kleinerem Maßstabe bei den Landtagswahlch Die Rheinprovinz, wo Dahlmann wohnt, wird einen katholisches Abgeordneten nach Frankfurt schicken, und es könnte leicht kM men, daß dieser Mann, den die ganze öffentliche Meinung^ einen der Würdigsten für's Parlament erklärt, nirgends gcwâß würde, zur schließlichen Verwunderung von ganz Deutschland So wird es noch mit mehrern Heroen des ve^Hkn Geistes gehen; denn die bereits vollzogenen oder bestimmt in Aussig - stehenden Wahlen zeigen, daß man sich mehrfach von ziemliè engherzigen landschaftlichen Beweggründen hat leiten lassen.

Darmstadt, 26. April. (D. Z.) Ich habe Ihnen di traurige Kunde mitzutheilen, daß nach der Mainzer Zeitung ein- Bürgerversammlung vorgestern in Oberingelheim beschlossen Hal die Regierung zu bitten, daß unsere Truppen nicht länger mehl gegen die Republikaner zur Unterdrückung des Aufstandes benutz werden. So ist es denn endlich den Deklamationen der Main­zer Zeitung und den Wühlereien der Mainzer Republikaner gk