ist sie berufen als eine souveraine Macht nach eignem Ermessen die Verfassung Deutschlands zu bestimmen, bic Volksrechte festzusetzen. Als Grundlage dieser Verfassung, dieser Volks- rechte ist von der vorberathenden Versammlung die Souveränität des Volkes ausgesprochen worden ; allein auf diesem Fundamente muß weiter gebaut werden. ,
Wir erwarten ferner, daß die konstitulrende .Nationalversammlung aus eigner Machtvollkommenheit mit starker Hand das Ruder ergreife, um Deutschland aus den großen Gefahren die ihm drohen, zu retten; wir erwarten, daß sie ihren Be- schlüssen nach Außen und nach Innen Nachdruck und Gehör,am zu verschaffen wissen werde. Jeder Deutsche muß sich dem ausgesprochenen RationalwMn unterwerfen, sey er Furst oder der Geringsten einer, sey er dieser oder jener ParteiaiOcht zugethan. Nur auf diesem Wege der Unterordnung des Einzelwillens unter den Gesammtwillen kann Einheit und Einigkeit, kann Kraft und Stärke in die Nation kommen.
Wir fordern daher alle deutsche Männer, welchen die Erhaltung und die Freiheit ihres Volkes am Herzen liegt, auf, fest auf dem Entschlusse zu beharren, die vorbezeichneten Grundlagen der vorberathenden Versammlung aufrecht zu erhalten, und den in diesem Geiste ohne Zweifel von der Nationalversammlung zu erlassenden Beschlüssen gegen Jedweden, wer er auch sey, Geltung und Gehorsam zu verschaffen.
Wiesbaden, den 16. April 1848.
W. Zais. Franz Bertram, Horstmann.
Die Zustände in Pofen.
eintrat. Besorgt für ihre gegenwärtige und zukünftige Lage verband sich dieselbe unter einander und mit einem großen Theile der grundangesessenen Bauern und Bürger, die unter keiner Bedingung sich von Preußen trennen wollen. Dieser kernhafte und zahlreiche Theil der polnischen Bevölkerung der Provinz fürchtet sogar die Reorganisation und mit ihr, freilich ohne Grund, die Rückkehr der früheren verhaßten Zustande unter dem Einflüsse des Adels. Das Publikum kennt bereits einen Theil der energischen Proteste, welche in dieser Beziehung laut geworden sind. Die lange Nachsicht, welche man der Insurrektion schenkte, um die Leidenschaften sich beruhigen zu lassen, hat nur dahin geführt, der eraltirten Partei weitern Spielraum und ein bemerkenswer-, thes Uebergewicht über die gemäßigte Partei zu gewähren.
So war es dahin gekommen, daß ein Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen den Deutschen und der bewaffneten polnischen Insurrektion nur mit Mühe von besonnenen Männern, welche die Leitung der deutschen Volksversammlungen übernommen haben, zurückgehalten wurde. Aber der Bürgerkrieg mit seinen entsetzlichen Folgen droht auszubrechen. Diese Folgen würden um so schrecklicher gewesen seyn, als die Geistlichkeit von den Kanzeln, von den Stufen des Altars herab durch fanatische Reden das Volk zum Kampf für die Sache der heiligen katholischen Religion und gegen die preußische Regierung zu entflammen bemüht war. Sie hat die Fahnen geweiht, denen die Schaaren der Sensenmänner folgen sollten. Sie hat an mehren Orten ausgesprochen: es seyen Geistliche ermordet, und man wolle die Polen zwingen, evangelisch zu werden, um das getäuschte Landvolk in Wuth zu setzen."
Der kommandirende General von Colo mb hat ein Manifest erlassen, worin er die Unvermeidlichkeit einer kriegerischen Lösung der nationalen Wirren in Posen klar darlegt. Wir heben die nachfolgende Hauptstelle aus, welche eine anschauliche Schilderung von den Hebelgriffen der Polen in Posen gibt.
--„überall da, wo die bewaffnete Macht nicht gegenwärtig sein konnte, wurden die königl. Behörden abgesetzt, oder in ihrer Thätigkeit völlig gelähmt und vertrieben. Unsere Adler sind in dem ganzen revoltirten Landestheile herabgerissen , an vielen Orten beschimpft und in den Koth getreten worden, die öffentlichen Kassen sind mit Beschlag belegt, königliche und Privatpersonen gehörige Gelder, welche mit der Post versendet wurden, sind geraubt. Briefe wurden vielfach erbrochen, mit dem Siegel der polnischen Komites wieder geschlossen, und, mit deren Atteste versehen, weiter gesandt, andere unterschlagen, Staffetten sind aufgehalten und ihrer Depeschen beraubt worden. Verletzungen des Eigenthums, besonders Plünderungen, und Mißhandlungen der Juden sind in Dörfern und Städten häufig vorgekommen.
Neben allen diesen Gesetzwidrigkeiten wurden durch daS ganze Land Kriegsrüstungen gemacht; die Taglöhner und ein Theil der besitzlosen Bevölkerung sind durch Ueberredung, durch Zwang und Drohung, sogar durch die trügerische Vorspiege, lang:, „daß ein Konig von Preußen nicht mehr eristire, Polen frei erklärt sey", veranlaßt, die Sense zur Hand zu nehmen. Man hat überall Freitrupps gebildet, welche mit Büchsen und Jagdgewehren bewaffnet gnd, man hat von den Gutsbesitzern und Bauern mit Gewalt Pferde requirirt und eine mit Lanzen bewaffnete Kavallerie gebildet.
Es war möglich, vereinzelte grobe Erzesse bie jetzt zu fibersehen, indem man voraussetzte, daß die KomiteS, welche sich indessen gegen Gesetz und Recht wie legale Regierungs- kommifsionen benehmen, nicht überall im Stande sein mochten, das aufgehetzte niedere Volk zu bändigen, vielleicht auch ihre eigene angemaßte Stellung und die politische Lage des Landes mißverstanden haben; aber die Bewaffnung des Landes wurde fortwährend mit rastlosem Eifer betrieben, und nahm einen drohenden Charakter an. Man schrieb drückende Lieferungen aus^^man forderte eine halbjährige Grundsteuerzahlung im
Die Uebergriffe, welche man sich erlaubte, fingen an, sich der Unverschämtheit zu nähern, denn man scheute sich nicht in Posen selbst ein Bataillon und eine Eskadron zu bilden und' öffentlich unter den Augen der Garnison zu ererziren. In letzterer Zeit wurden kleinere Kommando's, welche entsendet waren, mit den Waffen in der Hand angegriffen, und einzelne Soldaten durch meuchlerischen Ueberfall ermordet.
Unter solchen Umständen war es natürlich, daß eine heftige Gegenwirkung von Seiten der deutschen Bevölkerung
Deutschland.
$ Wiesbaden, den 16. April. OeffentlicheBlätter und das Gerücht erwähnen einer Versammlung, die alsbald nach Ostern von evangelischen Geistlichen des Herzogthums Nassau in Idstein abgehalten werden soll. Sicherlich ist es an der Zeit, daß die Verhältnisse der evangelischen Kirche unseres Landes nach allen Seiten hin eine gründliche Reorganisation erfahren, und es muß als ein erfreuliches Zeichen angesehen werden, daß die Geistlichkeit selbst dieses nicht nur fühlt, sondern auch entschlossen ist, Hand an's Werk zu legen, damit cs bald anders und besser werde. Ob aber die Eile so dringend ist, daß diejenigen, welche diese Versammlung veranlaßt haben, nicht erst abwarteten, bis der von der Regierung in nächste Aussicht gestellte Reformplan vorgelegt und besprochen werden konnte, möchte ich fast bezweifeln; jedenfalls wäre es wünschenswerth gewesen, wenn in unserer Zeit der Oeffentlichkeit sich die Einladenden darüber irgendwie ausgelassen hätten, warum sie eine frühere Besprechung für nöthig erachteten, in welcher Weise dieselbe stattfiiiden und wer an den Berathungen, resp. Beschlüssen Theil haben solle k., damit nicht der Schein erweckt werde, als sey die Versammlung aus Mißtrauen gegen die Pläne der Regierung, oder gar aus einseitiger Parteirichtung hervorgegangen. Das Mißtrauen scheint wenigstens durch Nichts begründet, da es von einer Synode aus Geistlichen und Laien abhängig gemacht worden seyn würde, ob die projectirten Reformen in's Leben treten sollten oder nicht; Parteisache aber kann und darf eine Umgestaltung von solchem Umfange und so tief eingreifender Nach Wirkung wie die fragliche nicht seyn. Ist es also nach dein Ermessen der Einladenden nicht mehr thunlich, die Versammluuz zu verschieben und gemeinsam mit der kirchlichen Oberbehörde z« handeln, so bleibt nach unserer Ansicht unerläßlich:
1) daß in einem kurzgefaßten Programm neben der Dringlichst'- die Hauptaufgaben der Versammlung angegeben werden;^
2) daß bestimmt erklärt werde, in welcher Weise die Beschluß derselben allgemein bindende Kraft haben und als Aus druck der evangelischen Kirche des Landes angesehen werde« sollen;
3) daß die Versammlung eine solche Gestalt erhalte, M darin die Laien mitver treten sind.
Der letzte Punkt ist von besonderer Wichtigkeit und es IW im Interesse der Geistlichkeit, in unserer Zeit nicht als St a n* allein auftreten zu wollen, wie denn überhaupt gar nicht M Rede davon seyn kann, in Sachen der evangelischen Kirche etwas zu berathen, geschweige zu beschließen, ohne der @c meinde durch ihre Abgeordneten eine Stimme dabei einz» räumen.
□ Vom Rhein, 15. April. Die schmachvolle BlA daß wir Deutschland zur See auch nicht im mindesten Verthu digen können, kommt jeden Tag greller an's Licht. Nach dc«
