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der Gränze zu, trafen aber, so wie leider auch Schreiber dieses, ein paar Stunden zu spät ein, denn die kleine Avantgarde, aus 250 Mann des 5. Linien-Negiments und 2 Kanonen bestehend, unter der unmittelbaren Anführung des wackeren Generals Fleury, hatte die etwa 2000 Mann starke Bande schon total geschla­gen und über die Gränze, welche sie frevelhaft unter dem Rufe: Es lebe die Republik!" überschritten, in der größten Unordnung zurückgeworfen. Jene Bande, zum Theil aus der Hefe des Pariser Volkes und aus etwa einem Drittheile belgischer, in Frankreich beschäftigt gewesener Arbeiter oder Taglöhner, meistens aber aus ganz Niedrigem Gesindel bestehend, hatte Posto neben und in dem oben genannten Dorfe gefaßt, als die kleine Co- konne des belgischen Militärs gegen 8 Uhr Morgens heranrückte. Unter dem Rufe:Vive la république! V ive la ligne! schwenkten sie ihre Fahnen und rückten ihrerseits gegen das bel­gische Corps, welches aufmarschirte und sofort ein Pelotonfeuer eröffnete, das die Insurgenten zweimal beantworteten und wäh­rend dessen sie bei ihrer Ueberzahl Stich hielten. Da entfaltete sich die belgische Infanterie, und die hinter ihr ausgestellten 2 Kanonen eröffneten ein Kartätschenfeuer, welches zur Folge hatte, daß schon beim dritten Schusse die pariser citoyens sicy in Un­ordnung auflösten, ihre Waffen wegwarfen und die Gränze in größte? Eile zu erreichen suchten, Es wurden nur sechs Schüsse gethan. Damit hatte die Sache ihr Ende erreicht. Belgischer Seits blieb ein Sergeant todt; 3 Soldaten und ein Hauptmann wurden leicht verwundet. Von den Insurgenten blieben 10 todt auf dem Platze; viele wurden verwundet, die sich über die Gränze schleppten. Die Belgier erbeuteten 500 Munitions-Gewehre und mehrere Fahnen.

Deutschland.

ss Wiesbaden, 1. April. Die beiden Kommissäre des hiesigen Sicherheitskomites, HH. G. Thon und Dieterich sind von ihrer nicht ganz gefahrlosen Sendung auf Schloß Jo­hannisberg zurückgekehrt, indem sie ihren Zweck erreicht haben. Die nassauische Fahne ist aus dem Hauptgiebel des Schlosses aufgezogen, zu beiden Seiten weht das deutsche Banner. Eine Wache von 12 Mann aus den Orten Johannisberg, Rüdesheim, Geisenheim, Winkel und nöthigenfalls auch den weiter herauf liegenden Flecken liegt ständig in dem Schlosse. Die ganze Do­mäne ist unter den Schutz dieser Wache und des Sicherheits- lomite's vom Flecken Johannisberg gestellt, beziehungsweise unter nassauische Kontrolle. Das gefährdete Wappen Metter- uich's und die über dem Haupteingange befindliche Inschrift wurde vor Zerstörung bewahrt, indem man Beides mit nas­sauischen Fahnen bedeckte unter bereitwilliger Mitwirkung der Gemeindebürger von Johannisberg.

3 Vom Main. 1. April. Die Trennung der Schule von der Kirche ist eine allgemein ausgesprochene Forderung ge­worden. Man weiß nur die Sache nicht sofort beim rechten Ende anzufassen. An der Bergstraße in Weinheim und den Dörfern gegen Heidelberg zu haben's die Gemeinden aber doch gewußt. Der Minister hatte nämlich vor der Zeit der gegen­wärtigen Bewegung erklärt, wenn die Vereinigung der Konfessions­schulen in Gemeindeschulen der ausgesprochene Wille aller Vertreter einer Gemeinde sey, dann würde die Behörde derselben kein Hinderniß in den Weg legen. Man wußte es aber beim alten System Lurch Einflüsse und Verklausulirungen leicht zu machen, daß der einstimmige Wille niemals recht zu Stande kam; jenes Verspre­chen war also blos eine ministerielle Artigkeit gewesen. Die obengenannten Männer haben aber nun Ernst gemacht aus der Artigkeit, sie haben sich auf das Versprechen berufen und den Ständen angezeigt, daß sie die Vereinigung der Schulen ein­stimmig beschlossen hätten und demgemäß in's Werk setzen wür­den. Ein bischen Schlauheit schadet in unserer Zeit gar nichts und die rasche That auch nicht, so lange man auf gesetzlichem Wege bleibt.

+ Vom Taunus, 1. April. Die einzelnen Debatten der gestrigen Verhandlung in Frankfurt, namentlich sofern sie die Verhältnisse der äußeren Politik berührten, könnten zu einer überreichen Auswahl lehrreicher Glossirungen Raum bieten.

So hat Voigt eine Entgegnung an Welcker gerichtet, die mit den Nörten:Der Herr Abgeordnete, nein, der Herr Bun­destag sgesandte Welcker begann" aber der Unwille der Versammlung ließ ihn nicht weiter reden. Würde wohl ein Nordamerikaner, ein Britte, einen Mann des Volkes sofort darob mit Mißtrauen betrachten, weil derselbe, was man doch begehrte, ein öffentliches Amt bekleidet? Hieße das nicht über dieselbe

I Bewegung, deren wir uns freuen und rühmen, den Stab bre­chen, wenn wir immer noch meinten, mit dem öffentlichen Amt müsse sofort in Jeglichen der alte Geist desStaatsdieners" fahren? Der Polizeistaat hat uns um allen politischen Takt ge­bracht, und fast scheint cs mir, wir könnten ihn noch immer nicht wieder finden. Als Bassermann in der badischen Kammer von einem Aufruf erzählte, der ihm aus Frankreich zngekommen wy und welcher forderte, daß wir uns in landesv erräthe- rischer Weise den Franzosen in die Arme werfen sollten, da hörte ich eine Stimme auf ben ©aderten rufen:Denunziant!"

Bassermann war nämlich Tags vorher Welker zur Unter­stützung beigeordnet worden. Und man spricht von politischer Bildung?

Der Oesterreicher Wiessner hat in Frankfurt ein gutes Wort gesprochen, indem er die Ehre des österreichischen Bürger­und Bauernstandes vertheidigte und damit schloß:Von Metter- nich's und Sedlnitzky's Banden umstrickt, konnten wir der Bewegung des übrigen Deutschlands nicht nachfolgen; als aber der Augenblick gekommen, da haben wir uns trotz aller Gefahren erhoben. Die Versammlung möge einen Aufruf an Oesterreich erlassen, an diejenigen, die den glorreichen Sieg errungen."

In Oesterreich ruht ein ungeheuerer Schatz ungcfälschten, kräftigen Volksthums und grade von den bis jetzt politisch noch am wenigsten entwickelten Ländern haben wir vielleicht die frischste und eigenthümlichste Entwickelung zu erwarten. Darum müssen wir uns abgewöhnen was nicht leicht ist, solche Stamme weiterhin von dem Standpunkte zu beurtheilen, der nur auf ihre früheren Regierungen paßte.

Welker hat einen häklichen Punkt berührt, über den man jetzt lieber hinwegzuschlüpfen pflegt. Er meinte, Polewmüsse freilich herausgegeben werden, aber wenn Deutschland Alles herausgeben sollte, müßte ihm auch Elsaß und Lothringen wieder werden. Die Franzosen rühmen sich so gerne, die Fürsprecher eroberter Nationalitäten zu seyn; fällt ihnen dabei nicht das Elsaß ein? Aber. wollen denn die Elsässer nicht geradezu Franzosen bleiben

Das ist der Fluch des alten Systems, daß die Elsässer bisher lieber ein klein Stücklein Freiheit mit den Franzosen als ein voll gerüttelt Maaß Polizeistaat mit den deutschen Brüdern theilen wollten. Nicht die Ränke und Schliche Ludwigs XIV., sondern das alte Schreiberregimenl hat das Elsaß für Frank­reich erobert. Hoffen wir, daß die junge Freiheit uns dasselbe wiedergewinne.

*** Mainz, 31. März. Wie die auswärtige Diplomatie selbst am deutschen Bundestage bis zu dem jüngsten Umschwünge von der Macht und Würde Deutschlands dachte, das möge aus folgender verbürgter Thatsache erhellen.

Vor nicht langer Zeit hatte ein deutscher Schriftsteller in einer Zeitung die Ansicht ausgesprochen, wie wünschens,Eth, ja noth­wendig es sey, daß Holland um der gemeiusanM. handels­politischen und Stammesinteressen willen, ' W vre Freche der deutschen Bundesstaaten ein treten möge, ein Schritt, dem es doch über kurz oder lang nicht mehr ausweichen könnte und siehe, die niederländische Gesandtschaft in Frankfurt führte Ve- schwerde gegen jenen Schriftsteller bei seiner vorgesetzten Be­hörde, weil derselbe Niederland durch die Anmuthuug in den deutschen Bund zu treten herabgesetzt habe! Der Schriftsteller wurde anfgefordert eine schriftliche Vertheidigung abzufassen und führte darin aus, daß es keine Schmach für Nie­derland sey, in einen Völkerverband zu treten, welchem anzu­gehören nicht minder mächtige Reiche, wie Oesterreich und Preußen als den besten Theil ihrer Kraft und Ehre achteten. Diese Vertheidigungoschrift ward der Gesandtschaft zugeüellt, und sie erwiederte, daß sie es bedauern müsse, wenn man ihr eine solche Vertheidigung übergeben könne.

Berlin, 29. März, Abends 8 Uhr. (Kölnische Zeitung.) Das Ministerium Arnim ist nicht mehr; Graf Arnim hat nebstdem Grafen Schwerin seine Entlassung gegeben. So eben ist das neue verantwortliche Ministerium ernannt: Camp­hausen, Präsident des Ministerraths; Hansemann, Finanz­minister; v. Auerswald, Minister des Innern; Borne­mann, Jnstizminister; FrM. V. Arnim (früher Gesandter iu Paris), Minister der auswärtigen Angelegenheiten; v. Reyher, Kriegsminister.' Das Ministerium des Kultus ist noch unbesetzt. D erKönig ist unmittelbar nach Konstituirung des neuen Mini- 8 sterinms nach Potsdam abgereist. Einer Aeußerung des Mi­nisters Hanse mann zufolge soll das zu erlassende Preßge- setz nachdem belgischen zugeschnitten werden.

(Köln. Ztg.) Die Nachr chten aus S cbl e s w ig- H o l st ei» sind den früheren gleich. Ueberall der Ruf zu den Waffen und