die Trefflichkeit LeS Instrumentes beweiset, daß die Kraft und Fülle seines Tones für Len so geräumigen Cencertsaal vollkommen ausreichte, obgleich der Deckel desselben ungeöffnet blieb und dem Flügel selbst nicht wie gewöhnlich ein Podium untergelegt war. Wir gestehen, daß die kühne Bezeichnung: „Mozartflügel" mit Recht zu einem strengen Urtheil herausfordert; wir finden aber, daß Herr C. A. Andre auch mit dem Bewußtsein etwas anerkennenswerth Gediegenes geliefert zu haben, diesen gesteigerten Anforderungen entgegentreten kann. Es hat seine eigene Dewandtniß um den Ton eines Instrumentes, der Ton ist die Seele des kunstvoll gebauten Leibes; diese Seele dem todten Gerippe auS Leim, Holz, Leder und Eisen zu geben, das ist Die Aufgabe und das Geheimniß. Es gibt viele Bildner, die menschliche Gestalten schaffen, wenige, die wie Prometheus den belebenden Funken vom Himmel holen. Der Vorzug eines schönen Tones ist den Mozartflügeln in einem ganz besonderen Grade eigen. Aber auch in Bezug auf die Fülle, die Weichheit und die Gleichheit des Tones, die Stärke und Dauerhaftigkeit des Instrumentes gibt cs besondere Gesetze, deren Kenntniß nicht Gemeingut, so» Lern nur das Eigenthum einiger Auserwählten lst. Eè ist, daß ein Feld auf welchem, so viel auch schon gethan ist, noch unendlich viel der Zukunft und ver Unermüdlichkeit der Forscher Vorbehalten ist. In dieser Beziehung bieten die Mozartflügel beachtenswerthe Vervollkommnungen ver Technik. So ist zu den Hämmern und den Hammerstielen eine eigene Holzart von besonders dichter Tertur bei geringer specifischer Schwere verwendet, gegen welche List und Gewalt nichts vermag. Zur Belederung, man verzeihe uns dieses längst kaum noch zu einem geringen Theil gerechtfertigte Wort, ist e.n bis jetzt nicht angewendeter äußerst elastischer Stoff verwendet, der in der Andauer dieser Beschaffenheit und in der Haltbarkeit den seither gebrauchten englischen Filz weit übertrifft. Der Dämpfungsapparat wie die Metallmechanik sind wesentlich verbessert und endlich ist durch eine besondere Art der Gesamintverspreizung für ein Anhalten der richtigen Stimmung gesorgt. Beiläufig bemerkt ist die Form der sieben-octavigen Mozarlflügel ziemlich compendiös, ein Umstand, der für manchen Käufer, der große Vorliebe für die Musik aber kleine Zimmer hat, nicht unwichtig ist. Der Gedanke , diese trefflichen Instrumente „Mozartflügel" zu nennen, lag für Hrn. C. A. Andres nahe. Alle Welt kennt die Pietät, mit welcher er das Andenken des großen Meisters ehrt, alle Welt weiß, vaß die Andrë'schen Erben im Besitz des überwiegend größten Theiles der Manuscripte des musicalischen Heroen sind, daß' Herr C. A. Andre das Haus, welches diesen Schatz birgt, das Haus „Mozart» benannt hat, daß er in dem eifrigste» Mozartcultus unermüdlich ist. Für die Abnehmer dieser Flügel liegt der Gedanke, sie Mozarlflügel zu nennen, ebenfalls nahe, indem Herr C. A. Andre bedacht war, das Notenpult eines jeden dieser Flügel mit einer gelungenen Copie des von ihm vor einigen Jahren in Mainz entdeckten, von ver Meisterhand I. H. Tischbein's gemalten Mozartbilves zu schmücken. Vollen Anspruch auf den Namen Mozarlflügel hat eigentlich nur der alte Flügel, Den Mozart bei Lebzeit selbst gespielt und der noch im Besitz des letzten Mozart (Carl M.) in Mailand ist. Der Vorzug der neuen sogenannten Mozart- flügel ist jedoch, so ganz und gar nicht jenem zu gleichen, ver bei aller Ehrfurcht vor musikalischen Reliquien nur den traurigen Ruhm hat, den seiner Zeit üblichen Namen ver Claviere Clavicembalo wohl vollkommen zu verdienen.
3ur Cagesgeschichrk.
** Aus Dem Oberrinthal wird folgender komische Vorfall gemeldet, welcher einen neuen Beleg zur bekannten Lebenszähigkeit des Marbers bildet. Vor einiger Zeit ging ein Schütze in Begleitung seines jüngeren Bruders und seines Jagdhundes in Den Wald, um aus seiner Bergscheune Laub zu holen. Aus Dem Benehmen des Hundes bemerkt der Schütze, daß hier etwas Anrüchiges verborgen sein müsse, er wird aufmerksam, durchstöbert selbst die Laubbüschel und entdeckt endlich einen Stein- nimer. Nun wird förmlich Jagd gemacht, lange kommen sie dem Marder nicht zu Leibe, er versteckt sich immer wieder in den Laubbüscheln; endlich will er durch ein Loch hinaus, aber der Hund ist vor dem Loch und fängt den Marder auf, und beutelt ihn tüchtig ab, dann nimmt ihn Der sehr robuste, nervige Schütze beim Kopfe und Den hinter» Füßen unv streckt ihn mit voller Kraft, es nützt nichts; dann schlägt er ihn mit einem Instrument Den Kopf ganz weich, der Marder lebt noch; endlich nimmt er ein Messer, sticht ihm in den Hals und laßt ihm das Blut laufen; dies Mittel hat geholfen, der Marver gibt kein Lebenszeichen mehr, und er wirv als todt auf die Seite gelegt, um ihn als Beute mitzunehmen. Mittlerweile kommt ein Nachbar dazu, sieht den Marder daliegen, nimmt ihn auf und betrachtet ihn. Indeß hat der Marder sich wieder erholt und schlingt sich um den Arm des Menschen welcher ihn aber schnell losläßt. Flugs springt der Marder durch Den Wald abwärts, und würde als erschlagen und abgestochen nochmals entwischt sein, wenn ihn nicht Der Hund noch eingeholt hätte. Nun wurde er endlich vollends getövtet. Jetzt lebt er nicht mehr, da man ihm bereits den Balg über den Kops gezogen.
** Zu den verschiedenen Liebhabereien Abbas Pascha' s, des Vicekönigs von Aegypten, gehört auch vie, schöne Pferde zu besitzen. Wie ein bayrischer Osficier in einem Reiseberichte über Aegypten in der »Allgemeinen Zeitung» erzählt, besitzt Abbas Pascha gewiß Die schönsten Pferde der Welt. Er läßt sich Die Pserve durch Kundschafter bei den Arabern ausspioniren, und so wie ihm ein edles Roß Durch dieselben verrathen wird schickt er ohne Weiteres hin und läßt es gege» Bezahlung eines sehr geringe» Preises holen. Leider ist dieser herrliche Marstall für Niemanden auf Der Welt, außer seinen Bediensteten sichtbar, da er nach einem Den Muhamevanern eigenen Aberglauben fürchtet, es könne ein neidischer Blick (das böse Auge) irgend eines Beschauers den Pferden zu Schaden gereichen. Seine Ställe befinden sich in Der Wüste, von haushohen Mauern ein« geschlossen, wo auch die Pferde in eigens eingerichteten Hofräumen geritten und getummelt werden. Muß eines nach Cairo geführt werden, so geschieht dies mitten in Der Nacht, und es werden vorher durch Patrouillen alle Leute von den Fenstern weg- , gejagt. Wehe dem Diener, durch dessen Versehen irgend ein fremder Blick auf ein Pferd fällt! Der Tod ist sein Loos?
** In einer Gesellschaft wurde gesagt: „Warum veranstaltet denn Hr. N. N. eine Aufführung zum Besten eines milden Zweckes? — Die Antwort war: „Damit Niemand sagen kann, seine Aufführung sei nicht zum Besten."
** Am 25. d. M. lief Die erste Locomotive direkt von Paris nach Lyon. Die Bahn wird am 20. April, dem Geburtstag deS Kaisers, feierlich eröffnet.
&iTanhvonlicDer Redacteur : Dr ^ Ssfjek.
Schnkllpreffen-Druck und Srpedttion von Wilhetm Friedrich in Wiesbaden
