lich hin und mir kam es vor, als ob ich aus diesem Ntbel, trr wie ein Zaubergefängniß ohne Wände war, niemals wieder hervorgelassen würde. In meiner schrecklichen Verzweiflung sagt' ich einmal: Gebt eS auch heute noch so fort, so bin ich hin! Hätt' ich mich dock' lieber in der Karbachmühle gemeldet und mich dafür, daß ich nicht in die Stör kam, auSschel- ten und zur Notb auch ausprügeln lassen!
„In diesem Augenblick schlug die Uhr. Eins! Zwei! Drei! Und so zählte ich bis Zehn!
„Genau erkannte ich die Uhrglocke auf dem IohanniSderge.
„O, dacht' ich, mag es jetzt zehn oder zwölf sein! Jetzt bist du schon beim Johannisberg und so gut wie in Traunkirchen!
„Ich fuhr auf die Richtung, von der aus mir der SchaÜ zukam, neubelebt los.
„Aber um Himmels willen; Eine Stunde bin ich gewiß wieder gefahren und komme aus dem Nebel doch nicht heraus! Tabak und Dunkel sind hin, der Frost schüttelt mich, kurz, ich bin in einer Lage, daß ich die Fahrt nicht länger mehr aushalten kann.
Zum Rudern, daS mich schon so sehr angestrengt, hatte ich kein Vertrauen mehr, mir fiel ein, so recht aus voÜem Halse zu schreien, in der Hoffnung, daß mich wohl irgend Jemand hörend, fick' melden und mir auf diese Art eine Fahrrichtung zurufen könnte.
„Gedacht, gethan! Ich brüllte wie ein wilder Ochse und kaum habe ich das eine Weile so getrieben, richtig! da meldet sich Einer. Ich drehe um, da ruft von der entgegengesetzten Seite eine andere Stimme, der noch mehrere andere folgen und fast alle durch einander.
„Jetzt wußte ich armer Mensch eben so wenig, als zuvor. Gewiß war es, daß ich nahe beim Ufer war, aber in Traunkirchen oder in Ebenste —■ wer weiß es!
Endlich dacht ich: Von dieser Seite her kamen die Stimmen, dahin fahre! Ich thue es langsam, thue es vorfich- tig und arbeite wieder eine lange Zeit.
„Da stößt plötzlich der Kahn an festes Land.
„Ho! denke ich, jetzt hast du cs getroffen; da bist du schnurgerade gefahren. Ja, wenn sich Stimmen melden, daS gibt einem die Marschroute an. (Schluß folgt.)
Lur E«gksgeßchzchte.
•* Eines jener leichtfertigen Gesuche, welche nur zu oft im InteUigenzblatte als Zeichen der modernen Frivolität spucken, soll kürzlich die Veranlassung zu einer wechselseitigen bitteren Enttäuschung gegeben haben. Ein junger Verschwender in Ber- lin, der sein eigenes Vermögen bereits verzehrt hatte, besaß noch eine reiche Tante, deren Erbe er zu werden hoffte. Gedrängt
von seinen Gläubigern, wollte er einstweilen eine Anleihe bei seiner Anverwandten machen Diese schlug jedoch seine Bitte entschieden ab. In der Verzweiflung darüber suchte er im In- telUgenzblatte „eine Lebensgefährtin mit einigem Vermögen." Strenge DiSeretion wurde zugesichert. Schon nach wenigen Tagen erhielt er unter der angegebenen Adresse einen Brief von zarter Hans. Ort und Stunde der nothwendigen Zusammenkunft wurden bestimmt, als Erkennungszeichen eine gelbe Schleife i und eine Blume im Knopfloch angegeben. Da die sonstigen baaren Eigenschaften der geheimnißvollen Briefstellerin unserem Dandy wohl behagten , so begab er sich voll freudiger Erwar« } tungen zu seinem Renbcz-vouS. Schon von Weitem leuchtet ; ihm die gelbe Schleife entgegen. Mit beflügelten Schritten eilt ' er der Erwarteten entgegen. Aber näher gekommen, bricht er in den Schrei der unangenehmsten Ueberraschung auß : „Meine i Tante!" Spricht's und entflieht. Die entrüstete Tante aber ging ; sogleich nach Hause, machte ihr Testament und enterbte den hei- ■ rathslustigen Neffen. Hoffentlich ist auch sie darurch zur Er- i kenntniß ihrer —• gelinde gesagt — Narrt, eit gekommen, obwohl das Intelligenzblatt in dieser Hinsicht nur zu oft noch alS papiernes Rarrcnbaus erscheint.
** Ueber den Häuptern der guten Frankfurter (am Main) schwebt ein dreifaches Verhängniß. Dr. Scheve hat seine Vorträge über Phrenologie, die einer durch Gehirnbaukunstr lehre übersetzte, noch nicht beendigt, da kündigt schon wieder ein Herr Mackenzie praktische Hirnschävel-Erperimente an. Und zum Ueberfluß ist nun auch noch der „praktische Psvcholog" Boffard als dritter im Bunde erschienen, um, wenn nicht atte- täuscht, auch den Frankfurtern an der Nase abzusehrn, waS ihnen auf der Stirn geschrieben steht. Doch braucht man im gegenwärtigen Augenblick gerade kein Physiognomiker ex officio ju sein, um in dem Mienenspiel, namentlich an der Frankfurter Börse die zwei Worte inhaltsschwer zu dechiffriren : „Orientalische Frage." Der früher coursirende Witz, daß Mama Rothschild gesagt habe: „Es bleibt Frieden, renn mein Suh« rückt kein Geld heraus zum Kriege", zieht jetzt nicht mehr, und Rothschild selbst zieht — ein langes Gesicht,
** Ein Inserat der Vossischen Zeitung macht darauf auf- merksam, daß Kaiser Nikolaus in den 29 Jahr.n seiner Regierung sein Land nur um 530 Q -M. vergrößert hat, von denen der größte Theil in Asien liegt, während Frankreich in dieser Zeit über 5000 Q -M. in Arriea erobert und England allein in den beiden letzten Jahren über zehntausend Q.-Meilen durch Ränke und Gewalt erbeutet hat,
* * Nach dem Moniteur de la Flotte betragen, amtlichen Angaben der englischen Admiralität zufolge, die Kosten der bisher zur Aufsuchung Sir John Franklins unternommenen sämmtlich erfolglos gebliebenen Erpevitionen nicht weniger alS 19,850,000 Franken.
* * Die Theaterdirection in Paris hat dem Komponisten deß „Stern des Nordens", Herrn Meyerbeer, sein Autorrecht in ganz Frankreich und in Europa für 400,000 Fr. abgekauft; für die Partitur hat er überdies 25,000 erhalten.
* * Am 26. Febr. brach zu Neu-Orleans im Theater während der Aufführung der französischen Oper eine Galerie ein ; drei Personen wurden dabei getödtet, üb r fünfzig verwundet. __
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