kerrecht eine Flotte nod) Kopenhagen mit bem großmüthigen Verlangen: „Gebt bie dänische gleite und in Verwahrung und laßt Kopenhagen von den Engländern besetzen!» Weil Dänemark nicht ßunvidki aus diese britische Forderung einging, darum beschossen die Engländer zu Wasser und zu Lande Kopenhagen, legten an 600 Häuser in Asche, testeten oder verwundeten 12 bis 1400 Menschen, bis die Haupstadt capitulirte und ihre Citadelle, sowie ihre Flotte in die Tatzen des großmüthigen Leoparden lieferte. Wer, was fremde Flotten betrifft, ein so gläsernes Dach hat, wie England, der sollte doch Andere ja nicht mit Steinen werfen! Daß England keine fremde Flotte ersehen und noch weniger von cinem fremden Seesiege hören kann: das ist des Leoparden Kern!
** Just in uâ Kerner schrieb unter das Bild der durchlauchtigsten Kaiserbraul , welches derselbe von seinem hohen Gönner Sr. k. H. dem Herzoge Mar in Baiern zum Geschenke erhalten hat, nachstehende Verse:
Ja! Ja! Es ist ihr Bild, Ihr liebes Bild! Nach Ihres Vaters ganzem Wesen, Leben,
Da muß der Tochter Haupt sich frei erheben, Ernst sein Ihr Blick, doch klar und kindlich mild.
Schaut! Schaut! wie eine junge Tanne steht
Sie da in schlanker lichter Iugendschöne.
Ha! fühlt ihr nicht wie Berglicht sie umweht?
Und hört ihr nicht um Sie Bergzithertöne?
Den Kranz von Ro en um den Lilienarm, Wie ist Sie licht, ein Strahl deS jungen MorgenS!
Doch nein! Doch nein! Sie ist ein Engel warm , Der, wo er weilt, aufhebt den Schmerz des Sorgens!
O Glücklichster von HabSlurgs edlem Blut,
Dem dieses liebe, lichte Kind Heschieven, Drück'S fest an's Herz, wogt stürmisch seine Fluth,
Es gießt in's Her; Dir seinen Hiinmelss,ieven.
** Ein Meisterwerk der Schiffsbaukunst ist das französisch- Linienschiff M o n t e b e l l o , daS jetzt ausgerüstet. Das Schiff iff 196 Fuß lang, 50 Fuß breit und trägt 120 Kanonen, 36- biS 18pfünbige, so daß es in einer Ladung 3300 Pfund Eisen sortschlerwert. Die Besatzung besteht aus 1089 Mann, für deren Untcrlalt auf 6 Monate man 79,061 Kilo Zwieback 30,530 Kilo Mehl, 24,742 Kilo gesalzenes Fleisch, 30,560 Kilo Gemüse aller Arten, 134,652 Litres Wein, 4390 Lines Branntwein eingeschifft hat. Außerdem hat das Schiff 367 KilolitreS Wasser an Bord, 33,860 Kilo Steinkohlen , 120 Klafter Holz und für den Kampf 9840 Stückkugeln, 160 Kartätschen buchsen und 30,750 Kilo Pulver, Granaten u. s. w. Im Ganzen trägt das Schiff eine Ladung von 5,400,000 Pfund, und dennoch allenthalben Raum genug für die zahlreiche Besatzug und die Handhabung der 120 Geschütze. Seine Segel nehmen 16,803 Gevierte - Fuß ein. Der Kiel hat 180 Cubikfuß Hol;, der große Mast ist 120 Fuß hoch, hat aus dem Deck 6 bis 10 Fuß Umfang und ist bis 42 000 Pfund schwer, mit den beiden Mastaufsätzen erreicht er eine Höhe von etwa 250 Fuß. Dir größte Segelstange ist 115 Fuß lang. ZuM Baue deS Schiffes wurden 140,000 Pfund Eisen aller Arten verbraucht, 56,000 Pfund Kupfer und 31,000 Pfund Kupfer in 2600 Platten zum Beschlagen u. s. w. u. s. w. Zum vollständigen Segelwerk, das bomb verbanden sein muß, bedürf das Schiff 31,500 Meter Leinen , seine große Flagge
allein 270 Metres Stoff. Das Schiff trägt 700 Tonnen ' Ballast an Eisenstangen. Unter Segel, vollständig ausgerüstet, ; wiegt der Montebello eine Milliarde, d. i. 1000 Millionen und ! 400,000 Pfund.
** AuS Straßburg wird unterm 17. März geschrieben: „In ’ den letzten Tagen war der Andrang von Auswanderern so stark, wie das noch nie vorgekommen. Am 14. L. M. beförderte die Paris Siraßbnrger Eisenbahn 1300, Tags darauf 1100 und gestern 900 Personen (also in drei Tagen 3300) nach Havre, j Im nächsten Monat wird, wie man vernimmt, die Auswanderung ; noch stärker sein." Aus Antwerpen, 15. März, wird gemeldet: ; „Der Zuvrang von Auswanderern ist in dieser Iahr.szeit noch । nie so groß gewesen, wie eben jetzt. Es erwarten in diesem Augenblicke an 1500 die Sinnde der Abfährt." Auch in Holland nimmt die Auswanderung nach America in einer außerordentlichen Weise zu. Aus Herzogenbusch und Umgegend sind : schon einzelne Gesellschaften von mehreren Hundert Personen in । diesem Jahre ab gereist, denen andere folgen werden.
** Französische Staatswe isheit. Der Prâfect von Montpellier hat in Bezu, auf das Verbreiten nachtheiliger Gerüchte eine Bekanntmachung erlassen, worin er sagt: „Jeder sei ruhig und bekümmere sich um seine Piivatangelegenheiten; die des Staates gehen den Kaiser an, der das Land personisi- firt. WaS die Übelgesinnten betrifft, so ist bad Beste, waS sie thuen können, ein Stillschweigen zn beobachten, das wenigstens ihre Gedanken nur halb verrathen und sie nicht der gerechten Strenge der Gesetze aussetzen wird."
** Ein Spaßvogel wettete in einer Berliner Gesellschaft, daß ' er von mindestens fünfzig Personen dieselbe Antwort aus eine ' Erzählung erhalten würde. Um seine Wette zu gewinnen, sagte ' er zu dem 'Nächsten: „Wissen Sie schon, daß Meier Ban- ! kerctt gemacht?" — „Welcher Meier?" — Diese nämlichen Worte, in einer halben Stunde hatten fünfzig Personen sie wiederholt und der Spaßvogel seine Wette gewonnen.
** Ein Herr Dr. v. Menow empfiehlt in einem Inserate bet N. Münch. Ztg. den Herren Osficieren Dr Baltz's russische Grammatik als bie beste der gegenwärtig enfHrenben und meint, es dürste jedem Gebildeten gelingen, bei Fleiß und Aufmerksamkeit in wennigen Monaten so viel zu erlernen, «um sich bei demnächstige m Umgang mit Russen verständlich zu machen."
** Ein junger Mann, der eine Visite bei einem vornehmen I Gönner machte begegn»te später einem Freunde. „Wie geht ed j Ihnen?« fragte dieser. — „Schlecht! Ich habe mir so eben durch eine Visite den Schnupfen zugezogen.« — «Wie ist bad möglich? foischte der Andere. — „Ich bin so kalt aufge- nommen worden, daß ich jetzt an Schnupfen leide."
** Die Schwarzkünstler aus Africa (die Zulukaffern) geben wieder Verstellung auf dem Kroll'schen Theater. Sie wollen, wie wir gehört haben, Berlin nicht eher verlassen, bis-sie bie PotSvamer SprachreinigungS-Anstalt zu Ehrenmitgliedern ernannt hat. Bereits spricht bie junge Afrikanerin „Jo nich!" trotz einer geborenen Berlinerin.
** Für die nächste Saison der italienischen Oper zu St. Petersburg sind enqaqirt die MmeS: Lagrange, Marray, de Meric und Taqliafico - Cotti, und die Herren: Tamberlik, Calpolari, Ronconi, Debassini, Lablache, Divot und Tagliasico.
---------------———------------
B^antworrlilder Redacteur : Dr. Ji. Sofjeh.
Schnellpressen-Druck uns Erudition von Wrlyetm Zrtevrrs in Wiesbaden
