ton bereits in Genesung begriffenen wählt Dieser Herr alsdann 20—25 aus und nimmt sie mit in die Provinz. Dieser Menschenfreund ist der Marquis de la Rochefoucaulv, ein Sprößling des alten bekannten Geschlechtes, der auf seinem Schlosse La Roche Guyon eine zahlreiche Kinder Kolonie gegründet hat. Die Kleinen, Knaben und Mädchen, werden hier verpflegt und erzogen. Drei barmherzige Schwestern, mit dem nöthigen HHfs- i personal, stehen dem ganzen Werke vor. Die Kinder werden ’ in allem Nöthigen, in Rücksicht auf ihren künftigen Lebensberuf, ; unterrichtet; der würdige Pfarrer Des Ottes nimmt hieran Den ; thätigsten Antheil. An Seele wie an Körper auf diese Weise genesen, werde» sie später entlassen, um anveren Zöglingen Platz zu machen. Schon seit einigen Jahren wirkte der Marquis im Stillen und hat so über dreihundert Kinder alljährlich einem gewissen Elende entrissen. Erst in neuester Zeit wurde dieses Unternehmen bekannter. Um so größer ist das Verdienst dieses Menschenfreundes, da das Vermögen desselben keineswegs so bemitenD ist, um ohne bedeutende Gelvopfer fein Werk fortzu- führen. Jetzt aber, wo es bekannt geworden, beeilt sich Mancher, den Marquis zu unterstützen. Der Stadtrath von Paris , hat kürzlich eine bedeutende Summe geschickt, der Kultusminister j und mehrere Bischöfe desgleichen; das Ministerium des Innern i hat dem Marquis sogar einen großen Kredit eröffnet. In ganz i jüngster Zeit «zählte man die Sache der Kaiserin, die sich so- i gleich lebhaft dafür interefftrte. Tief gerührt von den mitge- z theilten Details über Die kleine Kolonie soll sie ausgerufen ha- t ben: Auch ich will dazu beitragen; wie viel soll ich wohl ; hinschicken? Man erwiderte ihr: tausend Franken würden eine schöne Gabe sein. 9?ein, entgegnete die hohe Frau, das Werk ist herrlich; ich gebe viertausend und alljährlich eine gleiche Summe. Dadurch ist nun dem Marquis ein weit größerer ; Wirkungskreis eröffnet, und schon in diesem Monat hat derselbe ; mehr als fünfzig Kinder abgeholt.
** Dem „Czas" wird aus Warschau von 3. März be- ■ richtet: „Madame Kullmann, eine hier sehr geachtete Dame, war am Ascher-Mittwoch des Abends zwischen 8 und 9 Uhr im Salon des Grafen P. . . . in einer Gesellschaft. Höchstwahrscheinlich hatte sie, ohne es zu merken, mit dem Fuße ein auf Dem Fußteppiche liegendes Streichzündhölzchen zertreten und dadurch entzündet. Genug, der Teppich und das Kleid Der Madame Kullmann hatten Feuer gefangen, das aber eine längere Zeit unbemerkt fortgeglimmt hatte. Erst als sie ausstand, um einen Brief vorzulesen , schlug plötzlich von unten die helle Flamme empor uno und umhüllte augenblicklich die unglückliche Frau. Ungeachtet alle Anwesenden sogleich Die schnellste Hilfe leisteten , bot der ganze Körper dennoch in der kürzesten Zeit den Anblick einer einzigen Brandwunde dar. lUter Den fürchterlichen Schmerzen zeigte sich der edle Charakter der Unglücklichen auss glänzendste. Vierzig Stunden hindurch, Die sie noch leiben mußte, ehe Der Tod sie befreite, ließ sie auch nicht die geringste Klage oder einen einzigen Seufzer hören. Mit bewunderungswürdiger Resignation bereitete sie sich auf den Tod dor, und ihre Geistesgegenwart verließ sie nicht bis zum letzten Augenblicke. Madame Kullmann war die Halbschwester deS Verfassers der Maria.
** Der preußische General Graf zu Dohna, dem auf fein Ansuchen Der Abschied vom stehenden Heere bewilligt und Der bei diesem Anlaß zum Felomarschall erhoben wurde, ist in der
Reihenfolge Der preußischen Feldmarschälle Der sechzigste. Von Diesen 60 sind 4 vom großen Kurfürsten, 5 vom König Friedrich I., 9 von Friedrich Wilhelm I., 21 von Friedrich Dem Großen, 4 von Friedrich Wilhelm II., 12 von Friedrich Wilhelm III. und 5 von dem jetzt regierenden Könige zu dieser höchsten Militärwürde erhoben worden. Es ist gegen den Brauch im preußischen Königshaus«, daß ein preußischer Prinz mit der Fkldmarschallswürde bekleidet würde. Auch Der Sieger von Freiberg , Prinz Heinrich, hielt beim General Der Ji fanterie inne. Vielleicht um seinetwillen fand Der König Bruder sich bewogen, keinen neuen Felomarschall zu ernennen. Jetzt leben nur zwei preußische Felvmarschätte, der Graf Dohna und einer, der demnächst gegen Die Türken in Den Krieg ziehen wird — Der Fürst Pask ew i t sch.
Die orientalische Frage bringt unS eine ganze Reihe von Schriften, theils um dieselbe überhaupt zu discutiren, theils um unS mit dem Kriegsschauplatz und Persönlichkeiten näher bekannt zu machen. Zu letzteren gehört die im Verlag von Gustav Rtmmelmann in Leipzig vor Kurzem erschienene Brochnre von E. v. Caulaincourt über das russische Reich, DaS dessen Geschichte, Geographie, Statistik, Religions- und Staatsverfassung, Sitten und Gebräuche und gegenseitige WeltsteUung betrifft und außer Dem Bilde des Kaisers eine Karte vom Kriegsschauplatz enthält. Sie gibt genügende Auskunft. Einen Pendant dazu bildet DaS in Erlangen bei J. I. Palm und Ernst Enke erschienene Buch: „Die Türkei in der Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit" von Dr. F. H. Ungewitter, das an Genauigkeit und Vollständigkeit Die erstgenannte Schrift noch übertrifft. Beide sind hier vorräthig bei Wilh Roth.
** Es heißt, daß in dem bevorstehenden Kriege Frankreichs und Englands gegen Rußland auch sogenannte Stickkugeln zur Anwendung kommen. Ein Pariser Korrespondent der „Jndep. Belge" ist im Stande, nähere Aufschlüsse über diese Kugeln zu geben. Sie wurden im Jahre 1846 von einem Graveur Namens Bonnet und zwar durch einen Zufall erfunden, als er ein kräftiges Aetzmittel für Stahl suchte. Im Jahre 1847 ließ Die französische Regierung Versuche anstellen und eS wurde anerkannt, daß, wenn eine Dieser Kugeln in eine Batterie fällt, ihre Erplosion einen Derartigen Geruch verbreitet, daß alle, welche sich in der Nähe befinden, augenblicklich betäubt oder chlorofor- mistrt werden. Im Jahre 1848 und 1849 wurden diese Versuche in Toulon wiederholt und das Resultat war, daß Die französische Regierung Herrn Bonnet sein Geheimniß um 80,000 Fr. abkauste.
** Die Akademie der schönen Künste in Paris hat in der Abtheilung für Architectur an Visconti's Stelle am 18. März Herrn Duban gewählt. Die erste Liste Der Unterzeichnungen für ein Denkmal Visconti's, welche von Der Gazette des Beaur ArtS vom 18. veröffentlicht ward, beträgt bereits über W,000 Francs.
** In diesen Tagen wird in der Borsig'schen Fabrik in Berlin Die fünfhundertste Locomotive fertig, welche zur Ausstellung nach München gesandt und mit festlichem Pomp geweiht werden soll.
** Der «Kladderadatsch» tröst« den bekanntlich auf 8 Tage suspenbirten -Lloyd-. Der „Kladderadatsch" müsse jedesmal acht Tage warten._____________________________
^irantivonlieber Revackeur: Dr. Ä. Sorjch.
Schnellpreffen-Druck und Expedition von Wilhelm Friedrich in Wiesbaden.
