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verloren hat — was bleibt? Die Feierlichkeit war mir im Kleinen ein Bild der ganzen Welt, die mich bier umgibt.

Lur Sagesgcschichtc

** Dr. Eduard Vehse erzählt im 24. Bande seiner „Ge­schichte der deutschen Höfe", vorgeblich nach der Mittheilung eines glaubhaften Mannes, daß ein während dem Leben ihres Gemahls, des Kurfürsten Karl Theodor von Baiern, von dessen Gemahlin, der Erzherzogin Maria Leopoldina, mit dem Grafen v. A. erzeugter Sohn in Paderborn unter dem Namen Graf Oera in der Familie des Postmeisters Daltrop erzogen sei, und zwar von den Jahren 1799 bis 1809. Diese Angabe wird in der „D. VH." von Paderborn aus als unrichtig be­zeichnet. Der unter dem Namen Herr von Oera dort erzogene Knabe wurde schon im Jahre 1774 von einer ausländischen Gräfin Z., die nicht verheirathet war, von Pyrmont aus dort, hin gebracht. Der Freiherr von Fürstenberg war damals noch kein Bischof, konnte also die ihni zugelegte Rolle auch nicht spielen. — Die Erzherzogin Leopoldina ist 1776 geboren, konnte also 1774 keinen im Ehebruch erzeugten Sohn nach Paderborn bringen, und ist erst nach vem Tode Karl Theodor'S mit dem Grafen von Arko vermählt. — Aber: So schreibt man Geschichte :!!

** Im Dienstpersonal deS Kaisers der Franzosen ist ein Ja­cob Hyppenmeyer aus Gottlieben (bei Constanz), den Louis Napoleon als Knabe auf den Arenenberg nahm. Derselbe zeich­nete sich sowohl durch Geschick als Anhänglichkeit so aus, daß er bald der beständige Begleiter seines Herrn wurde. Er be­gleitete ihn nach Straßburg und Amerika, theilte sein Erik in London, war mit in Boulogne und verließ auch den Gefangenen in Ham nicht. Er ist jetzt erster Kammerdiener und jeden Augenblick bereit, für seinen Herrn sein Leben zu opfern. Louis Napoleon hat außer Dr. Conneau keinen treuern Diener.

** In Ungarn werden auch in diesem Jahre von mehreren größeren Landwirthen Anpflanzungsversuche mit Thee gemacht. Nach den bisherigen Versuchen läßt sich in Ungarn im geeig­neten Boden ein Product erzeugen, welches dem aus Rußland eingeführten Thee besserer Gattung gleichkommt. Wie sehr sich der Werth und die Rente des ungarischen Grundbesitzes seit einigen Jahren gesteigert, mag aus dem Beispiele auch erklär« bar werden, daß der Herzog von Koburg von seiner Bacser« Pußta, welche ein Areal von 18,000 Joch umfaßt, vor weni­gen Jahren noch nur 5000 (?) st Renten bezog, während die­selbe Pußta heute mindestens 40,000 fl. trägt.

** Ein Brief aus Rom erzählt eine interessante Anekdote ^om Papst. Als St. Heiligkeit neulich die geistliche Akademie besuchte, ließ er sich die einzelnen Zöglinge vorstellen und ihre Namen nennen. Einer darunter hieß Pace (Frieden). Zu diesem sprach der Papst lächelnd: »Von Dir will jetzt Niemand mehr etwas wissen, doch laß den Muth nicht sinken, Deine Zeit wird wieder kommen." Später fügte er hinzu: „Ich hoffe, daß aus dem bevorstehenden Kriege der Kirche ein Nutzen er­wachsen wird; ich empfehle Euch, dafür zu beten."

** Eine eigenthümliche Fastnachtslustbarkeit hat in Kaufbeuern stattgefunden. Am Fastnacht-dienstag Nachmittag erschienen

plötzlich Bauern auf dem Markt mit Wägen voll Holz und Torf; nachdem sie eine Zeit lang von den Neugierigen sich hatten beschauen lassen, fuhren sie wieder von dannen , aber — an die Häuser von armen Leuten, denen sie den Inhalt ihrer Wägen schenkten. Die Bauern waren wackere Bürger der Stadl, die so der Maskerade einen sehr edelmüthigen Zweck gaben.

** Der brüsseler Circus für Stiergefechte, der im vorigen Jahre erbaut wurde, wird jetzt zum Verkaufe ausgeboten und wahrscheinlich nicht die Hälfte der Kosten aufbringen. Die Unternehmer haben aber 100,000 Franken außerdem verloren und eben so schlechte Geschäfte in Bordeaux gemacht.

** Die Bezeichnung „Here" ist keine Verleumdung mehr. Eine Frau, die von einer andern behauptet hatte, diese habe einer Familie den Weichselzops angchert, war vom Kreisgericht zu Neidenberg zu 14 Tage Gefängniß vernrtheilt worden, weil man annahm, daß ein solcher Vorwurf in dortiger Gcgenv ge­eignet sei, Jemanden dem Haß und der Verachtung auszusetzen. Das Berliner Obertribunal hat jetzt das Urtheil cassirt.

** In Riga starb vor Kurzem, 76 Jahre alt, der berühmte Kunstveteran Joh. Reinhold v. Lenz, ein Zeitgenosse Schröders und Ifflands, ein in der Darstellung namenckich bürgerlicher Charaktere sehr glänzendes Talent. Auch als Schriftsteller hatte sich Lenz vurch einige Lustspiele einen achtbaren Namen er­worben.

** Die Wiener „Presse" dementirt jene, die Verheirathung des österreichischen Gesandten betreffenden Tafelscene (Siehe Nr. 63 d. Bl.) in den Tuilerien , da — Herr v. Hübner seit Jahren mit einer gebornen Wienerin, die Tochter eines in den weitesten Kreisen bekannten Staatsbeamten verehelicht sei.

** „Ideal und Welt", Schauspiel von R. Griepenkerl, wird bereits auf mehrern Bühnen zur Aufführung vorbereitet. Man sieht, der Verfasser versucht cs jetzt mit friedlichen Stof­fen, da die Bühnen vor den schnaubenden Nüstern seiner Re- volutionsdramen zurückgeschreckt sind.

** Ein Pianist Herr Albert in Paris spielte dort unter Anderm eine Etüde unterm Titel Uncle Toms Mill ; was die Claviervirtuosen an Technik auf ihrem Instrumente gewinnen, scheinen sie an Verstand zu verlieren.

In Paris beabsichtigt die Gräfin d'Agoult (als Schrift­stellerin unter dem Namen Daniel Stern bekannt) die Dramen des Fräulein Elise Schmidt (in Berlin) für die französische Bühne zu übertragen und einzurichten.

** R. Wagener will zum Besten der durch die plötzliche Auflösung der Zürcher Bühne brovlos gewordenen Mitglieder

3 Monster-Concerte veranstalten , in denen auch die 9. Sym­phonie von Beethoven vorkommen soll.

** Der berühmte Sänger Rubini ist in einem Alter von 60 Jahren zu Romano, in der Provinz Bergamo, gestorben.

** In Paris wurde in diesen Tagen „Die weiße Dame" von Boieldieu zum 764. Male aufgeführt. .

** Aus Weimar schreibt man der -Theaterchronik", daß K. Gutzkow'S fünfactiges Schauspiel „Ottfried" (nach einer neuern Umarbeitung vom Verfasser) den glänzendsten Erfolg gehabt.

** Demoiselle Rachel beabsichtigt Ende dieses Monats auf ihrer Rückreise auS Rußland in" BreSlau einige Male zu spielen. ________________________________ ■

Verantwortlicher Revaneur: Dr. J. •orjefc.

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