Nordsterne, der nunmehr seinen Einfluß ausgeübt und das Zigeunermädchen zum Kaiserthrone geleitet hat. Dies der schwache, unvollkommene Bericht über ein Meisterwerk, wie einmaliges Hören ihn zuläßt. Der „Nordstern" ist ein neuer Edelstein in dem Diademe, welches Robert, Hugenotten und Prophet bisher bildeten. Der Meister ist auch in dieser neuen Bahn ganz er selbst geblieben, seine großartige Individualität verleugnet sich auch darin keinen Augenblick, und doch ist es eine völlig neue, ursprüngliche Schöpfung, mit welcher er die Kunst bereichert hat. Als der letzte Bogenstrich verklungen, als den Darstellern der gebührende Beifall gezollt und, in üblicher Weise, dem Publicum der Componist des neuen Werkes genannt worden, da erfüllt ein allgemeiner Jubelruf den Saal, Etiquette und Eonvenienz stimmten in den Enthusiasmus der Masse ein, das Publicum wollte dem Compo- nisten persönlich seinen Dank bezeigen. Lange zögerte der bescheidene Meister, endlich gab er dem harrenden Ungestüm der Menge nach und zeigte sich für einen kurzen Moment dem Publicum, das sich ehrfurchtvoll vor ihm erhob. Auch die die Zuschauer in der kaiserlichen Loge brachten stehend dem Genie ihre Huldigung dar. (Aus dem Nürnb. Corr.)
3ur Sagesgeschichte
** HeNry Vieurt empS depulirte in Berlin mit dem berühmtesten Tonwerke des größten Violinspielers des vorigen Jahrhunderts, mit der Sonate: „Le trille du diable“ von Giuseppe Tartini. Tartini, der Vorgänger Paganini's, war der Schüler Corelli's, und wie dieser in seinen originellen Compositionen durch die Entdeckung einer neuen Harmonie gleichsam ein Colombo auf dem Tonmeere geworden, so hat jener mit dem Geigenbogen, der in seiner Hand zur Wünschel- ruthe zu werden schien, den Tonqüell eines dritten Klanges gefunden, welcher aus zwei rein angegebenen Terzen entsprang. Von der „TeufelSsonate" sagt das Programm des Concerts, dessen Ouvertüre sie bildete: „Tartiui träumte eine Nacht, der Teufel sitze am Fuße seines Bettes und spiele ihm außerordentliche, noch nie gehörte Weisen, worauf er erwachte und das Gehörte niederschrieb unter dem Titel: „des Teufels Triller." Gewiß ist, daß der Meister selbst diese Composition als unübernatürliche Eingebung betrachtet hat, gleichsam als eine musikalische Buße dafür, daß er im Franciscaner-Kloster zu Assisi, wo er als abenteuerlicher Flüchtling ein Asyl gefunden, «Fied ler anstatt Mönch« geworden. Um diese Schuld zu sühnen, gab er selbst seiner weltlichen Musik die gründliche Strenge des KirchenstylS. Die Notenschrift seiner „Teufelssonate" aber hatte er immer vor sich an der Wand hängen, als musikalisches Memento jener Nacht.
** In der berühmten Papiermachèfabrik von Bielefeld in London, welche in neuerer Zeit Australien mit soliden papierenen Wohnhäusern versorgt, brach am 9. März AbendS Feuer aus und zerstörte einen großen Theil des, glücklicherweise genügend versicherten, Etablissements. Da dieses in ver Nähe deS
„Strand", mitten unter den Theatern und ZeitungSinstituten gelegen ist, hatte die Brandscene einen literarisch-artistischen Anstrich. Charles Dickens, Mathews, Albert Smith und andere Notabilitäten tummelten sich unter der Feuerbrigade herum; der Eine hatte seine Manuscripte, der Andere seine Garderobe zu retten. Das Feuer wurde indessen bald bewältigt. Bezeichnend für die martialische Stimmung des friedfertigen London ist eS, daß die Feuerleute bei ihrer Arbeit alle mögliche Nationallieder anstimmten, wozu das viele Tausend Köpfe zählende Publicum den Chorus bildete.
** Aus Paris meldet man der Köln. Ztg.: Die Heirathen zwischen Schauspielerinnen und Männern von Rang und Stand scheinen wieder Mode werden zu wollen. So hat die bekannte Magador, von den Varietees, einen Marquis des Faubourg St. Germain, und Frl. Rouvroy, vom Theatre Lyrique, den bekannten Grafen von V..., der 50,000 Fr. Renten hat, geheirathet. Man nennt noch mehrere andere dieser Damen, die aristokratische Parthieen machen werden. So soll Frl. Docht, vom Vaudeville, welche die Dame aux Camelias mit so vielem Erfolg spielte, einen jungen, steinreichen Herzog heirathen. In den aristokratischen Kreisen ist man durch die Wuth, mit ven Theater-Celebritäten eheliche Verbindungen eingehen zu wollen, in Verzweiflung. Der junge Herzog, auf den Viele ihre Augen geworfen, erregt besonders den Zorn unserer aristokratischen Damenwelt. •
** In Schwarzburg - Rudolstadt ist dem Landtag ein neues Militärstrafgesetzbuch vorgelegt worden, in welchem unter den Strafgattungen auch die körperliche Züchtigung figurirt; dabei ist jedoch bestimmt, daß der Patient dieselbe nicht in der Dienstkleidung empfangen darf. Der Gesetzgeber scheint also daS Entehrende und deßhalb für den Militärstand am Wenigsten Geeignete der Strafe gefühlt zu haben; es. fragt sich nur: ist darum der S oldat weniger entehrt, weil die Uniform die Prügel nicht mitbekommen hat.
** AlS Curiosum berichtet ein oSnabrücker Localblatt, das so eben ein pensionirter Lieutenant daS Arrestzimmer der dortigen Hauptmacht auf 6 Monate bezogen hat, und zwar wegen Differenzen, die er mit dem inzwischen alS Befehlshaber in Schleswig-Holstein berühmt gewordenen General Halkett während der Schlacht — bei Waterloo gehabt hat. Die Untersuchung soll der Lieutenant selbst veranlaßt haben.
** Die Nachrichten über Robert Schumann's Zustand lauten ein wenig günstiger. Wie er in lichten Momenten selbst verlangt, hat man ihn einer in Bonns Nähe befindlichen Gei- steSheilanstalt übergeben. Die Aerzte sollen die Hoffnung einer Wiederherstellung noch festhalten.
** Die große mechanische Baumwollspinnerei und Weberei in Augsburg hat im verflossenen Jahre so gute Geschäfte gemacht , daß von dem Reingewinn zu 148,000 fl. außer den gewöhnlichen 5 pCt. Zinsen noch eine Superdividende voy 10 pCt. per Actie zur Auszahlung kommt.
** Der in Belgien hochgepriesene Philanthrop Nicolai auS Stavelot, hat seit dem Jahre 1851 den Armen seines Landes schon in Renten 80,270 Franken geschenkt, waS ein Capital von 2 006.550 Franken ergibt.
♦* Bei der letzten Aufführung der Indra in Berlin wurde die Bühne doppelt so stark besetzt befunden, alS der Zuschauerraum.
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