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v. Kiffeleff mittheilen , daß Sie diese Summe von mir zu for­dern hätten und daß Sie sich meiner Person versichern müßten. Zugleich werde ich Ihnen einen kläglichen Brief schreiben und Kaiser Nikolaus bitten, meine Güter bis zum Betrag meiner Schuld verkaufen zu lassen, damit Sie bezahlt werden und ich meine Freiheit erhalte. Wenn daS Geld dann ankommt, so be­halten Sie eS und zahlen mir die Interessen." So geschah eS denn auch. In der vorigen Woche kam das Geld an. Es fällt dem Fürsten aber nicht ein, Frankreich zu verlassen, indem er den Rest seines Vermögens der Confiscation preisgibt, nur um hier zu bleiben.

•* Ein Korrespondent der „Times", der Ende Januars Sinope besuchte, schreibt: „Seit dem Gemetzel in der hiesigen Bucht sind nun fast zwei Monate verflossen und doch — man wird es daheim kaum glauben — sind die verbrannten und versenkten Fregatten und Transportschiffe (10 der ersteren und 3 der letzteren) beinahe noch im nämlichen Zustande wie am Tage nach ihrer Zerstörung; von einigen ragen die Masten aus dem Wasser empor, andere liegen, mit einem Theile ihres Rum­pfes sichtbar, am Ufer gestrandet und wieder an anderen Stel­len bezeichnen auf dem Wasser schwimmende, in Takelwerk ver­wickelte Sparren und Raacn den Platz, wo ein Schiff in der Tiefe begraben liegt. Ein griechischer Kaufmann hat sich er­boten, die Wracke, Kanonen rc. für 1 72 Millionen Piaster zu kaufen, aber die Türken in ihrer unbegreiflichen Apathie und Dummheit haben das Angebot verworfen und so werden die den Winden und Woge» auSgesetzten Reste in nicht langer Zeit weggespült oder tief versandet und unrettbar verloren sein. Dann und wann steigen noch Leichen aus den versunkenen Schiffen auf die Oberfläche des Wassers und werde», we»» sie a»s Ge­stade treibe», von den überall umherstreifenden Hunden gefressen. Auch die seichten Gräber an der Bucht werden von diesen her­renlosen Bestien aufgewühlt und ich sah ganz entfleischte Ge­rippe und benagte Arme und Beine von Türken an mehreren Stellen deè Ufers herumliegen, welche wieder zu beerdige» ihre Landsleute sich nicht die Mühe nehmen."

** Gräuelthaten auf Gräuelthaten häufen sich fortwährend. Zu Rüppur unweit Karlsruhe brach am 4. März Abends halb 10 Uhr ein Mensch in die Wohnung deS dortigen Ge- meinderechners Schaudt, während sich dieser in das gegenüber­liegende Wirthshaus zur Krone begeben hatte. Er drang in bas Zimmer, worin die Frau und eine junge Verwandte des Rechners schliefen und überfiel sie mit Artschlägen. Die Frau starb noch in der Nacht an den erhaltenen Wunden. Das Mädchen rettete sich bluttriefend durch daS Fenster und eilte nach der Krone. Der Mörder, der es auf die Gemeindekasse abge­sehen zu haben schien, hatte das HauS verriegelt, und als man kindrang, war er leider bereits entflohen. Das Mädchen, daS am andern Tag noch bewußtlos dalag, hofft man retten zu können. Die strengste Untersuchung ist eingeleitet.

®cn Bemühungen des Herrn Mechanikers Hipp in Bern ist es gelungen, einen electrischen Zündapparat für Minen und einen nuHtarioben Telegraphen auf die einfachste Weise herzu­stellen. ^"der der beißen Apparate ist in einem Kästchen von 1 Va Fuß Länge, 5 Zoll Höhe und Breite enthalten, wiegt nur 12 Pfund und kann von einem Manne überall hingetragen werden. Mit beiden Vorrichtungen sind Versuche gemacht worden, die nichts zu wünschen übrig lassen. Von jeder Leitung auS,

selbst von Orten, wo kein Telegraphenbureau besteht, kann mit dem neuen Apparat telegraphirt werden.

** Aus RegenSburg wird, als „Beweis für die Undankbar­keit des Publicums gegen dramarische Künstler" gemeldet, daß dorten arm, alt, verlassen und vergessen jene Tochter Schikane- der's lebe, die in der „Zauberflöte" zuerst den ersten GeniuS gesungen, und zu welcher Mozart, ihr auf die Achsel klopfend, einstmals in der Probe sagte: „Bravo, Nannerl, bravo, auS Dir kann was werden." Und es ist aus ihr eine tüchtige Sängerin und jetzt eine arme, alte Bettlerin, aus ihrem Manne, NamenS Eikhof, früher ebenfalls ein tüchtiger Künstler, ein siecher Greis geworden!

** Kossuth hat am 24. Januar seinen New-Aorker Freun­de» einen Brief geschrieben, der mit den Worten schließt: „Ihr sollt bald von einem durch uns ausgeführten Titanenwerk Kunde erhalten, wie wir den Ossa auf den Pelion häuften, ohne an­dere Werkzeuge, als die Nägel unserer Finger zu besitzen/ Da sei eS kein Wunder, meint Herr Justus Köperle, daß diesen modernen Weltverbesserern immer so viel hinter den Nägeln hängen bleibt.

** Ain 3. März ist der verheirathete Zullu Kaffer Nkulum- k o l o , welcher sich seit Anfang vorigen Monats in der Ber­liner Charite befand, an der Schwindsucht daselbst gestorben. Derselbe war englischer Unterthan. Dem Sarge folgte die Frau des Verstorbenen in gewöhnlichem europäischen Costüm, mit ei­nem rothen Band durch das Haar, geführt von den beiden Engländern; hinter diesen die 7 andern Kaffern.

** In der Franckh'schen Verlagshandlung in Stuttgart erscheint eine deutsche Bearbeitung der Correspondenz des Kai­sers Napoleon mit seinem Bruder, dem Könige Joseph von Nea­pel, aus den in unserem Blatte bereits mehrfach erwähnten „Me­moiren des Königs Joseph".

** Die Direktion der Frankfurt-Hanauer Eisenbahn hat be­schlossen, vom 15. d. Mts. als Uebergang vom Winter- zum (sommerbien ft einen Frühjahrsdienst ins Leben treten zu lassen. Es wäre im allgemeinen Interesse, wenn die Verwaltungen der übrigen Eisenbahnen ein Gleiches thun wollten.

** Auf der Londoner Sternwarte wurde am 3. März aber­mals ein neuer Planet entdeckt. Er gehört anscheinend zu den Sternen zehnter Größe, zur Gruppe zwischen Mars und Ju­piter und steht nahe an der Spica im Stern der Jungfrau.

** In einer „geistreichen" Gesellschaft wurde neulich der Psy­chograph wegen der orientalischen Angelegenheit befragt. Die Antwort lautete: „Ein Narr kann mehr fragen, als zehn Kluge antworten können.

** Frau Jenny Lind-Goldschmid wird in W ien sechs Concerte geben. Das erste Concerte findet Sonntag den 26. März im k. k. Redoutensaale statt.

** Die Testamentsvollstrecker Lamennais' werden mit Nächstem ein nachgelassenes Werk desselben: „Studien über Dante" be­titelt, erscheinen lassen.

** John Martin, der als der größte Maler deS heutigen Englands galt, ist dieser Tage auf der Insel Man im Alter von 65 Jahren gestorben.

** LouiS Napoleon will die Oper „Cassilda" des Herzogs von Sachsen-Coburg in der Pariser großen Oper aufführen lassen. Am 2. d. wurde nach Coburg um die Partitur telegraphirt.

Verantwortlicher Redacteur: Dr. Ä Vorzeit.

Schnellpreffen-Druck und Expedition von Wilhelm Friedrich in Wiesbaden