in der Hand, retten durch ihre Treue ihren Herr», oder bringen ihn durch Bestechlichkeit und Schwatzhaftigkeit in Verlegenheit, bald sind fy in Ehren ergraute Diener, deren Rath von der Herrschaft gehört und befolgt wird, bald abgefeimte Spitzbuben, bald listige Windbeutel und Leporello's, bald wieder einfältige Tölpel und deutsche Michel. Die Con- traste von Hochmuth und Unterwürfigkeit, Dummheit und ' Dummklugheit, Einfalt und Mutterwitz, von Ehrlichkeit und Käuflichkeit zeichnen sich freilich so scharf gerade in den Bedienten seelen, daß es keinem Bühnendichter zu verargen ist, wenn er, dem alten Brauche geUeu, seine Komödie nicht ohne einen Lakai, der am Schlüsse die Zofe heirathen muß, fertig bekommt. Aber nicht allein für die Bühne — auch für das wirkliche Leben sind jene Figuren von Wichtigkeit, die, vom goldbequasteten Kammerdiener herab bis zum verkleideten Hausknecht des Modcinagazins, stolz sind auf ihre Livree — das Zeichen ihrer Unfreiheit. Sie sind Spiegelbilder der betreßten menschlichen Eitelkeit überhaupt, insbesondere aber ihrer Herrschaft, deren Brod sie essen, deren Lied sie pfeifen, deren Gang sie copiren, deren Manieren sie annehmen, nach der sie sich gegenseitig benennen und der sie es bald abseheu, ob sie fluchen dürfen oder beten müssen. Blinde Ergebenheit, Treue bis zum Tode, rastlose Unverdrossenheit, sie finden sich in dieser Menschenclasse vielleicht eben so oft, als die faule Geschäftigkeit und geschäftige Faulheit der Kreatur sammt allen Anhängseln des BummlerthumS.
Die Bedienten - Armee rekrutirt sich hauptsächlich auS den vom Militär Entlassenen, und zwar zumeist aus solchen, welche als Osfizieiburscheu die Schule durchgemacht, die also neben Disciplin und Subordination tausenderlei Dinge gelernt haben, die der richtige Bediente kennen und wissen muß.
Das Ideal jedes solchen Burschen ist schon während sei- ner Dienstzeit beim Militär — eine Civil-Livröe: er findet sich darin nobler, einnehmender und propprer, sie gibt ihm Aussicht auf weiße Handschuhe und Trinkgelder, auf Glück bei seiner Dulcinea, die ihn verschmähte, weil er noch nicht einmal Gefreiter war, er schaut sein schöneres Bild in jedem versilberten Knopfe des Rockes und jeder Knopf sagt ihm: Johann, du heißest nicht mehr Johann — von ^eute wirst Du Jean genannt!
Aber nur Wenige werden dieses Glückes theilhastig. Die Gage der meisten Offiziere reicht eben knapp aus, um einen ganz einfachen Burschen zu halten, nicht Alle können „reich" heirathen, der Jahreszuschnß deö Herrn Vaters wird immer kleiner, je mehr Brüder in die Armee eintreten, Und das Vermögen manches Gutsbesitzers steht leider im umgekehrten Verhältnisse zur Zahl seiner Ahnen, d. h. es ist so viel dünner geworden, als der Stammbaum dicker wurde — es hat sich mit diesem verzweigt.
Trotz mancher Beschwerden hat der Stand der Burschen doch so viel Anziehendes, daß jeder Mann, der auf seinen Sold allein angewiesen ist, sich freut, wenn er dazu auser- wählt wird. Ein Jahr, vielleicht noch länger, Freiheit vom Feld- und Garnisondienst, bequemeres Leben, kleine Einkünfte und die Gewißheit, daß beim Herrn Offizier doch Manches für ihn abfallen wird — das Alles macht den Posten annehmlich. Er weiß: die Hosen und die Mütze, die der Herr Lieutenant trägt, sie werden einst aus seinem Körper paradireu, die Handschuhe seines Gebieters wird er einstmals über die eigenen Finger zwängen, und Schmerz ersaßt ihn nur, wenn er die Glanzstieseln betrachtet, die, ach! für seine Commiß- füße niemals passen werden.
Die Wahl der Burschen treffen die Korporale. Als tüchtige Menschenkenner bringen sie nicht gerade ihre best- exercirten Leute, sondern solche in Vorschlag, die eine gewisse Unlust im äußeren Dienst, aber dafür mehr Geist und Pfiffigkeit zeigen als die anderen Kameraden.
Jede höhere Rangstufe des Offiziers drückt dem Burschen ein anderes Gepräge auf: Der des Hauptmanns und der Stabsoffiziere wird in den Listen der Beurlaubten geführt, gänzlich auf Kosten seines Herrn verpflegt und in sein Hauswesen eingereiht. Ist der Heer verheirathet, so versieht der Bursche alle Functionen eines Bedienten neben dem Hausmädchen : er muß Stuben bohnen, Wasser tragen, Sachen putzen und bei der Tafel aufwarten. Er führt die Kinder seines Herrn spazieren, gibt ihnen den ersten Reitunterricht, folgt der Gnädigen, wenn sie Einkäufe macht, mit dem Markt- korbe, und dem Herrn, wenn er zur Parade geht, mit Mütze und Mantel. Die Kinder lieben ihn, wenn er klug, sie foppen ihn, wenn er dumm ist, die Köchin verehrt ihn — quand mème. Zu seinem Herrn hat er oft binnen Jahresfrist nichts Anderes zu jagen gehabt als — „zu Befehle«, Herr Major!" (Schluß folgt.)
Jur Sagesgeschichte
** In den hiesigen SalonS — schreibt man auS Paris — erzählt man sich eine Anecdote, die, so fabelhaft sie auch klingt, doch wahr sein soll. Wenige Tage vor der Abreise des Herrn V. Kisseleff erschien der russische Fürst X.....bei Herrn Rothschild und bat denselben, ihn im Schuldengefängniß zu Clichy einsperre»» zu lassen. „Wie," rief Herr Rothschild, „Sie schulden mir ja nichts!" — „Darauf kommt es nicht an," entgegnete der Fürst, „ich werde Ihnen für 1,800,000 Franken Wechsel unterschreiben. Sie erwirken ein Urtheil gegen mich und lassen mich gleich einstecken. Hier haben Sie zwei Bankzettel von 1000 Franken, die die Kosten bestreiten." — „WaS soll ich aber mit Ihren Schuldverschreibungen machen?" fuhr Rothschild fort. — „Sie werden", erwiderte der Fürst, „Herrn
